Die GEPO (Groupe Européen de Pastorale Ouvrière) organisierte vom 23. bis 25. Oktober 2025 in Tirana/Albanien ihr jährliches Kolloquium mit 30 Teilnehmer:innen aus Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich, Luxemburg, Italien, den Niederlanden, Albanien, Österreich, Portugal sowie Gästen aus dem Vereinigten Königreich und dem Kosovo. Das Thema der Konferenz lautete: „Digitalisierung und KI in unserem Leben und in unserer Arbeit: welche Chancen, welche Risiken und welcher soziale und gesellschaftliche Dialog?“ Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit EZA organisiert und von der Europäischen Union finanziert.
Die Nutzung digitaler Hilfsmittel wirkt sich nicht nur in technischer Hinsicht aus. Sie stellt alle Dimensionen der Arbeit auf den Kopf: die Organisation von Arbeit, die Art und Weise der Verrichtung von Arbeit, die Zusammenarbeit im Arbeitsumfeld. Sie eröffnet Perspektiven für einen sozialen Wandel und verändert die Arbeitsorganisationen im Hinblick auf die Erneuerung der Arbeitsweisen und Arbeitsbeziehungen. Das Ziel bestand darin, gemeinsam das Ausmaß all dieser Umbrüche zu erfassen sowie die Chancen, Risiken und Auswirkungen im sozialen und gesellschaftlichen Dialog zu erkennen.
Auf diese Frage können wir mehrere Antworten geben:
Die Überflutung des sozialen und beruflichen Lebens mit digitalen Hilfsmitteln ist aktueller denn je. Manchmal werden im Privatleben, im sozialen Umfeld und bei der Arbeit genau dieselben Hilfsmittel und Geräte genutzt.
Diese Frage betrifft zwar jeden Einzelnen persönlich, aber auch alle Beteiligten des sozialen Dialogs. Es ist daher möglich, einen regen und fruchtbaren Austausch zu führen, der von den Sichtweisen der unterschiedlichen Teilnehmer:innen beeinflusst ist, abhängig von ihrem Alter, Verantwortungsbereich und den Besonderheiten ihrer jeweiligen Herkunftsländer.
Im Zuge der Einführung in das Thema wurden die Teilnehmer:innen begrüßt und die Herausforderungen beschrieben: Wir stehen vor neuen juristischen und ethischen Herausforderungen: Wie können wir unser Privatleben schützen, eine menschenwürdige Arbeit wahren und sicherstellen, dass niemand während dieses Prozesses zurückgelassen wird? Genau deshalb haben der soziale Dialog und der institutionelle Dialog eine so grundlegende Bedeutung.
Ergebnisse
Wir haben die Entwicklung digitaler Technologien beobachtet. Diese Zunahme ist sowohl durch sehr vielfältige Anwendungen, aber auch durch eine Diversifizierung derjenigen Personen, die sie bewusst oder unbewusst einsetzen, sichtbar.
Wir müssen auch feststellen, dass die finanziellen Investitionen in diesem Bereich steigen. Sind sie eine Quelle für Stabilität oder für Chaos?
Diese Zunahme verstärkt aber auch den Konkurrenzkampf der Arbeitnehmer:innen untereinander, der durch den Arbeitsplatzverlust oder die Ausgrenzung derjenigen gekennzeichnet ist, die sich nicht weiterbilden können oder mit diesen neuen Hilfsmitteln nichts anfangen können.
Wir haben auch über die Risiken im Alltag, den Zugang zu Rechten und das Risiko für die Demokratie gesprochen.
Diese Entwicklung verlangt eine bedeutende Rolle der Arbeitnehmer:innen, Gewerkschaften und politischen Kräfte, die einen kritischen Blick entwickeln.
Dieser Konkurrenzkampf findet aber auch zwischen den einzelnen Ländern statt. Niemand möchte zurückgelassen werden, wenn es um das geht, was die Zukunft zu sein scheint. Man kommt jedoch nur schwer gegen die Macht der Akteur:innen an, die im Besitz der Daten und Technologien sind, über Rechenleistung verfügen und zu hohen Preisen die besten Ingenieur:innen beschäftigen. Unsere Gewerkschaftsfreund:innen aus Albanien haben dies mit Nachdruck deutlich gemacht.
Angesichts dieser Chancen, aber auch angesichts dieses Chaos‘ benötigen wir dringend eine Orientierung, um verstehen und handeln zu können.
Wir teilten die Überzeugung, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Das bedeutet, dass zwischenmenschliche Interaktionen in den Mittelpunkt gestellt werden müssen.
Es bedeutet aber auch, sich um seine Umwelt zu kümmern. Menschen können ohne eine lebenswerte und gesunde Umwelt nicht überleben.
Bei all unserem Handeln sollten wir uns die Frage stellen, ob künstliche Intelligenz eine Quelle für Gerechtigkeit ist.
Die Philosophin Simone Weil liefert uns eine Orientierungshilfe: „Gerechtigkeit ist das, was dem Menschen gut tut.“
Dieser Satz lädt uns dazu ein, kollektiv zu denken. Was für den Menschen gut ist, muss auch gut für alle sein: Kinder, Frauen, Männer. Wir müssen uns der Wegwerfkultur entgegenstellen, von der Papst Franziskus gesprochen hat. Diese Urteilsfähigkeit verlangt den Austausch und die Gegenüberstellung unterschiedlicher Standpunkte. Wir nennen das manchmal kollektive Intelligenz.
Diese Methode wird in unseren Organisationen, in unseren Bewegungen angewandt. Die GEPO spielt in dieser Hinsicht eine Rolle. Wir konnten dies in den letzten drei Tagen durch Diskussionen und praktische Übungen erleben.
Durch die Arbeit in Workshops war es möglich, künstliche Intelligenz im Kontext jedes Landes anzuwenden. Es ging darum, sich von der KI ein Szenario für ein 5-minütiges Video mit Informationen zur Situation des jeweiligen Landes im Hinblick auf künstliche Intelligenz erstellen zu lassen, bei dem statistische Daten, Prognosen zu den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, politische Initiativen zu künstlicher Intelligenz und Stellungnahmen von Gewerkschaften zu KI miteinbezogen wurden.
In einem zweiten Schritt haben wir dann die erstellten Szenarien verwendet, um daraus mit kommentierten Folien einen Vortrag zu erarbeiten.
Die einhellige Reaktion lautet, dass das Ergebnis zwar beeindruckend ist, aber mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden muss.
Für die GEPO bleibt es unerlässlich, einen genauen Blick auf das Leben der Arbeitnehmer:innen zu werfen. Wir schätzen den Austausch zwischen verschiedenen Generationen sowie die Vielfalt an unterschiedlichen Modellen und Formen des sozialen Dialogs.