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Computer sapiens sapiens: Arbeit im digitalen Zeitalter

Das Seminar „Computer sapiens sapiens: Arbeit im digitalen Zeitalter“, das vom 24. bis 26. Oktober 2025 in Rovereto/Italien stattfand und von Maurizio Tomasi, Journalist und Herausgeber der italienischen Zeitschrift „Trentini nel mondo“, moderiert wurde, brachte Wissenschaftler:innen, Gewerkschaftsvertreter:innen, Universitätsprofessor:innen und Mitglieder des EZA-Netzwerkes aus zahlreichen europäischen Ländern zusammen. Am Seminar nahmen insgesamt 55 Teilnehmer:innen aus Österreich, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Frankreich, Deutschland, Italien, Litauen, Portugal und Rumänien teil. Es wurde mit Unterstützung des EZA von UNAIE (Unione Nazionale delle Associazioni degli Immigrati ed Emigrati) organisiert und von der Europäischen Union finanziert.

Das Treffen fand in einer Atmosphäre aus großem Interesse und reger Beteiligung statt, was einen intensiven Dialog zwischen den verschiedenen Generationen und Berufsfeldern förderte. Das zentrale Thema des Seminars war die Diskussion über die Veränderungen, welche die neuen digitalen Technologien und künstliche Intelligenz für die Arbeitswelt mit sich bringen. Die Referent:innen betonten, wie die zunehmende Autonomie digitaler Systeme nicht nur die Art und Weise verändert, wie wir arbeiten, sondern auch unsere Wahrnehmung des Wertes und der Bedeutung von Arbeit selbst. Es herrschte ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die Digitalisierung nicht nur eine technologische Entwicklung, sondern auch einen sozialen und kulturellen Wandel darstellt, der Einfluss auf die Kompetenzen, Rechte, Beziehungen und die Sicherheit der Arbeitnehmer:innen hat. Der Zeitpunkt des Seminars war besonders bedeutend, da er mit dem Abschluss des von der EU-OSHA geförderten dreijährigen Forschungsprojektes 2023-2025 über die Auswirkungen der Digitalisierung für den Gesundheitsschutz und die Sicherheit am Arbeitsplatz zusammenfiel. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission neue Empfehlungen für ein „sicheres und nachhaltiges digitales Arbeiten“ festlegt, bot die Initiative Raum für Überlegungen und Diskussionen zwischen Institutionen, Gewerkschaften und jungen Arbeitnehmer:innen aus der EU. 

Die Eröffnung des Seminars war gekennzeichnet von einer Rede von Stefania Terlizzi, Generaldirektorin der Arbeitsagentur der Autonomen Provinz Trient, die hervorhob, wie neue Technologien, insbesondere künstliche Intelligenz, die Arbeitswelt neu definieren und dabei Berufe und Kompetenzen verändern. Damit diese Entwicklung gerecht und nachhaltig abläuft, sind klare Regeln und Schutzmaßnahmen notwendig, die Innovationen, Produktivität und soziales Wohlergehen in Einklang bringen. Terlizzi betonte die Notwendigkeit für öffentliche Strategien, die den Wandel des Arbeitsmarktes begleiten und die Inklusion sowie Umschulung von Arbeitnehmer:innen fördern. Ihre Rede bildete die Grundlage für konkrete Überlegungen zur Rolle lokaler Institutionen beim Umgang mit dem digitalen Wandel. Als nächstes sprach Andrea Grosselli, Provinzsekretär von CGIL (italienischer Gewerkschaftsbund), über die Arbeitnehmerrechte im digitalen Zeitalter. Dabei konzentrierte er sich auf die Automatisierung, welche die Produktivität und Ungleichheit gesteigert und so Gewerkschaften geschwächt und prekäre Arbeitsplätze gefördert hat. In der dritten Rede des Tages unterstrich Walter Largher, Provinzsekretär von UIL (italienische Gewerkschaft), die Rolle der Gewerkschaften im digitalen Zeitalter, die durch Tarifverhandlungen, den Schutz von Arbeitnehmer:innen und eine verantwortungsbewusste KI-Steuerung einen gerechten Wandel leiten müssen. Nur so lassen sich Arbeitsplatzsicherheit und strategische Investitionen gewährleisten, insbesondere dort, wo Verzögerungen, Arbeitskräftemangel und eine unzureichende Infrastruktur anhalten. 

