Vom 19. bis 21. Februar 2026 fand in Banja Luka/Bosnien und Herzegowina ein Seminar zum Thema „EU-Erweiterung und junge Arbeitnehmer:innen im Westbalkan“ statt, das in Zusammenarbeit mit dem EZA von EUROFEDOP (Europese Federatie van het Overheidspersoneel) organisiert und von der Europäischen Union finanziert wurde. Dieses Seminar wurde im Rahmen des EZA-Sonderprojektes für Arbeitnehmerorganisationen in den Bewerberländern organisiert.
Vertreter:innen von Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmerorganisationen aus dem Westbalkan kamen in Banja Luka zusammen, um mit Expert:innen und Vertreter:innen nationaler und internationaler Institutionen über die Einbindung junger Arbeitnehmer:innen in den europäischen Integrationsprozess zu sprechen.
Die Diskussionen während des gesamten Seminars gestalteten sich offen, dynamisch und selbstkritisch. Der Austausch von Ansichten und Erfahrungen unter den Teilnehmer:innen und Referent:innen bot Raum für neue Ansätze. Das Seminar wurde nicht nur durch Expert:innen und Referent:innen von Forschungseinrichtungen, Jugendorganisationen und Arbeitnehmerorganisationen, sondern auch durch einen Vertreter der bosnischen Direktion für europäische Integration sowie einen Vertreter der Europäischen Stiftung für Berufsbildung bereichert.
Dieses Seminar erinnerte uns daran, dass starke Gewerkschaften junge Menschen benötigen, die in unseren heutigen Strukturen einen echten Platz bekommen. Wollen wir in Zukunft glaubwürdige Organisationen haben, müssen wir jetzt in sie investieren.
Die europäische Integration ist ein zweiseitiger Prozess: Nicht nur die Bewerberländer, sondern auch die Mitgliedstaaten müssen sich anpassen, um neue Mitglieder einzugliedern. Nichts ist garantiert – politische Ansichten und das öffentliche Interesse können sich ändern, was häufig zu einer Verlangsamung des Momentums führt. Gewerkschaften und andere Arbeitnehmerorganisationen müssen verstehen, inwieweit die Integration ihre jeweilige Branche betrifft. Sie müssen Fördermöglichkeiten untersuchen und sich aktiv an der politischen Entscheidungsfindung beteiligen. Fürsprache, Beteiligung an öffentlichen Konsultationen und die Zusammenarbeit mit Behörden, Medien, Nichtregierungsorganisationen und Denkfabriken sind unerlässlich, um sicherstellen zu können, dass Gewerkschaften und andere Arbeitnehmerorganisationen ihre Relevanz behalten und spürbaren Einfluss auf politische Veränderungen haben können.
Während des Seminars reflektierten die Teilnehmer:innen über ihre jeweiligen Organisationen, insbesondere über deren Beitrag zur europäischen Integration, und über die Frage, welche künftige Rolle sie spielen könnten.
Die Teilnehmer:innen erfuhren zudem viel über die sogenannte Gen Z: Diese Generation gilt als digital, schnell und pragmatisch und ist auf konkrete Fragen wie menschenwürdige Löhne, Bildung, Mobilität, geistige Gesundheit und Respekt am Arbeitsplatz fokussiert. Viele von ihnen nutzen soziale Medien und erwarten Authentizität und sichtbare Ergebnisse. Praktische Erfahrungen zeigten zudem die Notwendigkeit auf, die Lücken zwischen gut informierten, mobilen jungen Menschen und denjenigen in ländlichen oder marginalisierten Gemeinschaften zu schließen.
Arbeitsmarktrealitäten bleiben eine Herausforderung: Obwohl die Arbeitslosigkeit sinkt, stecken viele junge Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen fest. Gewerkschaften müssen Tarifverhandlungen in denjenigen Branchen stärken, in denen junge Arbeitnehmer:innen vorwiegend eingesetzt werden, und sicherstellen, dass ihre Stimmen bei Verhandlungen und Reformen Beachtung finden. Die Teilnehmer:innen hörten auch viel über die Jugendgarantie der EU und verschiedene EU-Programme zur Unterstützung junger Menschen, Beschäftigung und deren Beteiligung an der europäischen Integration.
Die Teilnehmer:innen sollten über Strukturen in ihren jeweiligen Organisationen reflektieren: Werden junge Arbeitnehmer:innen tatsächlich an Führungsaufgaben beteiligt? Passen sich ihre jeweiligen Organisationen an neue Trends an oder kritisieren sie diese nur? Wie hoch ist in ihren jeweiligen Organisationen der prozentuale Anteil junger Arbeitnehmer:innen mit Führungsaufgaben? Werden junge Arbeitnehmer:innen tatsächlich an der Entscheidungsfindung beteiligt?
Diese Beteiligung muss tatsächlich, strukturiert und rechtlich verankert sein – und darf nicht nur symbolisch sein. Gewerkschaften und andere Arbeitnehmerorganisationen müssen die Kommunikation modernisieren, den Kontakt zur Öffentlichkeit stärken, Führungspositionen öffnen und Zuständigkeiten teilen.
Das Fazit ist eindeutig: Junge Menschen dürfen nicht am Rand stehen bleiben. Sie müssen zu einer zentralen Kraft in den Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmerorganisationen, bei Tarifverhandlungen, bei der Gestaltung der öffentlichen Politik und im europäischen Integrationsprozess werden. Die Teilnehmer:innen wurden ermutigt, die während des Seminars gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen umzuwandeln, da die Zukunft der Gewerkschaften und anderer Arbeitnehmerorganisationen sowie der Gesellschaften als Ganzes davon abhängt.