Vom 15. bis 17. Januar 2026 fand in Warschau ein Seminar zum Thema „Digitaler Wandel der Arbeit – Risiken und Chancen: Aufgaben für die Sozialpartner” statt, das sich mit den Änderungen des Arbeitsmarktes in diesem Bereich befasste. Auf der Veranstaltung kamen 64 Expert:innen, Vertreter:innen von Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmerorganisationen, der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der öffentlichen Verwaltung aus elf Ländern zusammen. Die Sitzung wurde von KK NSZZ „Solidarność“ (Komisja Krajowa NSZZ „Solidarność“) mit Unterstützung des EZA organisiert und von der Europäischen Union finanziert.
Sie wurde von Bartłomiej Mickiewicz, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Nationalen Gewerkschaft Solidarność, eröffnet, der die Teilnehmer:innen begrüßte und betonte, dass die Frage der Digitalisierung und Robotisierung des Arbeitsmarktes viele europäische Länder betrifft. Es sollten Mechanismen zur Wahrung der Menschenwürde der Arbeitnehmer:innen und zur Vermeidung schlechterer Arbeitsbedingungen eingeführt werden. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf die algorithmische Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmer:innen durch künstliche Intelligenz. Als nächstes hob Dariusz Paczuski, Vorsitzender des Regionalrates Mazowsze, hervor, dass der digitale Wandel die Sicherheit der Arbeitnehmer:innen und klare Regeln im Zusammenhang mit der Beschäftigung gewährleisten muss. Anschließend begrüßte die Moderatorin der Sitzung, Elzbieta Wielg, Expertin von der Nationalen Gewerkschaft Solidarność, die Teilnehmer:innen und stellte das Thema und die Tagesordnung der Sitzung vor.
Der erste Vortrag wurde von Wioleta Klimaszewska, Leiterin des Zentrums für Förderung und Umsetzung am Zentralinstitut für Arbeitsschutz – Nationales Forschungsinstitut (CIOP-PIB), gehalten, die die Risiken im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Arbeit basierend auf den Forschungsergebnissen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) vorstellte. Telearbeit und künstliche Intelligenz können die Arbeit zwar beschleunigen, sie bedeuten aber auch höhere Standards und fördern die Isolation am Arbeitsplatz aufgrund mangelnder direkter Interaktion. Sie nannte Risiken, die insbesondere für junge Menschen, von denen die meisten für Online-Plattformen tätig sind, wichtig sind. Sie lenkte die Aufmerksamkeit auf die gesundheitlichen Aspekte, darunter muskuloskelettale Risiken, die durch einen mangelnden Zugang zu Gesundheits- und Sicherheitsschulungen und durch das von Algorithmen zur Bewertung der Arbeitsleistung auferlegte Arbeitstempo entstehen. Langfristig kann das zu psychosozialen Problemen und Burn-out führen. Auch die Art der Arbeit, die Verantwortungsbereiche und Pflichten der Arbeitnehmer:innen werden sich verändern und neue Kompetenzen und Fertigkeiten erfordern, um auf dem Arbeitsmarkt weiter bestehen zu können. Die Studie befasste sich auch mit rechtlichen Änderungen. Sie weist auf die Notwendigkeit von Vorschriften in Bezug auf das Recht auf Nichterreichbarkeit in der digitalen Welt, zur Transparenz von Algorithmen und zur Verantwortung der Arbeitgeber:innen für die schädlichen Folgen der Technologie hin. Infolge der Bemühungen des EGB wurde dem Europäischen Parlament der Entwurf für eine Richtlinie für einen gerechten Übergang vorgelegt. Arbeitnehmer:innen müssen das Recht auf Information und Anhörung zum digitalen Wandel am Arbeitsplatz haben und vor einer Entlassung zunächst die Möglichkeit für Schulungen und Umschulungen erhalten. Auf der anderen Seite müssen die Unternehmen Pläne für den digitalen und grünen Wandel erarbeiten, die die Auswirkungen auf die Beschäftigung berücksichtigen, sie mit Arbeitnehmer:innen abstimmen und sie an eine spezielle EU-Beobachtungsstelle für einen gerechten Übergang melden. Abschließend unterstrich sie, dass ein nachhaltiger und sicherer digitaler Wandel ein Prozess ist, der auf Dialog und der Sorge nach dem Wohlergehen der Arbeitnehmer:innen beruht.
