Industrie 4.0 und die Notwendigkeit einer verbesserten Arbeitnehmervertretung – neue Beschäftigungsformen und Herausforderungen für europäische Gewerkschaften

Ein Seminar zum Thema „Industrie 4.0 und die Notwendigkeit einer verbesserten Arbeitnehmervertretung – neue Beschäftigungsformen und Herausforderungen für europäische Gewerkschaften“ fand vom 15. bis 17. Mai 2019 in Limassol / Zypern statt und wurde mit der Unterstützung von EZA und der Europäischen Union von KIKEA-DEOK (Cypriot Institute of Training/Education and Employment (KIKEA) - DEOK)organisiert. Das Seminar war Teil der EZA-Projektkoordinierung zum Thema „Zukunft der Arbeit – sich wandelnde Arbeitsbeziehungen“. Es nahmen Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen aus Zypern, Spanien, Tschechien, Bulgarien, Litauen, Rumänien, Portugal, Estland, Frankreich und Deutschland teil.

Es bot Gewerkschaftsführern und anderen Arbeitnehmerorganisationen und Beteiligten eine hervorragende Gelegenheit, sich Hauptvorträge von Experten zur vierten industriellen Revolution und zu den neuen Beschäftigungsformen anzuhören, die im Rahmen dieser industriellen Revolution entstanden sind. Nationale Umstände und Entwicklungstendenzen in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten wurden analysiert und dienten zum Austausch von Ansichten. Die Projektteilnehmer teilten Vorträge und Beobachtungen zu bewährten Methoden im Bereich der Weiterbildung auf nationaler, regionaler und EU-Ebene. Das Seminar führte bei der Umsetzung neuer Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Verbesserung der Vertretung von Arbeitnehmern in die Notwendigkeit für einen sozialen Dialog und dessen entscheidende Rolle für neue Beschäftigungsformen ein. Schließlich konzentrierte sich das Seminar auf wirksame Mittel und Ziele für einen sozialen Dialog, indem bewährte Methoden und Versäumnisse in Bezug auf Gewerkschaftsinitiativen und Aktionspläne, die bisher in den verschiedenen Ländern angewendet wurden, diskutiert wurden.

Wir sehen uns mit einer entscheidenden Herausforderung konfrontiert, die Maßnahmen und einen intensiven sozialen Dialog sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene verlangt. Das Gesamtziel des Seminars bestand darin, das Verständnis für die Rolle von Sozialpartnern zu verbessern und ihre Möglichkeiten und Verantwortung zu stärken, um eine bessere Vertretung von Arbeitnehmern zur Bewältigung der neuen Herausforderungen in der vierten industriellen Revolution anbieten zu können. Es sollte Gewerkschaftsführern und anderen staatlichen und privaten Beteiligten außerdem die Möglichkeit geben, die gemeinsamen Herausforderungen, denen sich Gewerkschaften bezüglich der neuen Beschäftigungsformen in diesem neuen Umfeld gegenüber sehen, zu diskutieren, zu analysieren und darauf zu reagieren. Gewerkschaften sollten an der Einführung nationaler Initiativen im Zusammenhang mit den sozialen, beschäftigungs- und arbeitsrelevanten Aspekten der Digitalisierung und im Zusammenhang mit allen wichtigen Beteiligten beteiligt sein.

Es wurden insbesondere die folgenden Angelegenheiten besprochen:

  • Politik und strategische Planung im Namen der Regierung
  • Die Zukunft der Arbeit: Heute. Morgen. Für ALLE – Europäische Kommission
  • Künstliche Intelligenz: Gefahr oder Chance
  • Gefahren und Chancen der vierten industriellen Revolution in den Mitgliedsstaaten.
  • Wie die 4. industrielle Revolution die Zukunft der Arbeit beeinflusst und wie Qualifikationen und Fertigkeiten auf das neue Umfeld angepasst werden können
  • Die Lage auf dem zyprischen Arbeitsmarkt
  • Wie Bildungssysteme auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet werden können – Herausforderungen und Perspektiven

Ergebnisse

Die Automatisierung wird viele neue Stellen schaffen. Wir dürfen bei diesen Entwicklungen nicht nur unsichtbare Zuschauer bleiben. Wir müssen das Beste aus diesem Wandel machen, der sowohl positive als auch negative Folgen haben wird. Zu den positiven Folgen gehören die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und die Entwicklung des Unternehmertums und von Innovationen. Die Lebensmittel- und Weltraumtechnik wird uns dabei helfen, unheilbare Krankheiten zu bekämpfen. Die neuen Umstände werden zu besseren Lebensbedingungen führen. Auf der anderen Seite müssen wir unter Berücksichtigung der negativen Folgen der Automatisierung Arbeitsplätze schützen, gesetzliche Bestimmungen einführen und Aufsichtsbehörden einrichten, um einen Missbrauch der Technologie zu verhindern, sowie eine neue Politik anwenden, um den sozialen Charakter des Staates zu gewährleisten. Die Rolle aller sozialen Partner ist dabei wichtig.

