Ein Seminar zum Thema „Leeres und älter werdendes Europa: Welche Beschäftigungsmöglichkeiten brauchen junge Menschen, um die Dörfer nicht zu verlassen?“ (Teil 2) fand vom 16. bis 17. Februar 2026 in Florenz / Italien statt. Organisiert wurde es von MCL / EFAL (Movimento Cristiano Lavoratori / Ente Nazionale per la Formazione e l'Addestramento dei Lavoratori) in Zusammenarbeit mit USO – CCFAS (Unión Sindical Obrera – Centro Confederal de Formación y Acción Social), unterstützt von EZA und finanziert von der Europäischen Union. Die Veranstaltung in Florenz bildete den zweiten Teil des gemeinsamen Projekts von EFAL/MCL – USO, das im Oktober 2025 in Santiago de Compostela durchgeführt worden war, vor dem Hintergrund einer europäischen Situation, die durch die zunehmende Entvölkerung ländlicher und bergiger Gebiete sowie durch die Notwendigkeit geprägt ist, die Politik des territorialen Zusammenhalts der EU neu zu definieren.
Es nahmen etwa siebzig Konferenzteilnehmer teil, Vertreter freier Gewerkschaften, Verbände und Bewegungen aus fünf europäischen Ländern: Italien, Spanien, Portugal, Kroatien und Albanien. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter von Institutionen, Gewerkschaften, Wissenschaftlern und Experten.
Im Mittelpunkt des Seminars stand die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Regionalpolitik, um die ländlichen Gebiete Europas von Orten der erzwungenen Abwanderung in attraktive Lebensräume für die jüngeren Generationen zu verwandeln. Außerdem die integrierte, europaweit vergleichende Analyse der strukturellen Bedingungen – in Bezug auf Beschäftigung, Infrastruktur und Dienstleistungen –, die erforderlich sind, damit junge Menschen eine echte Wahlfreiheit beim Verbleib in ihrer Heimat ausüben können und die Logik der Abwanderung als einzige Option für sozialen Aufstieg überwinden.
Das Seminar fand in einem besonders bedeutsamen normativen und politischen Kontext statt: Am 29. Januar 2026 verabschiedete der CNEL einen neuen Gesetzentwurf zu den Binnengebieten, der eine Sozialklausel zugunsten von unter 40-Jährigen, jungen Paaren und Familien mit Kindern enthält.
Die Arbeiten gliederten sich in folgende thematische Schwerpunkte:
– Integrierte territoriale Politiken zur Bekämpfung der Entvölkerung von Binnen- und Berggebieten
– Kritische Aspekte des ländlichen Arbeitsmarktes und Strategien der beruflichen Bildung, die auf territoriale Berufe ausgerichtet sind
– Nationaler und europäischer Rechtsrahmen (Gesetzentwurf des CNEL zu Binnengebieten, EU-Kohäsionspolitik)
– Jungunternehmertum unter 35 Jahren, steuerliche Anreize und Modelle der öffentlich-privaten Zusammenarbeit
– Erhalt grundlegender Dienstleistungen (Gesundheits-, Schul-, Bank- und Postwesen) als Voraussetzung für die Lebensqualität in den Gebieten
– Bewährte europäische Praktiken: duale Ausbildung, Telearbeit im ländlichen Raum, Sozialunternehmen, territoriales Marketing
– Mehrstufiger sozialer Dialog als Governance-Instrument für die Binnengebiete
Ergebnisse des Seminars
Das Seminar führte zu einem einstimmigen Konsens über die folgenden wesentlichen Ergebnisse:
• Die Abwanderung aus den Binnengebieten ist kein unvermeidliches Schicksal, sondern das Ergebnis unangemessener politischer Entscheidungen, die durch gezielte strukturelle Maßnahmen und multidimensionale integrierte Politiken korrigiert werden können.
• Ländliche Gebiete wurden einstimmig als „Wurzeln des Kontinents“ anerkannt: strategische Ressourcen für die kulturelle Identität, den sozialen Zusammenhalt und die nachhaltige Entwicklung Europas, deren demografische Verödung einen irreversiblen Verlust des kollektiven Erbes mit sich bringt.
• Der mehrstufige soziale Dialog (EU – nationale Institutionen – Gebietskörperschaften – Gewerkschaften) wurde als unverzichtbares Instrument bestätigt, um die Binnengebiete von Orten der erzwungenen Abwanderung in attraktive Lebensräume für die neuen Generationen zu verwandeln.
• Der internationale Vergleich hat die Wirksamkeit von integrierten Modellen aufgezeigt, die spezialisierte Berufsausbildung, Anreize für das junge Unternehmertum, öffentlich-private Zusammenarbeit und die Aufrechterhaltung grundlegender Dienstleistungen miteinander verbinden.
