Ein Seminar zum Thema „Sicherheit und Schutz von weichen Zielen in Organisationen: Neue Formen von Risiken für Arbeitnehmende“ fand vom 11. bis 12. Juni 2026 in Ružomberok/Slowakei statt, das in Zusammenarbeit mit dem EZA von NKOS (Nezávislé krestanské odbory Slovenska) organisiert und von der Europäischen Union finanziert wurde. 54 Vertreter:innen von Arbeitnehmerorganisationen aus der Slowakei, Slowenien, Polen, der Tschechischen Republik, der Ukraine, Nordmazedonien, Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie Ungarn nahmen am Seminar teil.
Hauptschwerpunkt und wichtigste Aspekte des Seminars
Der zentrale Nutzen des Seminars bestand darin, die Theorie mit der Praxis zu verbinden, um „vulnerable Einrichtungen“ wie Schulen oder öffentliche Ämter vor Übergriffen und auftretenden Bedrohungen am Arbeitsplatz zu schützen. Dabei sprachen die Teilnehmer:innen jedoch nicht nur über die damit verbundenen Probleme. Bei einem Besuch der hoch gesicherten Industrieanlage von MONDI SCP erlebten sie auch Sicherheitsmanagement in der Praxis aus erster Hand. So konnten sie Möglichkeiten eruieren, um diese professionellen Verfahren und Sicherheitsmaßnahmen auch auf Schulen und öffentliche Umgebungen anzuwenden.
Das Seminarprogramm vermittelte den Arbeitnehmer:innen äußerst praktisches Wissen. Sie lernten, wie sie mit Übergriffen umgehen, einen Amoklauf überleben, einen Arbeitsplatz technologisch sicher gestalten und Erste Hilfe leisten können.
Auch der soziale Dialog spielte dabei eine wichtige Rolle. Gewerkschaftsvertreter:innen aus mehreren Ländern bekamen Fachwissen und Hilfsmittel an die Hand, mit Hilfe derer sie aktiv Krisenpläne erstellen und in Tarifverhandlungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz als Priorität eintreten können. Schließlich erarbeitete das gesamte Seminar erfolgreich konkrete Leitlinien auf Basis der Expertentheorie, die Schulen und Organisationen direkt anwenden können, um ihre Mitarbeiter:innen und Schüler:innen besser zu schützen.
Strategisches Timing und Notwendigkeit für unmittelbares Handeln
Das Timing des Seminars war besonders wichtig, da es auf einen anhaltenden Trend in Europa reagierte: einen alarmierenden Anstieg an Übergriffen, körperlicher und psychischer Gewalt und von Angriffen gegen Arbeitnehmer:innen im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen. In einer Zeit, in der Schulen und öffentliche Einrichtungen zunehmend anfälliger für neue Risiken werden – von Extremismus bis hin zu Bedrohungen durch Amokläufe – ist der Schutz dieser „vulnerablen Einrichtungen“ zu einer dringenden gesellschaftlichen Priorität geworden. Dieser wachsende Druck erfordert unmittelbare, solide und proaktive Lösungen, die nicht länger hinausgezögert werden dürfen.
Aus diesem Grund war das Timing dieses Seminars von entscheidender Bedeutung. Es stellte Sozialpartnern und Arbeitnehmervertreter:innen zu einem Zeitpunkt konkrete Hilfsmittel, rechtliche Rahmenbedingungen und praktische Krisenprotokolle zur Verfügung, an dem die europäische Sicherheitspolitik zügig in die Praxis einzelner Schulen und Organisationen umgesetzt werden muss. Schließlich schloss die Veranstaltung eine wichtige Lücke bei der Vorbereitung der Arbeitnehmer:innen auf den Umgang mit echten Krisensituationen, indem ihre Sicherheit in der digitalen und postpandemischen Landschaft von heute unmittelbar gestärkt wurde.
Themenübersicht und besprochene Kernthemen
In der folgenden Übersicht werden die zentralen thematischen Säulen des Seminars hervorgehoben, die sich auf die Umwandlung von Sicherheitstheorien in eine realisierbare Praxis am Arbeitsplatz konzentrierten. Jeder Abschnitt hebt dabei einen entscheidenden Schulungsbereich hervor, der die Sicherheit und Krisenvorsorge in Bildungs- und öffentlichen Einrichtungen unmittelbar verbessern soll.
Definition und Anfälligkeit vulnerabler Einrichtungen: Definition des Konzepts der vulnerablen Einrichtungen und Ermittlung von Risiken in Schulen, darunter auch Angriffe, Mobbing, Extremismus und Vandalismus. (Prof. Ing. Andrej Veľas, Ph. D.)
Anpassung von Sicherheitsprotokollen: Übertragung von Krisenmanagement, Evakuierungsverfahren und Überwachungstechnologien aus der Industrie („wenig vulnerable Einrichtungen“ (hard targets)) auf die schulische Umgebung. (Studienreise zu Mondi SCP a.s.)