Die Arbeitswelt verändert sich. Die Arbeitslosigkeit ist in Zypern auf 6,5% gefallen. Es werden neue Stellen entstehen, aber gleichzeitig werden auch viele Stellen wegfallen. In den neuen Beschäftigungsformen werden neue digitale Hilfsmittel angewendet werden. Man muss sich durch eine Unternehmenspolitik mit den digitalen Veränderungen befassen, um Arbeitslosigkeit vermeiden zu können. Das EU-Recht zum Thema Zugänglichkeit wird Menschen mit einer Behinderung dabei helfen, aktiver zu werden.

Es gibt keine allein gültige Definition für künstliche Intelligenz. Dieser Fachbereich versucht Maschinen zu schaffen, die sich an die Umwelt und an das menschliche Verhalten anpassen können. Wir können jedoch nicht davon ausgehen, dass alles perfekt ist. So liefert auch GOOGLE Translate beispielsweise keine fehlerfreien Übersetzungen. Durch die Nutzung spezieller Techniken müssen Daten analysiert werden. Das, was aktuell möglich ist, ähnelt dem Gehirn einer Ratte. Der nächste Schritt ist das menschliche Gehirn. Dafür ist noch viel Arbeit nötig, eines der Probleme sind dabei die Kosten.

Positive Aspekte und Chancen: Smart World, positive Auswirkungen auf Gesundheit und Transport, Smart Citys.

Bis 2020 werden viele Arbeitsplätze davon betroffen sein. Bürotätigkeiten werden wegfallen, während Börsendienste und Computer weiterentwickelt werden.

Die Europäische Union arbeitet an einem Ansatz für künstliche Intelligenz, alle Mitgliedsstaaten müssen diese Frage jedoch gebührend berücksichtigen. Es wird zu sozioökonomischen Veränderungen kommen. Weiterbildung ist für Unternehmen wesentlich und Talente müssen in der Europäischen Union gehalten werden. Die EU arbeitet an Leitlinien für die Anwendung von Produkten.

Es gibt keine künstliche Intelligenz außer Nicht-Intelligenz und wir sollten nicht denken, dass die Technologie mit den menschlichen Leistungen gleichziehen wird. Das ist der Fortschritt, der Einsatz von Maschinen hilft den Menschen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir einem Weg mit großen Komplexitäten folgen sollten. Der smarte Roboter wird dafür ein höheres Potenzial besitzen.

Eine Maschine bzw. ein Roboter kann allerdings keine Gefühle und keine Empfindsamkeit haben. Die Systeme sind fragil. Maschinen werden Fehler machen, und zwar schwerwiegende Fehler, die menschliche Leben kosten können.

Arbeitnehmer betreten Neuland. Es wird zu einem massiven Stellenabbau kommen, die Situation ist kompliziert. Arbeit muss bewertet werden und die Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern zielt darauf ab, den korrekten Einsatz neuer Technologien sicherzustellen. 

In Tschechien wird der Plan für die 4. industrielle Revolution Chancen mit sich bringen. Die Bevölkerung muss Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung respektieren. Das Ziel des Staates besteht darin, sie anzuwenden und weiterzuentwickeln.  

In Rumänien gibt es eine informelle Beschäftigung. Vierundvierzig Prozent der Arbeitnehmer sind teilzeitbeschäftigt. Das macht weniger als 7% der Gesamtbevölkerung aus. Gewerkschaftsbewegungen stoßen auf Restriktionen. Tarifverhandlungen sind beschränkt. In den insgesamt 29 Beschäftigungssektoren gibt es nur in einem Sektor einen Tarifvertrag. Der Bildungsbereich kann den Entwicklungen in der Gesellschaft folgen und die Gesellschaft kann der 4. industriellen Revolution beitreten.