Ergebnisse der Debatten und Arbeitssitzungen
Erster Tag – Analyse des Phänomens und rechtlicher Rahmen:
Die Beiträge von Institutionen und Wissenschaftlern zeichneten ein übereinstimmendes Bild: Die schrittweise Schließung grundlegender Dienstleistungen löst einen Teufelskreis der Entvölkerung aus, der nur durch integrierte und kontinuierliche Maßnahmen durchbrochen werden kann. Der Vizepräsident des CNEL, Claudio Risso, erläuterte den neuen Gesetzentwurf für Binnengebiete mit der Sozialklausel für unter 40-Jährige. Die toskanische Regionalperspektive (Präsidentin des Regionalrats Stefania Saccardi) hat die Dringlichkeit hervorgehoben, den Bürgern der Binnengebiete gleiche Rechte und Chancen wie in den städtischen Zentren zu garantieren. Der ehemalige portugiesische Arbeitsminister Mota Soares verwies auf den strategischen Wert kleiner Gemeinden im europäischen geopolitischen Kontext.
Zweiter Tag – Internationale Dimension und bewährte Praktiken:
Der EZA-Ko-Vorsitzende Piergiorgio Sciacqua stellte das Seminar in den strategischen Rahmen von EZA für die europäische Integration ein. Die internationalen Beiträge (Fidestra/Portugal, USO/Spanien, kroatisches Außenministerium) stellten konkrete bewährte Praktiken vor: duale Ausbildungsprogramme, steuerliche Anreize für lokale Unternehmen, Modelle für die wirtschaftliche Umstellung nach dem Übergang. Die abschließende Podiumsdiskussion befasste sich eingehend mit partizipativer lokaler Entwicklung, Telearbeit im ländlichen Raum, Sozialunternehmen und territorialem Marketing zur Aufwertung endogener Ressourcen.
Beschlüsse
MCL hat gemeinsam mit EFAL, EZA, Fidestra und USO sein Engagement als proaktiver Akteur bei der Förderung konkreter politischer Maßnahmen für die Binnengebiete bekräftigt, im Einklang mit den toskanischen und nationalen Initiativen, die im Laufe des Seminars vorgestellt wurden. MCL wird sich in den einzelnen Kontexten und gemeinsam für politische Maßnahmen einsetzen, die gewährleisten, dass die Abwanderung kein unvermeidliches Schicksal sein muss. Dies wird durch die Betonung der zentralen Bedeutung der Binnengebiete sowie durch Investitionen in Arbeit, Dienstleistungen, Kultur und Lebensqualität geschehen, damit das Leben dort wieder zu einer erstrebenswerten Wahl und nicht zu einem Opfer wird. Die Herausforderung ist offen und betrifft nicht nur die Toskana oder Italien, sondern ganz Europa, wenn es zusammenhalten, lebendig bleiben und Zukunft gestalten will.
Forderungen
Aus den Arbeiten des Seminars gingen folgende übereinstimmende Forderungen hervor:
• Verabschiedung integrierter und kontinuierlicher territorialer Politiken, die den Bürgern der Binnengebiete gleiche Rechte und Chancen wie den Bewohnern der städtischen Zentren garantieren;
• Strukturelle Investitionen in eine qualifizierte Berufsausbildung, die auf die produktiven Potenziale der Gebiete abgestimmt ist;
• Vollständige Umsetzung der Sozialklausel des Gesetzentwurfs für Binnengebiete (CNEL) zugunsten von unter 40-Jährigen, jungen Paaren und Familien mit Kindern, mit Vorrang, Prämien und Reserven bei öffentlichen Ausschreibungen (nationale und EU-Mittel);
• Erhaltung und Stärkung der grundlegenden Dienstleistungen (Gesundheits-, Bildungs-, Bank- und Postdienste) als unverzichtbare Voraussetzung für die Lebensqualität in ländlichen Gebieten;
• Uneingeschränkte Unterstützung durch die europäischen Institutionen, um die Trends der Entvölkerung, Überalterung und Marginalisierung der Binnengebiete umzukehren.
Folgen für die tägliche Arbeit der Teilnehmenden und des Veranstalters
Für MCL und sein Netzwerk:
• Festigung der Rolle des MCL/EFAL als qualifizierter und konstruktiver Ansprechpartner bei nationalen und europäischen Institutionen in Bezug auf die Politik für Binnengebiete;
• Stärkung der internationalen Partnerschaft mit USO, Fidestra und EZA, mit der Aussicht auf weitere gemeinsame Projekte zum Thema territoriale Entwicklung;
• Das während der zweitägigen Veranstaltung in Florenz erprobte Modell des internationalen Austauschs erweist sich als reproduzierbares Format für zukünftige EZA-Initiativen.