Neue Fähigkeiten – Türöffner für den Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Eingliederung von Menschen in die Gesellschaft

Vom 8. bis 11. Juni 2017 fand in Ružomberok in der Tschechischen Republik ein Seminar zum Thema "Neue Fähigkeiten – Türöffner für den Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Eingliederung von Menschen in die Gesellschaft" statt, organisiert von NKOS (Nezávislé krestanské odbory Slovenska) mit Unterstützung von EZA und der Europäischen Union. Das Seminar war Teil der EZA-Projektkoordinierung "Digitale Arbeitswelt – technologische Entwicklungen und Veränderungen am Arbeitsplatz".

Das Projekt zielt darauf ab, diese Fragen zu beantworten:

  • Was bedeutet Industrie 4.0 für die Gesellschaft?
  • Welchen Einfluss hat Industrie 4.0 am Arbeitsplatz?
  • Was ist der Wohlfahrtsstaat der Zukunft?
  • Wie wird also die Arbeit der Zukunft aussehen?
  • Was bedeutet dies für Arbeiter und für Gewerkschaften? 
  • Welche neuen Fähigkeiten müssen entwickelt werden?
  • Was sind die Konsequenzen für die Bildungs- und Ausbildungssysteme, wenn sie sich an die Entwicklung neuer Wachstumsfelder und neuer digitaler Technologien anpassen müssen?
  • Was sind neue soziale Infrastrukturen am Arbeitsplatz?

Die digitale Revolution verspricht intelligente Fabriken, intelligente Arbeitsorganisation, intelligentes Management sowie intelligente Städte, intelligente Geschäfte, intelligente Energieproduktionssysteme, intelligente Verkehrsinfrastrukturen usw. Aber was ist mit dem Arbeiter, dem Büroangestellten, dem Dienstleister? Wie wird die Zukunft der europäischen Industrieproduktion aussehen? "Werden KMU zu Sklaven digitaler Plattformen, die sie nicht mehr kontrollieren können? Ein allgemeiner Überblick über die verschiedenen Bereiche der Auswirkungen der Digitalisierung wäre wie folgt: a) Schaffung von Arbeitsplätzen: neue Sektoren, neue Produkte, neue Dienstleistungen; b) Arbeitsplatzwechsel: Digitalisierung, Mensch/intelligente Maschine-Schnittstelle, neue Managementformen; c) Arbeitsplatzvernichtung: Automatisierung, Robotisierung; d) Arbeitsplatzwechsel: Digitale Plattformen, Crowdsourcing, 'Sharing'-Wirtschaft. Computer werden in Zukunft nur stärker und leistungsfähiger werden, und einen sogar größeren Einfluss auf die Arbeitsplätze, die Fähigkeiten und die Wirtschaft haben. Im Hinblick auf die 4. Industrielle Revolution ist es notwendig, die Fähigkeiten der Arbeiter zu verbessern, damit sie wie schon im letzten Jahrhundert das neue Rennen gewinnen können, das bereits begonnen hat.

Diese neuen Beschäftigungsformen wurden wie folgt definiert: Mitarbeiterbeteiligung, Arbeitsplatzsharing, Interim-Management, Gelegenheitsarbeit, IKT-basierte mobile Arbeit, Beleg-basierte Arbeit, Portfolioarbeit, Crowdworking, kollaborative Selbständigkeit.  Zu den Trends, die durch die digitale Wirtschaft wahrscheinlich verstärkt werden, gehört die Entstehung einer breiten Palette flexibler und nicht standardisierter Arbeitsformen, da digitale Technologien - und insbesondere die Kombination von Big-Data-Modeling mit der Geolokalisierung von Menschen oder Objekten - weiterhin die Einführung flexibler Arbeitsvereinbarungen vereinfachen und beschleunigen werden. Der Wiederaufbau sozialer Verbindungen in zunehmend unstrukturierten Arbeitssituationen stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine dringende Notwendigkeit dar. Dies sind neue Herausforderungen für die Sozialpartner, hauptsächlich Gewerkschaften. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben bereits mehrere Handlungsfelder identifiziert: z.B. wie sich digitale Veränderungen auf Aspekte des Arbeitsschutzes, der Arbeitszeit und Organisation, der Personalentwicklung (Arbeitgeber und Arbeitnehmer), der Mitbestimmungs- und Datenschutzrechte sowie der Überlebensaussichten von Unternehmen und der staatlichen Unterstützung für die Umsetzung von Veränderungen auswirken. Nationale Handlungspläne zum digitalen Wandel sind entstanden oder stehen kurz vor der Freigabe. Es gibt jedoch nur wenige Beispiele für die ersten Versuche, um diese Fragen in Tarifverhandlungen zu behandeln. In Deutschland hat die ehemalige Bahngesellschaft Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) den Beginn der Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag mit der Bezeichnung Tarifvertrag 4.0 angekündigt.

