Für das Seminar zum Thema „Next Gen Union: Die Kraft der Jugend in Arbeitnehmerorganisationen wecken“ kamen Vertreter:innen von Arbeitnehmerorganisationen aus Zypern, Griechenland, Frankreich, Rumänien, Spanien, Belgien, Serbien, Portugal, Litauen und der Tschechischen Republik zusammen, um sich mit der Generationskrise der Arbeitnehmerbewegung zu beschäftigen. Es fand vom 13. bis 15. Mai 2026 in Larnaka/Zypern statt und wurde von KIKEA-DEOK (Zyprisches Institut für Ausbildung/Bildung und Beschäftigung (KIKEA) – DEOK) in Zusammenarbeit mit dem EZA organisiert und von der Europäischen Union finanziert.
Wichtige Aspekte des Seminars
Da das Durchschnittsalter der Gewerkschaftsmitglieder in Europa auf zwischen 40 und 50 Jahre gesunken und der Mitgliederanteil von 40 % in den 1980er Jahren auf heute 16 % gefallen ist, befasste sich das Seminar mit den strukturellen Hindernissen, die verhindern, dass junge Arbeitnehmer:innen in Gewerkschaften eintreten und diese führen. Es untersuchte zudem die gemeinsamen innovativen Einbindungsstrategien und setzte sich mit dem transformativen Einfluss von künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt auseinander. Eine zentrale Erkenntnis war das Aufkommen einer Verdrängung von Einstiegspositionen: Generative KI automatisiert nun genau diejenigen Aufgaben auf Einstiegsebene, die bisher zur Ausbildung der nächsten Generation von Fachkräften diente, was sowohl die Beschäftigung junger Arbeitnehmer:innen als auch den langfristigen Nachschub an erfahrenen Arbeitnehmer:innen gefährdet. Das Seminar hob außerdem hervor, dass ein algorithmisches Management für Millionen junger Arbeitnehmer:innen in ganz Europa bereits gelebte Realität ist, und rief Gewerkschaften, Arbeitgeber:innen, Regierungen und EU-Institutionen auf, das KI-Gesetz und die Richtlinie zur Plattformarbeit durchzusetzen, in KI-Kompetenz zu investieren, in großem Umfang Umschulungen zu finanzieren und innerhalb der Gewerkschaften konkrete Strukturen für junge Arbeitnehmer:innen mit echten Entscheidungsbefugnissen zu schaffen – und diese nicht nur mit beratenden Aufgaben zu betrauen.
Bedeutung der Durchführung des Seminars in diesem Zeitraum
Der Zeitpunkt dieses Seminars hätte nicht bedeutender sein können. Europa befindet sich an der Kreuzung zweier sich überschneidender Krisen: einer generationsbedingten Lücke innerhalb der Gewerkschaften und eines sich beschleunigenden technologischen Wandels des Arbeitsmarktes, der die Arbeit schneller umgestaltet, als Institutionen darauf reagieren können. Die zentralen Bestimmungen des europäischen KI-Gesetzes traten im Februar 2025 in Kraft und machten KI-Kompetenz zu einer gesetzlichen Verpflichtung für Arbeitgeber:innen. Das Bewusstsein für dieses Gesetz ist bei den Arbeitnehmer:innen und ihren Vertreter:innen allerdings nach wie vor besorgniserregend niedrig. Die im Jahr 2024 verabschiedete Richtlinie zur Plattformarbeit bedeutet erstmals eine Erweiterung des Schutzes für Millionen von Arbeitnehmer:innen in diesem Arbeitsfeld. Ihre Wirkung hängt allerdings vollständig davon ab, ob die Gewerkschaften über das Wissen und die Kompetenzen verfügen, sie auch durchzusetzen. Gleichzeitig liegt die Jugendarbeitslosigkeit in der EU durchschnittlich bei 15 %, wobei einige Mitgliedstaaten die Marke von 25 % überschreiten, während die generative KI die Einstiegspositionen überflüssig macht, die bisher als Tor zu einer qualifizierten Beschäftigung gedient haben. Dieses Seminar findet genau zu dem Zeitpunkt statt, an dem der regulatorische Rahmen zwar geschaffen ist, seine Umsetzung und Durchsetzung sich jedoch noch im Entstehen befindet, an dem der technologische Umbruch fortgeschritten genug ist, dass er messbar, aber noch nicht unumkehrbar ist, und an dem das Zeitfenster zur Mitgestaltung dieser Veränderungen noch offen ist – anstatt nur auf sie zu reagieren.