Der zweite Vortrag des ersten Tages wurde von Bartłomiej Mickiewicz, Mitglied des Arbeitsmarktrates und stellvertretender Vorsitzender von KK NSZZ „Solidarność“, über die Herausforderungen des Arbeitsmarktes im Zeitalter der Digitalisierung gehalten. Er lenkte die Aufmerksamkeit auf unbezahlte Arbeit außerhalb der Arbeitszeit aufgrund der konstanten Erreichbarkeit über Arbeitsgeräte. Wir arbeiten zwar schneller, aber auch die Arbeitsbelastung nimmt zu, was zu psychologischen Risiken führen kann. Zur Frage der Robotisierung wies er auf das Problem des Gesundheitsschutzes und der Sicherheit sowie auf die Zusammenarbeit zwischen Robotern und Menschen und auch den Aspekt des damit verbundenen Arbeitsplatzverlustes in der Industrie hin. Er betonte, dass steigende Energiepreise paradoxerweise den Automatisierungsprozess verlangsamen können, der sehr energieintensiv ist. Die algorithmische Auswahl von Arbeit und die Bewertung der Leistung von Arbeitnehmer:innen durch Algorithmen, die auf nicht nachvollziehbare Art und Weise arbeiten, stellen eine weitere Bedrohung für die Arbeitnehmer:innen dar. Gewerkschaften können in diesem Bereich keine Änderungen einfordern, da sie nicht wissen, wie sie funktionieren. Dies muss transparent erfolgen und zugänglich sein, damit darauf eingegangen werden kann. Zudem gibt es kein Recht auf Beschwerde, da es sich formal nicht um eine menschliche Entscheidung handelt. Mangelnde digitale Fertigkeiten führen zu digitaler Ausgrenzung – infolge eines Mangels an Zugang und Fertigkeiten, z. B. bei der Unterzeichnung und beim Empfang elektronischer Dokumente, was viele ältere Menschen und Menschen mit geringeren Fertigkeiten vom Arbeitsmarkt ausschließt. Er nannte einen weiteren wichtigen Aspekt – das Recht auf Nichterreichbarkeit und den Online-Zugang für Arbeitnehmer:innen durch Gewerkschaften, insbesondere Gewerkschaften für „Plattformarbeit“, deren Arbeit für persönliche Treffen nicht förderlich ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Datenschutz und dabei vor allem der Schutz derjenigen Daten, die über Arbeitnehmer:innen erfasst werden und die eigentlich nicht notwendig sind, damit Arbeitnehmer:innen ihre Arbeit ausüben können, und deren Nutzung unklar ist. Gewerkschaften sollten versuchen, die persönliche Überwachung einzuschränken, den Datenschutz zu verschärfen und sicherzustellen, dass diese Hilfsmittel nicht zur Überwachung und Disziplinierung eingesetzt werden.
