Sozialer Dialog in multinationalen Unternehmen im Sektor der Baustoffe, die Realität in den Ländern des Westbalkans, Mittel- und Osteuropas

Vom 6.-7. Oktober 2016 organisierte BIE int. / ACV-BIE (Bouw-Industrie & Energie International / Algemeen Christelijk Vakverbond bouw – industrie & energie) in Belgrad gemeinsam mit der Gewerkschaft der Bauindustrie und mit Arbeitnehmern der Baustoffindustrie aus Serbien sowie der autonomen Gewerkschaft für Arbeitnehmer aus dem Bereich der Straßeninstandhaltung aus Serbien eine Konferenz mit dem Titel „Sozialer Dialog in multinationalen Unternehmen im Sektor der Baustoffe, die Realität in den Ländern des Westbalkans, Mittel- und Osteuropas“ organisiert.

Die Konferenzteilnehmer waren Vertreter von Branchengewerkschaften und multinationalen Unternehmen aus Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien, Frankreich, Belgien, Kroatien und Serbien.

Die Konferenz fand mit Unterstützung von EZA und der Europäischen Union innerhalb des Sonderprojekts von EZA für Arbeitnehmerorganisationen in den Ländern des Westbalkans statt.

Auf der Konferenz wurden die folgenden Schlussfolgerungen beschlossen:

  1. Gewerkschaften verlangen und erwarten, dass multinationale Unternehmen eine menschenwürdige Arbeit und sozialen Schutz für die Arbeitnehmer sowie das Recht auf Vereinigungsfreiheit in Gewerkschaften und Tarifverhandlungen bieten. Die Organisation starker und repräsentativer Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände ist Voraussetzung für die Entwicklung von Arbeits-beziehungen und die Nachhaltigkeit des sozialen Dialogs. Die Teilnehmer äußerten ihre Bereitschaft, den sozialen Dialog weiter auf allen Ebenen, vom Unternehmen über die Branchen bis auf nationaler Ebene, zu fördern.
  2. Zur Stärkung des sozialen Dialogs in multinationalen Unternehmen trägt Folgendes bei:

-     gegenseitiges Vertrauen und gegenseitiger Respekt zwischen Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern

-     Information von Sozialpartnern und freier Informationsfluss

-     Solidarität zwischen internationalen Unternehmensgewerkschaften und gemeinsame Aktivitäten bei einem nicht akzeptablen Verhalten gegenüber Arbeitnehmern und der Gewerkschaft

-     Schutz von Gewerkschaftsvertretern vor Belästigung aufgrund von Gewerk-schaftsaktivitäten.

  1. Selbst neben einem riesigen globalen Druck und Angriffen des neoliberalen Kapitals auf die Gewerkschaften und das nationale Arbeitsrecht werden wir dadurch animiert, dass multinationale Unternehmen in der Region den bestehenden sozialen Dialog und den sozialen Frieden weiter entwickeln, was zu menschenwürdiger Arbeit und einem menschenwürdigen Leben für die Arbeitnehmer führt (LafargeHolcim, CRH, Carmeuse, Heidelberg, Našice).
  2. Wir sind besorgt angesichts eines diskriminierenden Vorgehens multi-nationaler Unternehmen gegenüber Arbeitnehmern und Gewerkschaften abhängig von ihrer geografischen Lage (Südosteuropa), das Arbeitnehmer und ihre Familien in einen schlechteren Zustand bringt und ihre Würde kaputt macht (STRABAG). Die Geschäftsleitung der Muttergesellschaft wird von der Gewerkschaft für Arbeitnehmer der Bauindustrie über die Probleme der Gewerkschaft und der Arbeitnehmer in STRABAG (im Gebiet Serbiens, Kroatiens und Polens) informiert werden und es wird eine Gleichbehandlung der Arbeitnehmer in den Muttergesellschaften und der Arbeitnehmer in ihren jeweiligen lokalen Unternehmen (Südosteuropa) gefordert werden.
  3. Es muss nach geeigneten Antworten auf das Problem, die Anzahl der Arbeit-nehmer durch die Fusion von Unternehmen zu reduzieren, und auf die Probleme der Beeinträchtigung grundlegender Arbeitnehmerrechte aufgrund einer großen Anzahl von Unteraufträgen gesucht werden.  
  4. Der Austausch von Erfahrungen, Konsultationen und Informationen zwischen multinationalen Unternehmen, der einen Weg für ein soziales Feedback-System zwischen Muttergesellschaften und lokalen Unternehmen bereitet, schafft Bedingungen für gemeinsame Gewerkschaftsmaßnahmen.

Internationale Rahmenverträge sind Mechanismen für die Aufrechterhaltung und Einhaltung der IAO-Normen, die in einigen Unternehmen in hohem Maße in Frage gestellt werden, und es ist notwendig, Arbeitnehmervertreter aus lokalen Unter-nehmen (SEE) in europäische Betriebsräte einzuführen. 

  1. Die Anwesenheit von BHI- und EFBH-Vertretern, der Austausch von Erfahrungen und geknüpfte Kontakte von Konferenzteilnehmern werden zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit von Gewerkschaften in der Region von West- und Südosteuropa beitragen und die Lösung der Probleme erleichtern, mit denen Gewerkschaften in Südosteuropa zu kämpfen haben.
  2. Zum Erfolg der Konferenz trugen die Vertreter von Manager-Teams aus multinationalen Unternehmen in der Region bei (LafargeHolcim, Carmeuse, CRH).