EZA MAGAZINE
EZA PODCAST

Unterstützung von Migrant:innen und Geflüchteten auf dem europäischen Arbeitsmarkt – Herausforderungen für Arbeitnehmerorganisationen

Vom 12. bis 15. Februar 2026 fand in Lublin/Polen ein Seminar zum Thema „Unterstützung von Migrant:innen und Geflüchteten auf dem europäischen Arbeitsmarkt – Herausforderungen für Arbeitnehmerorganisationen“ statt, das mit Unterstützung von EZA von Europejski Dom Spotkań – Fundacja Nowy Staw organisiert und von der Europäischen Union finanziert wurde. Vertreter:innen von Arbeitnehmerorganisationen aus Polen, Portugal, Albanien, Spanien, der Slowakei, Belgien, Italien, Nordmazedonien, Frankreich, Bosnien und Herzegowina sowie der Ukraine nahmen am Seminar teil.

BEDEUTUNG DES SEMINARS

Die Vielfalt der Podiumsdiskussionen wurde durch die Teilnahme von Referent:innen ermöglicht, die verschiedene Bereiche des Arbeitsmarktes repräsentierten: Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, die sich für Geflüchtete und Migrant:innen einsetzen, Universitäten sowie Unternehmen, die Migrant:innen beschäftigen. An den Podiumsdiskussionen nahmen Personen aus verschiedenen Teilen Europas teil, die sich mit den Problemen und Herausforderungen des Arbeitsmarktes für Migrant:innen und Geflüchtete befassten. 

Das wichtigste Ziel des geplanten Seminars war eine Diskussion über die aktuelle Situation von Migrant:innen und Geflüchteten auf dem europäischen Arbeitsmarkt und über die Rolle von Arbeitnehmerorganisationen bei deren Unterstützung im Hinblick auf ihre bildungsbezogene und berufliche Aktivierung und Stabilisierung. 

Dieses Seminar bot die Gelegenheit, sich über Erfahrungen aus der Arbeit mit Geflüchteten, bewährte Methoden für deren Betreuung und Unterstützung bei der beruflichen Aktivierung sowie über Herausforderungen und Aufgaben, vor denen Europa diesbezüglich steht, auszutauschen. Entscheidend war dabei der Prozess, während des Seminars Antworten auf die folgenden Fragen zu finden: Was können wir als Vertreter:innen von Arbeitsorganisationen für Geflüchtete tun? Vor welchen Herausforderungen steht die Europäische Union? Wie sieht unsere Solidarität mit Geflüchteten und Migrant:innen aus, die in unseren Ländern nach besseren Lebensbedingungen suchen? Was können wir für sie tun? 

ZENTRALE THEMEN, DIE WÄHREND DES SEMINARS BESPROCHEN WURDEN, UND ANGEWANDTE METHODEN: 

Während dieses zweitägigen Seminars konnten die Referent:innen und Seminarteilnehmer:innen ihr Wissen und ihre Überlegungen zu verschiedenen Aspekten der Situation von Migrant:innen und Geflüchteten austauschen: Die folgenden Themen wurden besprochen: 

  • die aktuelle Situation von Migrant:innen und Geflüchteten im Bereich der Beschäftigung und Bildung 

  • aktuelle Probleme und Herausforderungen der sozioberuflichen Integration für Geflüchtete und Migrant:innen 

  • die Beurteilung des Potenzials und der Vorteile durch die Aufnahme von Migrant:innen und Geflüchteten in EU-Ländern 

  • bewährte Methoden für die Aufnahme und Unterstützung von Migrant:innen und Geflüchteten in Aufnahmeländern – Beispiele für systemische Lösungen, Strategien und Initiativen, die von Arbeitnehmerorganisationen ergriffen wurden 

  • die Rolle von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen bei der Integration von Migrant:innen und Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und beim Schutz ihrer Arbeitnehmerrechte 