Beispielsweise hat der Automobilhersteller BMW neue Regeln für die Nichtverfügbarkeit von mobilen Arbeitskräften eingeführt und die mobile Arbeitszeit richtig erkannt. Darüber hinaus sind die deutschen Sozialpartner an der Aktualisierung von Berufsbildungsbestimmungen oder der Festlegung von Fähigkeiten und Profilen für neu entstehende Berufe beteiligt.

Empfehlungen

  1. Die Verbindung zwischen dem Arbeitsmarkt und der Bildung sollte durch eine regelmäßige Analyse harter Marktdaten verbessert werden, wie z.B. Gehälter von Universitätsabsolventen und Arbeitslosenquoten von Universitätsabsolventen nach Bildungsbereichen und Schulen.
  2. Die Auswahl eines geeigneten Studienbereichs spielt eine wichtige Rolle, obwohl es ein angemessenes Bewusstsein für den Arbeitsmarkt und die zunehmenden Probleme in der Struktur der Arbeitslosigkeit gibt.
  3. Studienprogramme in Schulen und Universitäten sollten mit Elementen bereichert werden, die jungen Menschen helfen, ihre persönlichen und sozialen Kompetenzen, nicht nur ihre IT-Kenntnisse zu gestalten.
  4. Es ist notwendig, die formelle und informelle Bildung zu verknüpfen, das Bildungssystem besser mit praktischem Wissen zu verbinden und praxisnahe Fächer und Kompetenzen zu unterstützen, das Bewusstsein der Eltern zu wecken, wenn es um eine verantwortungsbewusste und praktisch anwendbare Studienauswahl für ihre Kinder geht, damit eine Karriereberatung durchgeführt werden kann, die sowohl Eltern als auch Kinder und Studenten einschließen würde.
  5. Verschiedene Formen von nicht-wissenschaftlichen Aktivitäten von Studierenden sollen von Bildungseinrichtungen und NGOs gefördert und unterstützt werden. Studenden und Schüler sollten dazu ermutigt werden, ihre Kompetenzen und Fähigkeiten nicht nur in der formellen Bildung, sondern auch durch die Teilnahme an Freiwilligenarbeit, Praktika, Vermittlungen und internationale Austauschmaßnahmen zu erwerben und weiterzuentwickeln. Junge Menschen sollten über die Vorteile dieser Formen von Aktivitäten informiert werden.
  6. Der zunehmende Einsatz neuer Technologien und Mittel der elektronischen Kommunikation im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wirft viele Fragen auf, die die Privatsphäre der Arbeitnehmer und die Risiken bezüglich neuer Kontroll- und Überwachungsmöglichkeiten betreffen. Wir sind der Meinung, dass die Verwendung, Verarbeitung und Speicherung von Daten im Arbeitsverhältnis Prinzipien erfordert, die Verstöße gegen die Grundrechte der Arbeitnehmer, insbesondere das Recht auf Privatleben, verhindern.
  7. Viele Gewerkschaften konzentrieren sich derzeit darauf, die Arbeitnehmer auf neue Arbeitsformen vorzubereiten, indem sie eine Revolution der Qualifikation mit sich bringen, deren Schwerpunkt auf neuen Formen der Bildung, einer kontinuierlichen Weiterbildung und lebenslangem Lernen liegt, und sie glauben, dass dies von Regierungen, Unternehmen und Gewerkschaften Hand in Hand umgesetzt werden muss.

EZA-Bildungsprogramm 2019

Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze: Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“

EZA-Sonderprojekt für Arbeitnehmerorganisationen im westlichen Balkan