Estland heißt die 4. industrielle Revolution bereits willkommen. Arbeitnehmerrechte und -leistungen haben sich so verschlechtert, wie sie bereits vor einigen Jahrzehnten aussahen. Möglicherweise verschlimmert die Revolution diese Situation noch.

In Deutschland spricht jeder über die 4. industrielle Revolution. Das Land belegt im Bereich digitales Wissen den siebten Platz, Online-Shopping ist sehr beliebt. Eines von zwei Unternehmen setzt Anwendungen aus der 4. industriellen Revolution ein. Viele Arbeitnehmer arbeiten von zuhause aus. Arbeitnehmer melden sich häufig krank oder leiden an Burnout. Deutsche Arbeitnehmer werden auf Projektbasis und nicht pro Arbeitsstunde bezahlt.

In Bulgarien wird sich die 4. industrielle Revolution sehr negativ auswirken. Das Parlament und die Regierung arbeiten an Gesetzen zur elektronischen Verwaltung (E-Governance). Angesichts der 4. industriellen Revolution wurde eine nationale Strategie entwickelt, welche die Übernahme der Entwicklungstendenzen in Bezug auf das Angebot und die Nachfrage nach Arbeitsplätzen betrifft. Die Organisation und Struktur der Arbeit werden sich erwartungsgemäß deutlich unterscheiden. Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern Anreize bieten.  

In Portugal verbringen junge Menschen viele Stunden im Internet. Zu den Nachteilen der Nutzung von Smartphones gehört die Abhängigkeit, junge Menschen sind dabei ungeschützt. Videospiele fördern Gewalt und führen zu Problemen, auch innerhalb der Familie. Junge Menschen können nicht mehr miteinander kommunizieren. Die Menschen fühlen sich gestresst, sind nervös und ängstlich. Die Tatsache, dass Kinder viel Zeit in ihrem Zimmer verbringen, ist ein Alarmsignal. Sie werden zunehmend isolierter.

Ohne Unternehmen kann es keine Arbeitnehmer geben. Die Technologie schreitet voran und es besteht die Chance für Fortschritt und einen besseren Lebensstandard. Es gibt einen wesentlichen Mangel in wirtschaftlichen Bereichen. Der Staat muss jungen Menschen, aber auch bestehenden Mitarbeitern Anreize und Chancen bieten, um sich weiterzuentwickeln. Die Robotertechnik verändert die Situation auf dem Arbeitsmarkt und wir müssen durch einen Dialog Lösungen finden, damit die Arbeitnehmer in ihrer Tätigkeit unersetzlich werden, und gleichzeitig diejenigen schützen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen.  

Zypern folgt den technologischen Entwicklungen. Die Regierung hat erst kürzlich entschieden, den digitalen Wandel der Wirtschaft in ihre Planung einzubeziehen. In diesem Zusammenhang wird die Einrichtung eines stellvertretenden Ministeriums für Forschung, Innovationen und den digitalen Wandel vorangebracht. Die digitale Wirtschaft ist der erste Bereich, der sich schnell weiterentwickelt.  

Geschäftstätigkeiten werden durch zentrale Stellen entwickelt. Die zyprische Wirtschaft könnte Sektoren wie Kultur, Tourismus und Gesundheit zusammen in einem digitalen Ökosystem planen, was es dem Land erlauben würde, diese Art von Dienstleistungen um dieses Konzept herum entstehen zu lassen.

Die Zukunft der Arbeit

Durch die Digitalisierung wird sich die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitnehmern erhöhen und die Nachfrage nach nicht qualifizierten Arbeitskräften verringern. Die Gehälter und die Beschäftigungsfähigkeit werden sich zwischen qualifizierten und nicht qualifizierten Arbeitskräften stark unterscheiden. Menschen werden weniger stark an ein spezifisches Unternehmen in einem spezifischen Land gebunden sein. Lockere Beschäftigungsformen kennzeichnen sich üblicherweise durch Arbeitszeiten aus, die nicht den Standards und spezifischen Arbeitsverträgen entsprechen. Diese neuen Beschäftigungsformen sind im Dienstleistungsbereich sehr beliebt. Gewerkschaften müssen auf die Veränderungen und Auswirkungen vorbereitet sein und durch eine geeignete Interpretation dieser Veränderungen die Interessen von Arbeitnehmern in einer frühen Phase gewährleisten.

 

EZA-Bildungsprogramm 2019

Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze: Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“

Deutscher Betriebsrätetag 2019 in Bonn