  • der Wert der Arbeit und des Humankapitals von Migrant:innen und Geflüchteten im Zusammenhang mit der katholischen Soziallehre 

  • die Notwendigkeit für psychologische Unterstützung und Grundsätze zur Unterstützung von Menschen in der Migrations- und Flüchtlingskrise – die Rolle von professioneller und informeller Unterstützung aus der Gemeinschaft 

  • der Wert von Arbeitsmigrant:innen in Ländern mit schrumpfender Bevölkerungszahl und erforderliche rechtliche Lösungen 

  • die Rolle der katholischen Kirche als Quelle der Hilfe und Unterstützung für Migrant:innen und Geflüchtete in den Ländern wurde wiederholt betont. 

Das Seminar fand vorwiegend in Form einer Debatte statt, bei der die Referent:innen das Diskussionsthema in ihren jeweiligen Vorträgen ansprechen und so einen hohen inhaltlichen Beitrag leisten konnten. Die meisten Vorträge waren grafisch gestaltet – wodurch eine bessere Konzentration auf den vorgetragenen Inhalt möglich war. Auf jede Podiumsdiskussion folgte eine Sitzung mit Fragen und Kommentaren.  Das Programm endete mit Workshops, in denen die Teilnehmer:innen zu Wort kommen und ihre Empfehlungen, Lösungen und Ideen für die Unterstützung von Migrant:innen und Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt anbringen konnten, sowohl lokal in ihren jeweiligen Ländern als auch auf europäischer Ebene. 

ZENTRALE SCHLUSSFOLGERUNGEN UND EMPFEHLUNGEN AUS DEM SEMINAR: 

Während unserer Podiumsdiskussionen und Workshops wurden die folgenden Schlussfolgerungen und Empfehlungen erarbeitet: 

  • Notwendigkeit in Bezug auf Bildung bereits in jungen Jahren: Einführung in die Themen Weltgeschichte, Kultur, Religion, ethnische Herkunft, Geografie und Vielfalt – „Lasst uns in den Schulen, bei der Jugend beginnen“ 

  • Europa braucht die Einwanderung – auch wenn einige Länder strenge Gesetze für Migrant:innen erlassen, sollten wir gemeinsam versuchen, diese Situation zu ändern. Wir sollten diese Gesetze human gestalten. 

  • Empfehlung für ein weiterführendes Studium im Bereich der interkulturellen Bildung: Wie sollten wir mit lokalen Gemeinschaften über Migration sprechen? Wie lässt sich institutionelle Sensibilität formen? Änderung von Gesetzen und Vorschriften zu Migrant:innen. Derzeit herrscht eine einwanderungsfeindliche Stimmung, da dies, vor allem in Wahlkampagnen, gerade „in“ ist – das muss sich wieder ändern. 

  • Keine Beschränkungen für Migrant:innen, vor allem aus der Ukraine, keine Beschränkung von Hilfen und keine Gesetze, die Migrant:innen daran hindern, im Ausland zu arbeiten 

  • Eine Fortsetzung der Hilfe und Bereitstellung von Unterstützung für Migrant:innen aus der Ukraine ist notwendig. Wir dürfen keine Lager errichten und den freien Verkehr von Menschen zwischen den einzelnen Ländern nicht einschränken. Niemand sollte dazu gezwungen werden, umzusiedeln. 

  • Ermutigung der lokal ansässigen Menschen, ihre Einstellung gegenüber Migrant:innen zu ändern. Änderung der Einstellung der Einwohner eines Landes gegenüber Fremden (Fremde gelten als Unruhestifter) 

  • Wir schränken den Zugang zu Wohnen oder Sprache nicht ein, wir müssen eine kluge Migrationspolitik erarbeiten. 

  • Notwendigkeit zur Verbesserung der Lebensqualität und Wohnbedingungen für Wirtschaftsmigrant:innen – Europa benötigt Einwander:innen, um die sinkenden Geburtenraten und eine alternde Bevölkerung bewältigen zu können. 