Der zweite Tag des Seminars war Beiträgen von internationalen Referent:innen gewidmet. Juan Pablo Chaclan, IT-Berater bei SQLI und Dozent an der Universität Marie & Louis Pasteur (Frankreich), veranschaulichte, wie sich das Konzept von Büros in den letzten fünf Jahren verändert hat: von einem einfachen Ort zu einem Netzwerk, das das eigene Zuhause, das Büro, die Cloud, Algorithmen und menschliche Beziehungen miteinander verbindet. Hybrides Arbeiten ist keine vorübergehende Lösung mehr, sondern eine strategische Entscheidung, die, wenn sie gut ausgestaltet wird, die Produktivität, den Zugang zu Nachwuchskräften und das Wohlergehen verbessern kann. Diese Vorteile ergeben sich allerdings nicht automatisch: Sie sind abhängig von gegenseitigem Vertrauen, Dialog und Kontext. 

Als nächstes reflektierte Rudy Chaulet, emeritierter Professor an eben jener Universität, kritisch über das „Glück und Unglück“ von künstlicher Intelligenz und warnte dabei vor dem Risiko von übermäßigem Vertrauen in Algorithmen. Er rief auch in Erinnerung, dass Innovationen immer so ausgerichtet sein sollten, dass sie die Bedingungen der Menschen verbessern und sie nicht auf bloße automatisierte Prozesse reduzieren dürfen. Frederic Spagnoli, Professor an der Universität Marie & Louis Pasteur, sprach über das Verhältnis zwischen digitaler Technologie und Hochschulbildung und betonte dabei, wie digitale Geisteswissenschaften eine Möglichkeit für einen Dialog zwischen den Geisteswissenschaften und der Technologie darstellen. 

Am Nachmittag lieferte Elisa Ricci, Professorin an der Universität Trient und Abteilungsleiterin bei der Bruno-Kessler-Stiftung, eine innovative Interpretation des Themas „Apokalypse oder Wiedergeburt? Wie künstliche Intelligenz menschliche Arbeit neu definiert“. Ricci zeigte außerdem, wie KI bei richtiger Nutzung sich wiederholende Aufgaben erleichtern und freie Zeit für kreative und zwischenmenschliche Aktivitäten schaffen kann. Sie richtete die Aufmerksamkeit aber auch auf die Risiken der Ausgrenzung von weniger digitalisierten Arbeitnehmer:innen und auf die dringende Notwendigkeit, in transversale Kompetenzen zu investieren. Der Runde Tisch am Samstagnachmittag, der von Vertreter:innen der EZA-Plattform für junge Arbeitnehmer:innen geleitet wurde, gab jungen europäischen Arbeitnehmer:innen eine Stimme. In der Debatte wurde die Forderung nach einer zugänglichen und anhaltenden digitalen Weiterbildung hervorgehoben, ebenso wie die Notwendigkeit, soziale Nachhaltigkeit auch zu den Kriterien für technologische Entwicklung zu zählen. 

Der abschließende Teil des Seminars, der von Gigliolla Dalbosco, Content Writerin und Social Media-Managerin eingeleitet wurde, bot eine originelle Perspektive auf das Phänomen digitaler Nomad:innen und stellte es als eine Weiterentwicklung von Arbeitsmigration hin zu globaler digitaler Mobilität dar. Thomas Capone, Vertreter von EZA PYW, brachte die Sicht junger Europäer:innen auf künstliche Intelligenz ein und unterstrich dabei die Begeisterung, aber auch die Sorge vor dem Verlust der Kontrolle über Daten und vor sozialer Isolation. Die Schlussfolgerungen wurden von Vittorino Rodaro, Vizepräsident von UNAIE und EZA PICM-Verwaltungsratsmitglied, vorgestellt, der die drei Tage zusammenfasste, indem er den Wert des sozialen Dialogs und der europäischen Zusammenarbeit als Hilfsmittel zur Steuerung des technologischen Wandels bekräftigte. 

Das Seminar brachte eine gemeinsame Vision hervor: Digitalisierung und künstliche Intelligenz können eine großartige Chance darstellen, die Qualität von Arbeit zu verbessern. Sie müssen jedoch mit klaren Vorschriften, einer anhaltenden Weiterbildung und dem Schutz der Grundrechte einhergehen. Es wäre angebracht, gemäß den Empfehlungen, die sich aus dem EU-OSHA-Programm ergeben haben, ein Themennetzwerk aufzubauen. Für UNAIE stellt das Seminar einen Startpunkt für die Übertragung des erworbenen Wissens in operative Methoden dar. Viele Referent:innen und Teilnehmer:innen haben bereits ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, diese bewährten Methoden in die Weiterbildungsprogramme und Bildungskurse der Gewerkschaften zu integrieren, die auf junge Arbeitnehmer:innen abzielen, und so eine bewusste und nachhaltige digitale Kultur zu fördern. Dies bekräftigt die Rolle des EZA und von UNAIE als Förderer der europäischen Debatte über eine Zukunft der Arbeit, die nicht nur effizienter, sondern nachhaltiger und inklusiver ist.