Sozialer Dialog im Bildungswesen - Teil 1

Vom 6. bis 8. Juli 2018 fand in Wieliczka, Polen, ein Treffen der EZA-Bildungsplattform statt. Das Treffen war den Herausforderungen der allgegenwärtigen Digitalisierung für die Bildungssysteme gewidmet. Die Arbeitsgruppe wurde mit der Unterstützung von EZA und der Europäischen Union vom KK NSZZ „Solidarność“ (Komisja Krajowa NSZZ „Solidarność“) organisiert. 15 Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen aus Polen, den Niederlanden, Bulgarien, Litauen, Portugal, der Slowakei, Ungarn und Rumänien nahmen an der Arbeitsgruppe teil. Der Zweck der Arbeitsgruppe bestand darin, die Erfahrungen mit den Herausforderungen für Schulen, den Unterricht und die Lehrer im Zeitalter einer allgegenwärtigen Digitalisierung zu besprechen und sich darüber auszutauschen.

Das Treffen wurde von Elżbieta Wielg, Leiterin der Abteilung für Europäische Programme der Nationalen Kommission des NSZZ „Solidarność”, eröffnet, die alle Teilnehmer in Wieliczka begrüßte und die Agenda für die kommenden beiden Tagen kurz vorstellte. Dann wurde die Bühne Jerzy Jaworski, Vize-Präsident und Schatzmeister der Nationalen Kommission des NSZZ „Solidarność“, überlassen, der die Gäste in seinem eigenen Namen und im Namen von Piotr Duda, Präsident des NSZZ „Solidarność“ begrüßte. Als nächster Redner hob Ryszard Proksa, Präsident des Nationalen Bildungssekretariats des NSZZ „Solidarność“ in seiner kurzen Begrüßungsrede die Bedeutung der Arbeit der Bildungsplattform hervor.

Während des Lesungsteils des Treffens wurde die Situation in den einzelnen Ländern bezüglich des Einflusses der Digitalisierung auf die Bildungssysteme mit den Beispielen aus Ungarn von Andras Bardocz-Todor, Präsident des KPSZT, und aus Litauen von Vaiva Poskaite-Tomasevic, die Solidarumas vertrat und Präsidentin des Frauenausschusses des LDF ist, vorgestellt. Zudem wurden Maria Reina Martin, Präsidentin des FTDC, die auch die portugiesische Organisation für Bildung und soziale Entwicklung von Arbeitnehmern FIDESTRA vertrat, die in Portugal herausgearbeitete Gefahren und Chancen der Digitalisierung vorgestellt. Schließlich wurden Lösungen, die bereits in den Niederlanden angewendet wurden, von einem externen Experten, nämlich von Debbie van Veen, Geschäftsführerin von Springest, vorgestellt.

Der gemeinsame Nenner aller Vorträge scheint zu sein, dass digitale Kompetenz in der modernen Welt keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit ist. Während der Diskussionen wurden die Hauptgefahren herausgestellt:

  • zielgerichtete Konzentration aller Maßnahmen auf die Vorstellung einer modernen Schule
  • Risiko des Kontaktverlustes mit Schülern
  • einfache und daher häufige Fehlanwendung moderner Geräte und Technologien, nur um Lehrer und andere Schüler zu hänseln
  • Kommunikationsisolation
  • eine große Menge an Informationen
  • mangelnde Kontinuität von Reform-/Umstrukturierungsmaßnahmen in den nationalen Bildungssystemen als Folge von Regierungswechseln.

Es wurden außerdem die Chancen herausgestellt, welche die sich technologisch verändernde Welt für die Bildungssysteme bildet, wie:

  • Umstände zugunsten einer zunehmenden Attraktivität der Unterrichtsstunden
  • Möglichkeit zur Nutzung der natürlichen Bereitschaft der Kinder zum Spielen
  • Chance für eine schnellere Entwicklung des lebenslangen Lernens
  • Verfügbarkeit wirksamer Programme zur Entdeckung von Plagiaten
  • besserer Zugang zu Vergleichsanalysen.

Nach dem Lesungsteil wurden die Teilnehmer gebeten, in Gruppen zusammenzu-arbeiten und innerhalb jeder Gruppe zu diskutieren, ob der soziale Dialog ein Verfahren ist, mit dem die durch die allgegenwärtige Digitalisierung entstandenen Herausforderungen für Schulen und Bildungssysteme gemeistert werden können, und Empfehlungen für Maßnahmen zu erarbeiten, die notwendig sind, um die durch die Digitalisierung auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene entstandenen Herausforderungen wirksam zu meistern.

Nach der Vorstellung der Ergebnisse der Arbeitsgruppen folgte eine Plenardiskussion und es wurden vier Hauptelemente für die Empfehlung der Plattform ausgewählt:

  1. Anpassung von Lehrern auf die sich verändernden Arbeits-, Markt- und technologischen Bedingungen, wobei die Lehrer nicht durch Computer ersetzt werden dürfen.
  2. Herausarbeitung von Aspekten im Zusammenhang mit der Arbeitszeit – damit die Entwicklung von Kompetenzen in einem gewissen Umfang auch während der Arbeitszeit möglich ist.
  3. Es ist eine Strategie auf europäischer Ebene notwendig, um die klassische Pädagogik in der Zukunft zu erhalten, die allerdings an die neuen Technologien angepasst werden muss.
  4. Gesetzliche Bestimmungen zur Festlegung der Arbeit der Lehrer sind zu beachten, damit sie flexibel genug sind, um ohne Verzögerungen Änderungen einzuführen, die als Folge der zunehmenden Digitalisierung aufgrund des dynamischen Wandels im inneren und äußeren Umfeld der Schule notwendig sind.

Das nächste Treffen der Plattform wird sich dem Thema „Lehrer 50+ - Altersvielfalt in Schulen” widmen und dabei die Situation und Lösungen vorstellen, die in Litauen, Bulgarien, Rumänien und den Niederlanden angewendet werden.

 

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