  • Notwendigkeit zur Einführung inklusiver Koordinierungsmaßnahmen, die Migrant:innen und Geflüchtete auf unseren Arbeitsmärkten unterstützen würden 

  • Notwendigkeit zur Stärkung der europäischen Zusammenarbeit, um demografische Herausforderungen bewältigen zu können – gemeinsame europäische Migrationspolitik 

  • Stärkung der Zusammenarbeit und des Dialogs zwischen europäischen Ländern, um Geflüchteten zu helfen und um Akzeptanz und Sensibilität gegenüber ihren Bedürfnissen zu entwickeln 

  • Gerechte Lösungen basierend auf christlichen Werten sind notwendig; Wertschätzung von Vielfalt 

  • Klare, allgemein gültige Kriterien für die Anerkennung von Berufsqualifikationen sind notwendig. 

  • Rechtliche und kulturelle Aufklärung sowohl für Arbeitnehmer:innen als auch für Arbeitgeber:innen ist notwendig. 

  • Notwendigkeit zur Erarbeitung neuer Wege im Umgang mit Migration 

  • Notwendigkeit zur Änderung der Klimapolitik aufgrund der zunehmenden Zahl von Klimageflüchteten – das gerät leicht in Vergessenheit 

  • Anpassung des Bildungssystems für Geflüchtete und Migrant:innen, Einführung klarer Regeln für die Integrationspolitik und Stärkung der Teilhabe von Migrant:innen an der Gesellschaft 

  • Die Migrationspolitik muss im Rahmen von Regierungs- und kommunalen Maßnahmen in Zusammenarbeit mit Arbeitgeber:innen umgesetzt werden, die ausländische Staatsangehörige einstellen. Auch die Stimme der Gewerkschaften ist wichtig. Gleichzeitig ist es wichtig, den Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, den sozialen Zusammenhalt und die vollständige Einhaltung von Arbeitnehmerrechten zu schützen. 

  • Notwendigkeit der Gleichbehandlung – in Bezug auf Löhne, Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und andere soziale Rechte, unabhängig von der Herkunft – Notwendigkeit zur Errichtung einer soliden, allgemein gültigen Sozialpolitik 

  • Notwendigkeit zur Erarbeitung geeigneter und funktionierender Modelle für die Arbeit mit Geflüchteten auf allgemeiner (rechtlicher) und lokaler Ebene (praktische, tägliche Arbeit staatlicher Institutionen und von Nichtregierungsorganisationen) 

  • Wir sollten eher über Transkulturalismus anstatt über die Integration und Assimilation von Migrant:innen sprechen – und unser Denken ändern 

  • Hervorgehobene Rolle des Aufbaus starker Arbeitnehmerorganisationen, um mit Geflüchteten zu interagieren und um ihre Arbeitnehmerrechte zu schützen, indem Schulungskurse, soziale Kampagnen, rechtlicher Beistand, psychologische Unterstützung sowie der Kampf für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Löhne organisiert werden 

  • Es ist wichtig, Bildung, Erfahrung und Zertifikate in den einzelnen Ländern anzuerkennen, um menschliches Potenzial nicht zu vergeuden. Die EU-Länder profitieren aufgrund ihrer alternden Bevölkerungen von Arbeitsmigrant:innen. 

  • Notwendigkeit zur Bekämpfung von Menschenhandel – ein Phänomen, das in vielen europäischen Ländern auftritt 

  • Wahrung der Menschenrechte und der menschlichen Solidarität – es wurde jedoch auch betont, dass Migrant:innen die Regeln des jeweiligen Aufnahmelandes respektieren müssen. 

  • Vermeidung der Ausgrenzung von Migrant:innen (Wohnungspolitik, Spracherwerb, berufliche Bildung, interkulturelle Bildung, Anerkennung von Berufsqualifikationen) 

  • Umgang mit Falschinformationen – verlässliche Daten und Informationen und nicht Angst als Grundlage der öffentlichen Debatte.