Was ändert sich für die Arbeitnehmer:innen?
Ob man in einem Automobilwerk arbeitet, auf einer Baustelle schweißt oder im Gesundheitswesen regelmäßig mit gefährlichen Medikamenten in Kontakt kommt: Die neuen Vorschriften zielen darauf ab, die Exposition gegenüber krebserregenden Stoffen so weit wie möglich zu begrenzen. Konkret werden zwei wichtige Änderungen eingeführt.
Erstens werden neue europäische Grenzwerte für die berufliche Exposition gegenüber vier krebserregenden Stoffen festgelegt, darunter Kobalt, ein Rohstoff, der unter anderem bei der Batterieherstellung verwendet wird. Zudem haben Arbeitnehmer:innen, die über längere Zeit spezielle Schutzausrüstung wie eine Atemschutzmaske tragen, nun Anspruch auf regelmäßige Pausen in einem nicht kontaminierten Bereich.
Für Sommen geht es bei der Einigung um gleichen Schutz, unabhängig davon, wo man arbeitet: „Ein Arbeitnehmer in Antwerpen verdient genau denselben Schutz wie eine Arbeitnehmerin in Athen oder Lissabon. Und umgekehrt. Indem wir endlich europäische Grenzwerte für eine ganze Reihe neuer Stoffe, darunter Kobalt, festlegen, machen wir Schluss mit dem Flickenteppich nationaler Vorschriften, der Arbeitnehmer:innen noch allzu oft von dem Land abhängig macht, in dem sie arbeiten.“
Die langfristigen Auswirkungen sind erheblich. Die Europäische Kommission schätzt, dass die Vereinbarung in den nächsten vierzig Jahren etwa 1.700 Fälle von Lungenkrebs verhindern und fast 19.000 Menschen vor schweren Berufskrankheiten schützen könnte.
Geopolitische Bedeutung von Rohstoffen
Gleichzeitig berücksichtigten die Verhandlungsführer eine wichtige geopolitische Realität. Kobalt ist ein kritischer Rohstoff für Batterien, die Energiewende und die europäische Verteidigungsindustrie. Untersuchungen der KU Leuven deuten zudem darauf hin, dass die Nachfrage nach Kobalt in der EU bis 2050 im Vergleich zum aktuellen Verbrauch um bis zu 350 Prozent steigen könnte.
„Wenn Europa seine strategische Autonomie stärken will, müssen wir daher sicherstellen, dass die Verarbeitung und Produktion dieser Rohstoffe in Europa verankert bleiben“, sagt Sommen.
Genau deshalb sei es ihrer Meinung nach unerlässlich gewesen, ein Gleichgewicht zwischen einem besseren Schutz der Arbeitnehmer:innen und der Aufrechterhaltung einer starken industriellen Basis in Europa zu finden. „Zu strenge Vorschriften ohne ausreichende Leitlinien bergen die Gefahr, dass die Produktion in Länder verlagert wird, in denen die Arbeitnehmer weniger gut geschützt sind und die Arbeitsstandards niedriger sind. Diese Einigung verbindet einen besseren Schutz der Arbeitnehmer mit der Berücksichtigung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie und der Sicherung europäischer Arbeitsplätze“, fasst sie zusammen.
Nächste Schritte
Über die Einigung wird im Herbst im Europäischen Parlament abgestimmt. Danach müssen die Mitgliedstaaten die Rechtsvorschriften noch innerhalb von zwei Jahren umsetzen.