Als nächstes stellte Gonçalo Feiteira, Experte der portugiesischen Gewerkschaft SINERGIA, die Herausforderungen des digitalen Wandels in Portugal vor. 22 % der Menschen arbeiten remote oder hybrid, in den meisten Fällen an zwei von drei Tagen. Dadurch gibt es weniger Autos in den Innenstädten und die Menschen ziehen ins Landesinnere, auch infolge des Klimawandels in Portugal. Junge Menschen kommen mit dem Wandel gut zurecht, Probleme gibt es aber in der Landwirtschaft, im Handel und in Kleinunternehmen. Die Menschen müssen versuchen, sich umschulen zu lassen, da die Entwicklung der Robotisierung und der künstlichen Intelligenz nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Dies erfordert enorme Veränderungen in der Ausbildung und die Förderung von lebenslangem Lernen. Er betonte zudem die psychologischen Probleme im Zusammenhang mit Telearbeit, die viele Länder betreffen. Die öffentlichen Dienste werden nach und nach digitalisiert, der Einsatz dieser Online-Tools erfordert jedoch Schulungen für die Nutzer:innen dieser Dienste. Gewerkschaften drängen auf zertifizierte Schulungen, die während der Arbeitszeit stattfinden, sowie auf die berufliche Anerkennung neuer hybrider Berufsbilder. Er hob hervor, dass Tarifverträge in Portugal gut funktionieren.
Silviu Ispas, Direktor des Instituts für Wirtschafts- und Sozialpädagogik (IFES) in Rumänien, referierte über den digitalen Wandel in Rumänien, der positiv gesehen wird. Er wies auf strukturelle Hürden, Lücken bei digitalen Kompetenzen und soziale Ungleichheiten hinsichtlich des Internetzugangs als die größten Probleme hin. Er unterstrich außerdem, dass die Digitalisierung in der Landwirtschaft besser voranschreitet, wo fortschrittliche Satelliten beim Betrieb autonomer Maschinen helfen. Die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung ist ein sensibles Thema, da die Erwartungen zwar sehr hoch sind, es aber an finanziellen Mitteln dafür mangelt. Die Angelegenheit hat sich zu einer politischen und kulturellen Frage entwickelt. Aufgrund des Mangels an ausreichender Kompetenz bei den Arbeitnehmer:innen in der öffentlichen Verwaltung entwickelt sich dieser Bereich nicht so schnell wie gewünscht weiter, ähnlich wie die Digitalisierung bei den Gewerkschaften selbst.
Der letzte Vortrag des ersten Tages wurde von Irina Semjonova, Mitglied des Jugendausschusses der lettischen Gewerkschaft für Arbeitnehmer.innen im öffentlichen Dienst und im Verkehrswesen (LAKRS) aus Lettland, gehalten. Die Ausbildung, die wir vor 20 oder 30 Jahren genossen haben, ist zum Großteil nicht mehr relevant. Schulungen im Bereich künstlicher Intelligenz müssen daher wöchentlich aktualisiert werden, da die Entwicklung so schnell voranschreitet. Es entstehen neue Arbeitsplätze im Bereich der KI, viele Menschen fürchten jedoch, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die Generation Z möchte remote arbeiten, menschenwürdige Löhne erhalten und bindet sich nicht mehr über mehrere Jahre an einen bestimmten Arbeitsplatz. Ihrer Ansicht nach ist es unmöglich, alle Menschen, die eine Umschulung benötigen, auch tatsächlich zu schulen, und Unternehmen wie Microsoft und Google entlassen sogar Arbeitnehmer:innen mit weniger Erfahrung. Man kann nicht alle zu Programmierern umschulen, einige Menschen werden daher ihren Arbeitsplatz verlieren. Arbeitgeber:innen, die keine Tele- oder Hybridarbeit anbieten, gelten für junge Menschen nicht länger als attraktive Arbeitgeber:innen. Lettland nutzt EU-Mittel in großem Umfang für die Ausbildung und Verbesserung digitaler Kompetenzen. Stellenplattformen bieten Raum für Online-Gewerkschaften, und das ist wichtig. Die Robotisierung und Automatisierung werden fortdauern, da Roboter nicht krank oder müde werden, was für die Arbeitgeber:innen vorteilhaft ist, da so die Kosten sinken und die Produktivität steigt. Datenschutz und Eigentumsrechte sind ein wichtiges Thema, das sie zur Erzeugung von Falschinformationen führen können. Es gibt keine Bestimmungen hinsichtlich der Haftung oder der Folgen für die Nutzung solcher Informationen. KI wird weder ethisch noch empathisch sein. Man sollte dies im Kopf haben, wenn man sie einsetzt. Die öffentlichen Dienste werden digitalisiert, wobei ca. 91 % der zivilrechtlichen Angelegenheiten online abgewickelt werden. Sie stellte außerdem die Aufgaben der Gewerkschaften im Bereich der Digitalisierung des Arbeitsmarktes vor, d. h. innovative Strategien und Hilfsmittel zur Erreichung von Zielgruppen, Angebote für junge Menschen, die Pflege des digitalen Images und Fragen im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung. Viele Jahre lang haben sich die Gewerkschaften nicht um die Digitalisierung gekümmert und jetzt gibt es viel aufzuholen, um vor Massenentlassungen infolge der Digitalisierung zu schützen. Man sollte sich in Erinnerung rufen, dass der Mensch immer im Mittelpunkt des Wandels stehen sollte.
