EZA MAGAZINE
EZA PODCAST

Auswirkungen von KI auf die Arbeit im öffentlichen Dienst

Ein Seminar zum Thema „Auswirkungen von KI auf die Arbeit im öffentlichen Dienst“, das in Zusammenarbeit mit dem EZA von EUROFEDOP (Europese Federatie van het Overheidspersoneel) organisiert und von der Europäischen Union finanziert wurde, fand vom 8.-10. Juli 2026 in Helsinki/Finnland statt. Vertreter:innen von Gewerkschaften aus dem Bereich des öffentlichen Dienstes aus ganz Europa kamen zusammen, um über die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf die Arbeit im öffentlichen Dienst zu sprechen.

Seit der letzten derartigen Veranstaltung von Eurofedop in Estland im Jahr 2024 konnten große Fortschritte verzeichnet werden und viele neue Herausforderungen sind hinzugekommen, die bewältigt werden müssen. Der Veranstaltungsort des Seminars in Helsinki hatte aufgrund der finnischen Grenze zu Russland symbolische Bedeutung. Gewerkschaftspräsident Norbert Schnedl erinnerte in seiner Begrüßungsrede in diesem Zusammenhang daran, dass die Mitgliedsorganisationen von Eurofedop ihr Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit als Säulen unserer Gesellschaft bekräftigen müssen, da diese genau jetzt zu verteidigen sind. Auch in der Frage bezüglich KI ist unser Leitprinzip bereits klar: Wir dürfen dabei niemals den Menschen vergessen und niemals damit aufhören, für uns selbst zu denken. Die Teilnehmer:innen wurden auch vom Co-Präsidenten des EZA, Piergiorgio Sciacqua, begrüßt, der seine Überlegungen zu KI auf die christliche Lehre und Ethik stützte und argumentierte, dass der Umgang mit dieser Herausforderung Investitionen in lokale Innovationen und vor allem in Menschen erfordert.

Der erste Seminartag umfasste drei äußerst informative und inspirierende Grundsatzvorträge. Thomas Letinen, Vertreter der Stadt Helsinki, erzählte, wie die gesamte Stadtverwaltung eine verantwortungsvolle KI aufgebaut hat. Gerfried Stocker (Ars Electronica Centre) konzentrierte sich auf die gesellschaftlichen Belange, während Kristel Kriisa (TalTech Estonia) betonte, dass Technologie selbst zwar neutral ist, ihre Auswirkungen auf die Arbeitnehmer:innen es allerdings nicht sind – und dass daher eine bewusste Politikgestaltung und Tarifverhandlungen daher unerlässlich sind. Eine intensivere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene ist wünschenswert. 

Die Teilnehmer:innen verbrachten die erste Hälfte des zweiten Seminartages damit, wissenschaftliche Erkenntnisse von Forscher:innen zur Zukunft der KI am Arbeitsplatz im öffentlichen Sektor zu erhalten. Im Hinblick auf die Transparenz betonte Dr. Didem Özkizilan Wagenführer (WZB Germany), dass der soziale Dialog ein fortlaufender Prozess über den gesamten Lebenszyklus der KI sein sollte. Steve Dhondt (TNO/KUL) ermutigte die Teilnehmer:innen dazu, sich an Tarifverhandlungen zu beteiligen. Die Zukunft der KI hängt von uns Menschen, von ihrer Regulierung und nicht von der Technologie selbst ab. Die Teilnehmer:innen sprachen unter anderem über einige Beispiele für bewährte und schlechte Methoden sowie den „Black Box“-Effekt. Sie kamen zu dem Schluss, dass mehr menschliche Kontrolle erforderlich ist.

Vor dem Beginn einer interaktiven Workshop-Übung erweiterte Prof. Viorel Rotila (FSSR/Vize-Präsident Eurofedop) den Horizont der Teilnehmer:innen, indem er über die Wissenslücke im Bereich der KI sprach. Die fünf Säulen – Weiterbildung, Mitgestaltung, Schutz und KI-Kompetenzen seitens der Gewerkschaften – sind unerlässlich. In Kombination mit dem eigenen Fachwissen der Arbeitnehmer:innen in ihrem jeweiligen Bereich können sie eingesetzt werden, um die Gestaltung einer Zukunft zu beeinflussen, die Vorteile für die Arbeitnehmer:innen bietet. Von diesen Einblicken ermutigt, taten sich die Teilnehmer:innen in Gruppen zusammen und nahmen aktiv an einer Modellübung teil, wie KI von Arbeitnehmerorganisationen genutzt werden kann, um ihre Ziele voranzutreiben. 

Nach der Mittagspause stellte Debolina Paul (BIAS Projekt) ein Projekt vor, das durch den Einsatz von KI Vorurteile bei der Personaleinstellung aufdeckt. Maschinen und Menschen sollten sich gegenseitig ergänzen. Frau Paul schärfte das Bewusstsein für die Tatsache, dass die Maschine menschliche Vorurteile und Weltanschauungen übernimmt, die wir ihr beibringen. Während der zweiten Nachmittagshälfte stellte ein Rundgang durch das Technische Museum in Helsinki künstliche Intelligenz, Robotik und deren mögliche Zukunftsszenarien in den Kontext technologischer Entwicklungen und Erfindungen, die der Mensch im Laufe der Geschichte geschaffen hat – und zwar aus einem historischen und ethischen Standpunkt. Ein sehr sachkundiger und enthusiastischer junger Museumsführer lieferte Ideen und Denkanstöße.

Der letzte Seminartag begann mit einem praxisorientierten und aufschlussreichen Vortrag von Daniel Markovič, außerordentlicher Professor für Sozialarbeit. Unter Verwendung unterschiedlicher Beispiele aus dem Bereich der Sozialarbeit und des Gesundheitssektors wurde so deutlich, dass das Gesetz zwar die rechtlichen Parameter festlegt, dass das Wesentliche der Kontrolle durch den Menschen aber am Verhandlungstisch des sozialen Dialogs ausgehandelt wird. Schließlich hob Dr. Anna-Mari Wallenberg die Gefahren und Misserfolge von KI aus der Perspektive eines Landes hervor, das KI im öffentlichen Sektor schnell und umfassend einführt und auch einsetzt. Diese rasche Einführung von KI im öffentlichen Sektor muss mit einer gründlichen Schulung zu rechtlichen und ethischen Aspekten einhergehen. Die Arbeitnehmer:innen – und zwar diejenigen, die KI als Arbeitshilfsmittel einsetzen werden, – müssen zuvor einbezogen und geschult werden, und nicht erst bei oder nach der Einführung von KI in die Arbeitsprozesse. 

Es lässt sich schlussfolgern, dass KI ein sehr nützliches Hilfsmittel sein kann. Gleichzeitig kommt man über alle Sitzungen des Seminars hinweg immer wieder auf eine einzige Botschaft zurück: Die Zukunft von KI im öffentlichen Dienst hängt von der Regulierung und von den Menschen ab, nicht von der Technologie selbst – und die Gewerkschaften müssen bei der Gestaltung der Zukunft durch den sozialen Dialog eine zentrale Rolle spielen.