Themenfelder
EU-Rahmenbedingungen und Arbeitnehmerrechte: „Jugend, Gewerkschaften und das europäische Sozialmodell“
Innovative Strategien für die Einbindung junger Menschen
Beteiligung junger Menschen in Gewerkschaften: Hindernisse und Lösungen
Führungskompetenzen für junge Gewerkschaftsmitglieder
Beteiligung junger Menschen in Gewerkschaften: Nationale Perspektiven
Die Zukunft der Arbeit: Wie sich KI und Digitalisierung auf junge Arbeitnehmer:innen auswirken
Ergebnisse
Das europäische Seminar startete mit dem Hauptvortrag des Staatssekretärs im zyprischen Arbeitsministerium, der die Einbringung junger Menschen in Arbeitnehmerorganisationen sowohl als soziale Notwendigkeit als auch als Voraussetzung für die fortdauernde Relevanz des europäischen Sozialmodells darstellte.
In den Themensitzungen, die am zweiten Tag folgten, wurde diese Realität aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht. Die Europäische Kommission befasste sich mit dem Gefälle zwischen den von der Europäischen Säule sozialer Rechte auf dem Papier garantierten Rechten und ihrer gelebten Erfahrung durch junge Arbeitnehmer:innen, insbesondere von denjenigen in einer prekären, plattformbasierten oder informellen Beschäftigung. In der nächsten Sitzung wurde der lange Verlauf des Rückgangs der Gewerkschaftsmitgliedschaft nachgezeichnet – von mehr als 40 % in den frühen 1980er Jahren auf heute ca. 16 % in allen Ländern der OECD (in einigen Mitgliedstaaten sind es sogar nur 4,3 %). Es wurden sechs strukturelle Kräfte ermittelt, die diesen Trend befeuern: das Scheitern des Generationswechsels, die wahrgenommene Bedeutungslosigkeit traditioneller Gewerkschaftsstrukturen für moderne Arbeitsplätze, die schleppende Annahme digitaler Organisationsformen, die Diskrepanz zwischen den bisherigen Prioritäten der Kampagnen und dem, was jungen Arbeitnehmer:innen wirklich wichtig ist, die Zersplitterung der Beschäftigung durch prekäre Verträge und Plattformarbeit sowie der allgemeine Zusammenbruch des Vertrauens in Institutionen bei jüngeren Generationen.
Anschließend wurde ein umfassendes Rahmenwerk zur Förderung junger Gewerkschaftsführer:innen vorgestellt, das öffentliches Sprechen, Verhandlungstraining, Vertrauensbildung und ethische Vertretung umfasst und nachdrücklich argumentiert, dass der fehlende Bestandteil in den meisten Jugendprogrammen nicht Bildung oder Mentoring ist, sondern echte Entscheidungsbefugnisse.
Eine sehr wichtige Sitzung fand mit den acht nationalen Delegationen statt, deren Beiträge sowohl die Vielfalt der nationalen Kontexte als auch die bemerkenswerte Konsistenz der zugrunde liegenden Herausforderungen aufzeigten. Vom wegweisenden „Riders Law“ aus Spanien – das Plattformarbeitnehmer:innen nach Jahren anhaltender Gewerkschaftskampagnen endlich einen Beschäftigungsstatus und algorithmische Transparenzrechte gewährte – bis hin zum tschechischen Modell des Jugendforums, das bereits einige nationale Führungsmitglieder aus seinen Reihen hervorgebracht hat, zeigten die nationalen Perspektiven, dass dort, wo Gewerkschaften ernsthaft in die Beteiligung junger Menschen investieren und innovative Strategien übernehmen, ein messbarer Fortschritt erreicht werden kann. Auch Belgiens wegweisende Tarifverträge, die von Gig-Plattformen verlangen, algorithmische Entscheidungen zu erläutern, Litauens KI-Kompetenzschulungen für Gewerkschaftsvertreter:innen vor Ort im Betrieb und Rumäniens Mentoring-Programme, bei denen junge Vertreter:innen mit erfahrenen Verhandlungsführer:innen zusammengebracht werden, boten allesamt übertragbare Modelle, die auf Ergebnissen aus der echten Welt basieren.
