Das Forschungsprojekt „Re-Invest“ wurde 2016 als EU-finanzierte Initiative mit Unterstützung von BEWEGING.NET ins Leben gerufen und 2020 mit Unterstützung der belgischen Regierung fortgesetzt. Es brachte HIVA (EZA-Forschungspartner, sozioökonomische Analyse), UCLouvain (soziologisch-rechtliche Analyse) und das belgische Zentrum zur Unterstützung der Armutsbekämpfung zusammen, welches seine Erfahrungen aus der Praxis einbrachte.
Obwohl die Ergebnisse auf belgischen Daten basieren, sind sie auf europäischer Ebene von hoher Relevanz. Dies wurde auf der Abschlusskonferenz am 11. Februar von Anton Hemerijck, Professor am Europäischen Hochschulinstitut, bestätigt. Er betonte, dass soziale Investitionen die langfristige Abhängigkeit von Sozialleistungen verringern, eine schnellere und stabilere Krisenbewältigung ermöglichen und hohe Renditen erzielen, wenn sie über den gesamten Lebensverlauf hinweg, beginnend mit der Kinderbetreuung, eingesetzt werden. Ein gut konzipierter Sozialstaat ist zwar kostspielig, aber dennoch wirksam und finanziell nachhaltig.
Vor dem Hintergrund anhaltend hoher Armutsquoten – auch unter den erwerbstätigen Armen – untersuchte Re-Invest, wie soziale Investitionen Menschen dauerhaft aus der Armut befreien und Armut insgesamt verhindern können. Die Forschung konzentrierte sich auf drei eng miteinander verbundene Bereiche: Sozialschutz, Wohnen und Gesundheit.
Die Studie zeigt, dass angemessene Sozialleistungen nicht von Aktivitäten abhalten, sondern den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Mobilität und Teilhabe ermöglichen. In Belgien sind viele Sozialleistungen jedoch zu niedrig, was das Risiko einer langfristigen Benachteiligung erhöht. Re-Invest plädiert daher dafür, Menschen nach Möglichkeit im regulären Sozialversicherungssystem zu halten und die Mindestleistungen auf mindestens die europäische Armutsgrenze anzuheben.
Mit Blick auf Obdachlosigkeit unterstreicht die Studie die Bedeutung der Wohnsicherheit als wichtige Voraussetzung für Würde, Wohlbefinden und Teilhabe am Arbeitsmarkt. Bei sozialen Investitionen in den Wohnungsbau geht es nicht nur um die Finanzierung, sondern auch um Regulierung, die Durchsetzung sozialer Rechte und die Koordinierung zwischen Wohnungs-, Sozialschutz- und Gesundheitspolitik.
Die Gesundheitsanalyse zeigt, dass viele Gesundheitsprobleme, von denen Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter betroffen sind – und deren hohe Kosten –, durch frühzeitige und nachhaltige Investitionen in Sozialschutz und Wohnen verhindert werden können.
Insgesamt bestätigt Re-Invest, dass soziale Investitionen ein entscheidender Hebel für eine stärkere Widerstandsfähigkeit, eine schnellere Krisenbewältigung und ein integrativeres europäisches Sozialmodell sind.