Der nächste Tag begann mit Kai-Uwe Hemmerich, Betriebsratsvorsitzender bei Sudarshan Germany Horizons und Mitglied der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) aus Deutschland. Er sprach über die Digitalisierung der Chemiebranche und über die Prozessautomatisierung, die diese Prozesse vereinfacht und beschleunigt hat. Menschen greifen nur noch bei einem Ausfall oder bei Problemen mit den Systemen ein, die vom Algorithmus gesteuert werden. Diese Systeme wurden in der gesamten Branche standardisiert, Daten wurden innerhalb der Unternehmen erfasst und verwendet, um Arbeitsbedingungen zu verbessern und Produktionskosten zu optimieren. Die Prozesse werden durch den Einsatz von Tablets und Computern gesteuert, was zusätzliche Schulungen in der Nutzung dieser Geräte erforderte. Diese erfassten Daten tragen zur Kostensenkung bei, indem der Einkauf von Instrumenten und Arbeitsgeräten in der gesamten Branche und sogar im gesamten Land zentralisiert wird. Leider geschah dies auf Kosten der Qualität.
Es folgte eine Debatte mit dem Titel „Digitaler Wandel der Arbeit: Wie werden keine Arbeitnehmer:innen zurückgelassen? Herausforderungen für die Sozialpartner“, bei der die Herausforderungen für die Sozialpartner definiert wurden, die sich aus den Risiken im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel der Arbeit ergeben. An der Podiumsdiskussion nahmen Vertreter:innen von Gewerkschaften und Forscher:innen der Warsaw School of Economics teil. Dr. Czarzasty verwies auf frühere industrielle Revolutionen, bei denen technologische Veränderungen auch erst Schäden verursachten und dann aber Vorteile brachten. Allerdings ist nicht sichergestellt, dass es dieses Mal genauso sein wird, denn es ist eine Tatsache, dass Arbeitsplätze vom europäischen Arbeitsmarkt verschwinden. Prof. Zybała berichtete über die Ergebnisse eines Forschungsprojektes zur Nutzung von künstlicher Intelligenz. Die Ergebnisse zeigen, dass Gewerkschaften passiv agieren und keine Pläne oder Strategien vorbereitet haben, falls es tatsächlich zu Entlassungen infolge der Digitalisierung kommt. Unternehmen vermelden positive Ergebnisse durch die Digitalisierung, es gibt jedoch keine Untersuchungen darüber, ob diese Veränderungen zu einem Beschäftigungsrückgang führen. Laut einer Studie von NASK (Nationales Forschungsinstitut) sind etwa 30 % der Arbeitsplätze davon bedroht, komplett wegzufallen oder umgewandelt zu werden. Gewerkschafter:innen sind skeptischer. Sie weisen darauf hin, dass sie als Vertreter:innen der am stärksten gefährdeten Gruppen vorsichtiger sein müssen und vor wahrscheinlichen Entlassungen aufgrund des Wandels Alarm schlagen müssen, da die Prozessautomatisierung zu Entlassungen führen wird. Sie legten dar, dass die Maßnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer:innen bereits einige Jahre früher hätten umgesetzt werden müssen und dass es nun zu spät ist, da KI bereits eingesetzt wird und Schulungen und Umschulungen Zeit benötigen. Laut dem portugiesischen Teilnehmer der Podiumsdiskussion Gonçalvo Feiter haben wir uns sehr schnell zu einer Industrie 5.0 entwickelt. Das Tempo ist dabei so hoch, dass der Staat eine Kontinuität der Beschäftigung sicherstellen muss. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird zunehmen und die Mittelschicht wird verschwinden. Der digitale Wandel erzeugt Gewinne für die Arbeitgeber:innen, wie aber sehen die Vorteile für die Arbeitnehmer:innen aus? Das Arbeitstempo und die Zahl der Aufgaben haben zugenommen. Das beste Hilfsmittel zum Schutz der Interessen von Arbeitnehmer:innen sind Tarifverträge und -verhandlungen. Diese sind im Zusammenhang mit KI aber äußerst selten. Allerdings ist es die Aufgabe der Gewerkschaften, diese Angelegenheit dynamisch voranzutreiben. Der Wandel wird gerecht vonstatten gehen, wenn Solidarität zwischen den Ländern herrscht, damit das Tempo des Wandels überall vergleichbar ist. Radosław Pyszczek stellte das Programm der Deutschen Telekom vor, in dem sich Arbeitnehmer:innen, die gefährdet sind, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, umschulen lassen können. Der Staat subventioniert einen Teil ihres Gehaltes während der Umschulung und am Ende wird ihnen ein neuer Arbeitsplatz garantiert.
Als nächstes hörten sich die Teilnehmer:innen Vorträge zu bewährten Methoden an – Beispiele für digitale Lösungen, die die Qualität und Sicherheit der Arbeit verbessern und die Gesundheit der Arbeitnehmer:innen fördern, am Beispiel des polnischen Unternehmens Marelli Sosnowiec Poland Sp. z o.o. „Ganzheitliches Programm zur Vermeidung von arbeitsbezogenen Risiken in der digitalen Welt“ von Andrzej Łapaj, Leiter für Gesundheit und Sicherheit. Für Menschen, die acht Stunden am Tag am Computer arbeiten, wurden elektrisch verstellbare Schreibtische angeschafft, ebenso wie Brillen und Kontaktlinsen für Arbeitnehmer:innen. Es wurde eine Sensibilisierungskampagne zu muskuloskelettalen Risiken gestartet. Diese Kampagne umfasste auch körperliche Übungen zur Vermeidung dieser Probleme. Das Unternehmen schloss einen Vertrag für Beratungen mit einem Psychologen, Rechtsanwalt und Finanzexperten – der Arbeitgeber hat ein Abonnement abgeschlossen, damit die Arbeitnehmer:innen Zugang zu solchen Fachleuten haben. Zusätzlich wurden Schulungen zum Datenschutz im Internet sowie Maßnahmen gegen Phishing eingeführt. Das Unternehmen nutzt außerdem flexible Arbeitszeiten, um ein ausgeglichenes Privat- und Arbeitsleben sicherzustellen. Dies hat zur Verbesserung des Wohlergehens der Arbeitnehmer:innen im Verwaltungsbereich und Büro beigetragen, Rückenprobleme reduziert und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöht.
Als nächstes trug Paulina Barańska, Expertin von KK NSZZ „S“, die Ergebnisse des Wettbewerbs zu bewährten Methoden vor – Sicherheit am Arbeitsplatz in der digitalen Welt 2023-2025 – „Gesunde und sichere Arbeitsplätze“, die in der beigefügten Präsentation verfügbar sind.
