Vom 15. bis 17. Oktober 2025 fand in Larnaka/Zypern ein Seminar über die „Die Europäische Säule sozialer Rechte: Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz im neuen digitalen Zeitalter“ statt, das von KIKEA-DEOK (zyprisches Institut für Ausbildung, Bildung und Beschäftigung) mit Unterstützung von EZA organisiert und von der Europäischen Union finanziert wurde.
Wichtige Aspekte des Seminars
Das Seminar konzentrierte sich auf die Frage, wie sich der digitale Wandel in der gesamten EU auf den Gesundheitsschutz und die Sicherheit am Arbeitsplatz auswirkt. Auf der Veranstaltung kamen Führungskräfte von Gewerkschaften und anderen Arbeitnehmerorganisationen, politische Entscheidungsträger:innen und Expert:innen aus 15 europäischen Ländern zusammen, darunter Zypern, Italien, Rumänien, Bulgarien, Spanien, Belgien, Polen, Luxemburg, die Niederlande, Serbien, Frankreich, Österreich, Deutschland, Portugal und Litauen, um über die damit einhergehenden Risiken, rechtliche Rahmenbedingungen und bewährte Methoden an digitalen Arbeitsplätzen zu sprechen. Zu den zentralen Themen gehörten politische Reaktionen der EU, lebenslanges Lernen, digitale Ermüdung und das Recht auf Nichterreichbarkeit, Innovationen im Bereich der Arbeitsaufsicht und die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber:innen und Gewerkschaften. Das Seminar verbesserte das Bewusstsein, förderte die Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern und trug zur EU-OSHA-Kampagne zur Förderung von Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz im digitalen Zeitalter bei. Anhand von Vorträgen, Diskussionen und Fallstudien reflektierten die Teilnehmer:innen die Rolle des sozialen Dialogs und entwickelten Strategien, die sicherstellen sollen, dass der technologische Fortschritt das Wohlbefinden und die Rechte von Arbeitnehmer:innen unterstützt und sie nicht untergräbt.
Bedeutung der Durchführung des Seminars in diesem Zeitraum
Der Zeitpunkt dieses Seminars hat besondere Bedeutung, da Europa vor einem entscheidenden Moment bei der Gestaltung der Zukunft der Arbeit steht angesichts der rasanten Digitalisierung und der sich immer weiter entwickelnden Dynamik auf dem Arbeitsmarkt steht. Die Verbreitung von künstlicher Intelligenz, Plattformarbeit und Telearbeitsmodellen hat Produktionsabläufe und die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern grundlegend verändert, wodurch neue Möglichkeiten entstanden sind, Arbeitnehmer:innen aber auch zunehmenden psychosozialen und ergonomischen Risiken ausgesetzt sind. Gleichzeitig treiben die EU-Institutionen entscheidende politische Initiativen voran – wie den Aktionsplan zur Umsetzung der europäischen Säule sozialer Rechte, den strategischen Rahmen für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz (2021-2027) und die Ziele der digitalen Dekade – was die Notwendigkeit für einen sicheren, inklusiven und nachhaltigen digitalen Wandel weiter verstärkt. Die Durchführung dieses Seminars ermöglicht es den Gewerkschaften und Sozialpartnern, sich aktiv an diesen anhaltenden europäischen Debatten zu beteiligen und dabei sicherzustellen, dass durch die Stimmen der Arbeitnehmer:innen neue regulatorische Rahmenbedingungen mitgestaltet und die kollektive Kompetenz zur Sicherung von Gesundheit, Menschenwürde und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen im digitalen Zeitalter gestärkt werden.
Bereiche für Diskussionsthemen
Gesundheitsschutz & Sicherheit am Arbeitsplatz im digitalen Zeitalter: EU-Maßnahmen & Herausforderungen
Kompetenzaufbau und lebenslanges Lernen für eine sichere und gesunde Arbeit im digitalen Zeitalter
Digitale Ermüdung, Überwachung & das Recht auf Nichterreichbarkeit: Eine gewerkschaftliche Perspektive
Gesundheitsschutz und Sicherheit bei der digitalen Arbeit: Die Situation in den EU-Mitgliedstaaten und die Rolle der Gewerkschaften
Arbeitsaufsicht im digitalen Zeitalter: Innovationen, Hilfsmittel & Präventionsstrategien
Die Perspektive der Arbeitgeber:innen auf den Gesundheitsschutz & die Sicherheit am digitalen Arbeitsplatz: Herausforderungen und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit
Ergebnisse
Das europäische Seminar stellte bei der Diskussion über die Zukunft der Arbeit in Europa einen bedeutenden Schritt nach vorn dar. Die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Sozialpartnern und Institutionen zeigte erneut, dass sich der Gesundheitsschutz und die Sicherheit am Arbeitsplatz im Einklang mit digitalen Innovationen weiterentwickeln müssen. Die übergreifende Herausforderung des kommenden Jahrzehnts wird darin bestehen, den technologischen Fortschritt und die Menschenwürde aufeinander abzustimmen – ein Leitprinzip, das den europäischen sozialen Dialog und Maßnahmen zum Schutz von Arbeitnehmer:innen weiter prägen wird.
