Die dritte EZA Snack Debate zum Thema „Unsichtbar, aber doch unverzichtbar: Frauen im europäischen Pflegesektor“ wurde am 3. Dezember 2025 als Online-Veranstaltung vom EZA organisiert und von der Europäischen Union finanziert. An der Veranstaltung nahmen mehr als 40 Vertreter:innen von Arbeitnehmerorganisationen aus etwa 15 EU-Mitgliedstaaten teil, was die transnationale Zusammensetzung des EZA-Netzwerkes und die Relevanz des Themas in Europa zeigt.
Der wichtigste Aspekt der Veranstaltung bestand darin, das geschlechtsspezifische Gefälle bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben als strukturelles wirtschaftliches und soziales Problem in der EU sichtbar zu machen. Es sollte der Zusammenhang zwischen unbezahlter und bezahlter Pflegearbeit und geschlechtsspezifischer Ungleichheit in Bezug auf die Beschäftigung, Entlohnung und Arbeitsbedingungen aufgezeigt werden. Gleichzeitig sollte diese Debatte aber auch in den aktuellen politischen Prozess der EU eingeordnet werden, insbesondere in die Arbeit des Europäischen Parlamentes zum Thema „Versorgungsgesellschaft“.
Die Snack Debate fand zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt statt, da das Europäische Parlament gerade seinen Initiativbericht zum Thema „Auf dem Weg zu einer Versorgungsgesellschaft: Beseitigung des geschlechtsspezifischen Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben“ erstellt und da die Umsetzungslücken der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie der Europäischen Strategie für Pflege und Betreuung immer deutlicher zu Tage treten.
Die folgenden Themenfelder wurden besprochen:
Geschlechtsspezifisches Gefälle bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben: Die Grundlagen
Definition, Kennzahlen und die wichtigsten Folgen des geschlechtsspezifischen Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben in der EU.
Strukturelle Faktoren, die die ungleiche Verteilung der Betreuungs- und Pflegeaufgaben zwischen Frauen und Männern aufrechterhalten.
Politischer Rahmen der EU zur Pflege und Gleichstellung der Geschlechter
Strategie des Europäischen Parlamentes für die Gleichstellung der Geschlechter und dessen Zusammenhang mit der anstehenden Strategie der Kommission.
Initiativbericht des Europäischen Parlamentes „Auf dem Weg zu einer Versorgungsgesellschaft“ und dessen zentrale Ziele.
Vereinbarkeit zwischen Beruf und Privatleben
Rolle der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bei der Verringerung des geschlechtsspezifischen Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben.
Umsetzungsstand und mögliche Verbesserungen.
Arbeitsbedingungen im Pflegesektor
Löhne, Arbeitsbedingungen und Arbeitsplatzqualität im Pflegesektor.
Auf EU-Ebene vorgeschlagene Maßnahmen und Diskussion über Tarifverhandlungen und Sparmaßnahmen.
Zukünftige EU-Initiativen
Potenzieller Beitrag von anstehenden EU-Initiativen (Fahrplan für hochwertige Arbeitsplätze, Talentpool, Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter) zur Beseitigung des geschlechtsspezifischen Gefälles bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben.
Seminarergebnisse:
Ergebnisse der Diskussionen: Die Teilnehmer:innen waren sich alle einig darin, dass die Pflegearbeit immer noch weitgehend unsichtbar und unterbewertet ist, dass Frauen einen unverhältnismäßig hohen Anteil der Pflegeaufgaben übernehmen und dass dies bei der Beschäftigung, der Bezahlung und den Renten direkt zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden beiträgt. Es herrschte große Einigkeit über die Notwendigkeit, den Bereich der Pflege besser in wirtschaftliche und soziale Entscheidungen auf EU- und nationaler Ebene einbinden zu müssen.
Forderungen: Zu den zentralen Forderungen, über die diskutiert wurde, gehörten die vollständige und wirksame Umsetzung der Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung im Pflegesektor, die bessere Anerkennung von unbezahlten Pflegekräften, höhere Investitionen in zugängliche und hochwertige Pflegeleistungen sowie eine stärkere Überwachung und Koordinierung auf EU-Ebene durch die Europäische Strategie für Pflege und Betreuung.
Folgen für die tägliche Arbeit und Folgemaßnahmen: Aus der Sicht der Teilnehmer:innen und der veranstaltenden Organisation verdeutlichte das Seminar noch einmal, wie wichtig es ist, das geschlechtsspezifische Gefälle bei Betreuungs- und Pflegeaufgaben in Schulungen, die Interessenvertretung und politische Arbeit der Gewerkschaften einzubinden. Das EZA und seine Mitgliedsorganisationen wollen die Seminarergebnisse für zukünftige Schulungsmaßnahmen, die Sensibilisierung der Sozialpartner und für Beiträge zu politischen Debatten auf EU-Ebene über die Pflege, die Gleichstellung der Geschlechter und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben nutzen.