Elżbieta Wójtowicz (COI), Vertreterin des Ministeriums für Digitale Angelegenheiten, sprach über die Digitalisierung der öffentlichen Dienste am Beispiel der Regierungs-App „mObywatel“ – einem digitalen Assistenten für Bürger:innen. Sie wird von 11,5 Millionen polnischen Bürger:innen genutzt. Die App enthält einen elektronischen Personalausweis (mDowód, der in polnischen Behörden einem amtlichen Ausweis entspricht), den Führerschein, Fahrzeugschein, Behindertenausweis und Gewerkschaftsausweis. Insgesamt sind mehr als 70 Dienste und digitale Dokumente in der App verfügbar. Über die App lässt sich die persönliche PESEL-Nummer blockieren, um zu verhindern, dass jemand in einem fremden Namen einen Kredit aufnimmt. Man kann sich auch direkt zu einem persönlichen Patientenkonto weiterleiten lassen, in dem man die jeweilige Krankengeschichte einsehen und sich e-Rezepte für Medikamente ausstellen lassen kann. Es ist auch möglich, über die App eine Erklärung eines Unfallverursachers zu verfassen, um die Auszahlung der Entschädigung zu beschleunigen. Es ist außerdem eine rechtssichere Signatur verfügbar, die dieselbe Gültigkeit hat wie eine handschriftliche Unterschrift (bis zu 5 Unterschriften pro Monat kostenlos für private Zwecke). Man kann sich auch für eine militärische Ausbildung anmelden oder den virtuellen Assistenzdienst nutzen. In Österreich gibt es eine ähnliche Lösung im Bereich der Bildung, bei der man Eltern kontaktieren oder Klassen-/Schulabschlusszeugnisse ausstellen kann. In Litauen gibt es solche Lösungen nicht.
Als nächstes sprach Maciej Kłosiński, stellvertretender Vorsitzender der Nationalen Gewerkschaft Solidarność, über eine weitere Funktion der App mObywatel, die den über 385.000 Mitgliedern der Gewerkschaft einen elektronischen Gewerkschaftsausweis zur Verfügung stellt, mit der sie Vergünstigungen wie Rabatte auf Kraftstoff, Hoteldienstleistungen und andere Dienstleistungen erhalten können. Die Funktion des QR-Codes ermöglicht die Identifizierung von Gewerkschaftsmitgliedern und die Überprüfung ihrer Wahlberechtigung für interne Gewerkschaftswahlen.
Anschließend folgte eine Plenardebatte über die Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs für die Sozialpartner (auf nationaler und europäischer Ebene), um Risiken zu minimieren und die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel zu bewältigen. Es wurde darauf hingewiesen, dass diese Fragen in Tarifverträgen geregelt werden müssen und dass die eigenen Kompetenzen und Fertigkeiten verbessert werden müssen, um neue Mitglieder zu gewinnen und um zu wissen, wie und worüber verhandelt werden muss, auch durch die Zusammenarbeit mit Denkfabriken. Der Maßnahmenkatalog sollte die Erstellung von Prognosen gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und das Aufzeigen von Risiken in Form eines Berichts umfassen. So lässt sich eine Diagnose vornehmen und in der Folge ein Aktionsplan entwickeln, da wir in einem sich dynamisch wandelnden Umfeld tätig sind und der Digitalisierungsprozess nicht mehr aufgehalten werden kann. Der PIE-Bericht weist auf eine potenzielle Bedrohung für die Arbeitnehmer:innen hin, weshalb die Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Gemeinschaft in dieser Angelegenheit unerlässlich ist. Gewerkschaften sollten als Warnsignal dienen und über die Folgen und Präventionsmaßnahmen informieren, bevor zu viele Arbeitsplätze verloren gehen. Die Gewerkschaften müssen die Entwicklungen in diesem Bereich genau beobachten und überwachen, um sie im Interesse der Menschen, die im gesamten Prozess des digitalen Wandels im Mittelpunkt stehen sollten, unter Kontrolle zu halten.