Der zyprische Minister für Arbeit und Sozialversicherung betonte, dass Arbeit ein Eckpfeiler von sozialem Zusammenhalt und nachhaltigem Wachstum bleiben wird. Er umriss kurz die nationalen Maßnahmen, die Einkommen schützen, die Gleichstellung fördern und eine annähernde Vollbeschäftigung sicherstellen sollen.
Zypern hat einen modernen Rahmen für Telearbeit verabschiedet, der Bestimmungen zur Kostenübernahme, zum Datenschutz und zum Recht auf Nichterreichbarkeit enthält.
Ein Vertreter der Europäischen Kommission stellte den strategischen Rahmen der EU vor, darunter den Digitalen Kompass 2030, die Europäische Erklärung zu den digitalen Rechten, die Verordnung über künstliche Intelligenz und die Richtlinie zu Plattformarbeit. Diese Initiativen sollen entstehende Risiken regulieren und sicherstellen, dass technologische Innovationen mit dem Schutz von Gesundheit, Privatsphäre und Menschenwürde am Arbeitsplatz einhergehen.
Laut dem EGB müssen Gewerkschaften bei der Gestaltung von Maßnahmen zur Digitalisierung eine proaktive Rolle einnehmen. Zu ihren Prioritäten gehören: Sicherstellung des Rechts auf Nichterreichbarkeit, Bewältigung psychosozialer Risiken wie digitale Ermüdung und Isolation sowie die Aufrechterhaltung menschlicher Kontrolle über Systeme der künstlichen Intelligenz.
Die Human Resource Development Authority of Cyprus (HRDA; dt.: Behörde für Personalentwicklung in Zypern) unterstrich die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Weiterqualifizierung als Antwort auf die vierte industrielle Revolution sowie den grünen und digitalen Wandel. Bis 2027 werden schätzungsweise 50 % der Arbeitnehmer:innen eine Umschulung benötigen.
Die HRDA fördert eine Reihe von Programmen, darunter die Initiative SafePass, unternehmensübergreifende Schulungen zu Sicherheit und Technologie sowie individuelle Lernkonten, um die Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmer:innen zu unterstützen.
Es wurden drei entscheidende Herausforderungen ermittelt: digitale Ermüdung, Überwachung und das Recht auf Nichterreichbarkeit. Wie bereits von der Abteilung für Arbeit des Ministeriums für Arbeit und Sozialversicherung erläutert, gewährleistet das zyprische Telearbeitsgesetz aus dem Jahr 2023 das Recht der Arbeitnehmer:innen auf Nichterreichbarkeit und verbietet eine konstante Überwachung. Beispiele aus Rumänien und Serbien bestätigten, dass Tarifverhandlungen trotz der begrenzten Verbreitung von Telearbeit der Schlüssel zur Sicherstellung eines fairen Gleichgewichts zwischen Flexibilität und Schutz bleiben. Die Bedeutung von geistiger Gesundheit, Ergonomie und Datenschutzmaßnahmen wurde als gemeinsame europäische Priorität anerkannt.
Die zyprische Abteilung für Arbeitsaufsicht stellte den digitalen Wandel der Arbeitsaufsicht des Landes vor und beleuchtete dabei insbesondere neue Hilfsmittel wie: OiRA zur Online-Risikobewertung, Tele-WOSH zur Bewertung von Telearbeitsbedingungen sowie E-Gnosis zur digitalen Schulung von Beamt:innen der Arbeitsaufsicht. Die zyprische nationale Strategie für Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz (2021-2027) steht im Einklang mit den EU-Rahmenbedingungen und fördert eine Null-Toleranz gegenüber Unfällen sowie eine Kultur der Prävention, Bildung und Zusammenarbeit.
Der Verband der Arbeitgeber:innen und Industriellen (OEB) betonte, dass künstliche Intelligenz die Produktivität und Sicherheit steigern kann, vorausgesetzt, dass sie Transparenz, Datenschutz und eine ethische Nutzung respektiert. Die EU-OSHA 2023-2025 Kampagne „Sicher und gesund arbeiten in Zeiten der Digitalisierung“ und die globale Kampagne der IAO zu KI und Sicherheit am Arbeitsplatz (2025) wurden als Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit ermittelt.
Das Seminar schlussfolgerte, dass die Digitalisierung nicht nur eine technologische Veränderung, sondern einen tiefgreifenden sozialen Wandel bedeutet.
Die Sicherstellung eines gerechten und menschlichen Wandels erfordert koordinierte Maßnahmen in fünf zentralen Bereichen:
Stärkung des sozialen Dialogs und Sicherstellung von gewerkschaftlicher Beteiligung bei der Gestaltung digitaler Maßnahmen.
Modernisierung der Gesetzgebung zur Bewältigung neuer Risiken, psychosozialer Faktoren wie auch von Fragen im Zusammenhang mit dem Datenschutz.
Investitionen in lebenslanges Lernen und Aufbau digitaler und ökologischer Kompetenzen.
Aufbau einer Kultur der Prävention, des Bewusstseins und einer gemeinsamen Verantwortung auf allen Ebenen.
Aufrechterhaltung der menschlichen Kontrolle über die Technologie, damit Innovationen dem Wohlbefinden und der Gerechtigkeit dienen.