Überlebensstrategien bei Angriffen: Praktische Vorgehensweisen für Arbeitnehmer:innen beim Umgang mit Übergriffen, Gewalt am Arbeitsplatz und Amoklaufsituationen. (Michal Jaššák)
Sozialer Dialog und Krisenplanung: Die Rolle von Gewerkschaftsinspektor:innen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OHS) sowie von Arbeitnehmervertreter:innen bei der Erstellung interner Sicherheitspläne und Tarifverhandlungen. (Podiumsdiskussion I und II)
Integrierter Schutz am Arbeitsplatz: Umsetzung spezifischer technischer und organisatorischer Maßnahmen zur Verbesserung der allgemeinen Sicherheit. (Peter Ďubek)
Erste Hilfe: Praktische Vorgehensweisen für medizinische Notfallmaßnahmen und Erste Hilfe direkt nach einem Vorfall. (MUDr. Noemi Šimunková)
Seminarergebnisse:
Das wichtigste Ergebnis des Seminars war die Erarbeitung konkreter Leitlinien für Schulen, Politiker:innen und Gewerkschaften zur unmittelbaren Verbesserung der Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Teilnehmer:innen erwarben praktische Fertigkeiten für den Umgang mit Krisensituationen, darunter auch für das Verhalten bei einem Amoklauf, die Umsetzung technischer Maßnahmen und das Leisten von Erster Hilfe vor Ort. Ein weiterer großer Vorteil war die Stärkung der Rolle von Gewerkschaften, Arbeitnehmervertreter:innen und Sicherheitsinspektor:innen, die Vorlagen erhielten, um innerhalb ihrer Organisationen auf einfache Art und Weise maßgeschneiderte Krisenpläne erstellen zu können. Darüber hinaus förderte das Seminar eine effektive internationale Zusammenarbeit, indem es Vertreter:innen aus europäischen Ländern die Möglichkeit bot, ihre Erfahrungen auszutauschen. Dies trägt zukünftig zu einer besseren gemeinsamen Sicherheitspolitik bei.
Ergebnisse aus den Diskussionen, Arbeitsgruppen, Workshops usw.
Einigung über die Prioritäten des sozialen Dialogs: Bei den Podiumsdiskussionen mit internationaler Beteiligung (Vertreter:innen aus acht Ländern) hat man sich darauf geeinigt, dass der Schutz vulnerabler Einrichtungen und die Gewährleistung der Sicherheit von Arbeitnehmer:innen vor Übergriffen ein wesentlicher Teil der Tarifverhandlungen und des sozialen Dialogs sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene sein müssen.
Festlegung der Kompetenzen von Arbeitnehmervertreter:innen: Die Debatten führten zu einer klaren Festlegung der zentralen Rolle der Gewerkschaftsinspektor:innen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OHS) sowie der Arbeitnehmervertreter:innen, von denen erwartet wird, dass sie direkte Verantwortung übernehmen und sich aktiv an der Erarbeitung interner Krisenpläne innerhalb der Organisationen beteiligen.
Anwendung praxisbezogener Krisenprotokolle: In praxisorientierten Blöcken testeten die Teilnehmer:innen erfolgreich Vorgehensweisen und Überlebensstrategien für Amokläufe, die Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen zum Schutz des Arbeitsplatzes sowie spezifische Erste Hilfe-Protokolle, die für Arbeitnehmervertreter:innen ausgearbeitet wurden.
Formulierung abschließender Empfehlungen: Die Ergebnisse aus den Expertenrunden und Diskussionen führten zur Ausarbeitung einer Reihe konkreter Empfehlungen für politische Vertreter:innen und Sozialpartner, die den Schutz von Arbeitnehmer:innen und Schüler:innen in der gesamten EU systematisch verbessern sollen.
Zentrale Forderungen und notwendige Maßnahmen
Es besteht ein dringender Bedarf an soliden und proaktiven Lösungen, welche die sofortige Umsetzung konkreter Maßnahmen auf allen Ebenen – von einzelnen Schulen bis hin zu nationalen und europäischen Rahmenbedingungen – erfordern, um dem wachsenden Druck und der Gefahr von Anschlägen auf Schulen entgegenzuwirken. Unterstützend dazu müssen der Schutz vulnerabler Einrichtungen und die Gewährleistung der Sicherheit von Arbeitnehmer:innen vor Übergriffen und Gewalt als zentrale Priorität im Rahmen des sozialen Dialogs und in Tarifverträgen anerkannt werden. Darüber hinaus müssen Arbeitnehmervertreter:innen und Gewerkschaftsinspektor:innen für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OHS) umfassendere Kompetenzen und ein direktes Mitspracherecht bei der Gestaltung interner Krisenpläne innerhalb der Organisationen zugestanden werden. Schließlich fordern die Organisationen die systematische Einführung technischer und organisatorischer Maßnahmen, darunter umfassende Schulungen von Arbeitnehmer:innen im Umgang mit Angriffen (wie z. B. Amokläufen) sowie Zugang zu standardisierten Vorlagen für die Erarbeitung von Sicherheitsprotokollen.
Praktische Auswirkungen und Umsetzung der Ergebnisse bei der täglichen Arbeit
Basierend auf den Seminarergebnissen und den erarbeiteten Empfehlungen gibt es folgende Auswirkungen für die tägliche Arbeit der Teilnehmer:innen und ihre Organisationen:
Basierend auf den Seminarergebnissen und den erarbeiteten Empfehlungen wird die Umsetzung bei der täglichen Arbeit der Teilnehmer:innen und ihrer Organisationen einige zentrale Änderungen mit sich bringen. Zuallererst müssen Organisationen von passiven Sicherheitsmaßnahmen zu proaktiven Krisenplänen übergehen, in denen die spezifischen Risiken berücksichtigt sind, denen vulnerable Einrichtungen ausgesetzt sind. Für die Gewerkschaften bedeutet dies eine klare Verpflichtung, sich aktiver dafür einzusetzen, dass Fragen im Zusammenhang mit der Sicherheit und dem Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSH) in Tarifverträge und regelmäßige Treffen mit der Geschäftsführung einbezogen werden. Nicht zuletzt werden die Arbeitnehmervertreter:innen ihren jeweiligen Arbeitgeber:innen empfehlen, regelmäßige Schulungen für die Belegschaft in den Bereichen Situationswahrnehmung und im angemessenen Umgang mit Bedrohungen bereitzustellen, was unmittelbar zum Aufbau einer starken und proaktiven Sicherheitskultur am Arbeitsplatz beitragen wird.