Am letzten Tag wurde noch weiter über den Tellerrand geschaut. Dr. Christodoulos Efstathiades, Assistenzprofessor an der Universität Limassol, hielt die technisch anspruchsvollste Sitzung des Seminars, in der er zwischen drei grundlegend verschiedenen Paradigmen von künstlicher Intelligenz unterschied und erläuterte, warum generative KI einen historischen Wendepunkt darstellt: Zum ersten Mal sind auch die nicht routinemäßigen, kognitiven Aufgaben, die immer als vor der Automatisierung sicher galten – die Ausarbeitung, Analyse und die Einstiegsaufgaben, durch die jede Generation von Fachkräften ausgebildet wird – wesentlich gefährdet. Seine Warnung zur Verdrängung von Einstiegspositionen, bei der KI-unterstützte erfahrene Arbeitnehmer:innen das leisten, was bisher die Nachwuchskräfte geleistet haben und das so die wirtschaftlichen Gründe, überhaupt junge Menschen einzustellen, schwächt, fand im gesamten Raum großen Anklang. Er dokumentierte zudem, dass das algorithmische Management für die meisten Arbeitnehmer:innen im Bereich der Plattformarbeit in Europa bereits jetzt schon gelebte Realität ist, dass jüngere Arbeitnehmer:innen unverhältnismäßig stark von digitaler Überwachung betroffen sind und dass die Arbeitnehmer:innen an vielen Arbeitsplätzen faktisch diejenigen Systeme trainieren, die später einmal ihre eigenen Aufgaben übernehmen sollen, ohne ihre Zustimmung oder eine Vergütung dafür.
Die Schlussfolgerungen des Seminars wurden an vier bestimmte Gruppen von Akteuren gerichtet, jede mit spezifischen und unmittelbaren Verantwortlichkeiten. Die Gewerkschaften wurden aufgerufen, junge Strukturen mit echten Befugnissen zu schaffen – mit echten Budgets, gewählter Führung und einer Vertretung in Führungsgremien – und nicht nur mit konsultativen Vereinbarungen ohne Befugnisse. Gleichzeitig sollen sie KI-Kompetenz als Kernkompetenz entwickeln und technologische Vereinbarungen aushandeln, die überall dort Transparenz, menschliche Kontrolle und Verpflichtungen zu Umschulungen sicherstellen, wo KI am Arbeitsplatz eingesetzt wird. Die Arbeitgeber:innen wurden daran erinnert, dass die Bereitstellung von Schulungen in KI-Kompetenz seit Februar 2025 gemäß dem KI-Gesetz der EU rechtlich verpflichtend ist, dass eine Konsultation vor einer Automatisierung gesetzlich vorgeschrieben ist und dass die Streichung von Stellen in Einstiegspositionen zur Erzielung einer kurzfristigen Effizienz mit Risiken verbunden ist, die den Nachschub an Fachkräften, auf den das eigene Unternehmen angewiesen ist, zunichte machten. Nationale Regierungen wurden aufgefordert, die Richtlinie zur Plattformarbeit und das KI-Gesetz der EU konsequent durchzusetzen, durch gezielte Anreize die Beschäftigung in Einstiegspositionen zu schützen und lebenslanges Lernen in einem Umfang zu finanzieren, der in einem echten Verhältnis zur Geschwindigkeit des technologischen Umbruchs steht.