Wie Gewerkschaften ein positives Image in einem sich verringernden Markt erlangen können

Viele Gewerkschaften sind derzeit um Ihr Image bemüht und um die Art und Weise, wie Sie sich präsentieren. Die Art und Weise, wie sich Gewerkschaften in der Vergangenheit selbst dargestellt und eingesetzt haben, reicht heutzutage nicht mehr aus. Es wird häufig als zu negativ betrachtet. Es muss ein deutlich positiveres Image dargeboten werden. Es stellt sich jedoch die Frage, wie Gewerkschaften ein positives Image in einem sich verringernden Markt erlangen können. Dies war das Thema des Seminars, welches vom 27. - 30. August 2013 in Kovačica, Serbien, stattfand.

Das Seminar wurde durch die autonome Gewerkschaft der Arbeitnehmer in Banken, Versicherungen und anderen finanziellen Organisationen in Serbien (SS BOFOS) im Rahmen des EZA-Sonderprojekts für Arbeitnehmerorganisationen des westlichen Balkans und in Zusammenarbeit mit der christlichen Gewerkschaft von Dänemark (KRIFA), der Organisation weltweiter Arbeitnehmer (WOW) und des Europäische Zentrums für Arbeitnehmer Fragen (EZA) organisiert, mit Unterstützung durch die Europäischen Union. Es nahmen 36 Gewerkschaftsführer aus neun verschiedenen Ländern daran teil.

Die Gesellschaft hat sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten verändert. Dies veränderte auch die Sozialpartnerschaften. Die Menschen sind individualistischer geworden und spüren oft nicht mehr die Notwendigkeit, Teil einer Gemeinschaft zu werden. Dies hat große Auswirkungen auf die Anzahl der Mitglieder oder Antragsteller. Gewerkschaften, wie viele andere gemeinnützigen Organisationen, versuchen Wege zu finden, um von den Menschen wieder wahrgenommen zu werden. Sie versuchen dies durch ein verbessertes Angebot zu erreichen. Manchmal sogar mit Dienstleistungen, die gar nicht zu ihrem Kerngeschäft gehören. Neue Wege müssen gefunden werden, um Mitglieder zu behalten und potenzielle Mitglieder zu gewinnen.

Es ist sicherlich nicht einfach, ein positives Image aufzubauen. Herr Rolf Weber (Internationaler Sekretär KRIFA - Dänemark) wies darauf hin: "Ihre Identität definiert sich darüber, wofür sie bekannt sind, während ein Image sich darüber definiert, wofür Sie gerne bekannt sein würden. Es gibt immer eine Diskrepanz zwischen Image und Identität". Die Wahrnehmung der Gewerkschaft durch die Menschen geschieht nicht immer in Übereinstimmung mit der Realität der Dinge.

Das Seminar fand zu einem Zeitpunkt statt, während die Wirtschaftskrise unter anderem riesige und nicht wieder zu beseitigende Schäden im Finanzdienstleistungssektor verursachte. Hierdurch wurde ein Vertrauensverlust gegenüber den Gewerkschaften verursacht. In Serbien vertrauen beispielsweise nur 15 % der Bevölkerung den Gewerkschaften. Das Image der Gewerkschaften ist von Streik und Niederlegung der Arbeit geprägt. Es gibt jedoch mehr, was durch eine Gewerkschaft unternommen wird.

Herr Evert de Groot, Leiter der Kommunikation und Marketingabteilung der niederländischen CNV Dienstenbond, sprach darüber, wie Identität, Image und Reputation erzeugt werden können. Er betonte die Bedeutung eines positiven Image für die Gewerkschaft und unterstrich, dass Optimismus, gute Laune und Humor eine bestmögliche Präsentation einer Gewerkschaft, und gleichzeitig nicht die Tatsache zu übersehen, dass Gewerkschaftsarbeit eine ernsthafte Angelegenheit darstellt. Jeder in der Organisation muss am Aufbau des Images beteiligt werden, das heißt zu wissen, wie man im sich verhält, um im Einklang mit der Image-Aufbau-Kampagne zu sein. "Der Aufbau eines Images ist harte Arbeit und verlangt Ausdauer. Ein Image kann innerhalb von Sekunden zerstört werden. Alle innerhalb der Organisation sollten sich dem Erhalt des Images widmen".

Es gibt zahlreiche Mittel und Wege, um ein positives Image aufzubauen. Über Banner, Flugblätter und positive Kampagnen können viele Menschen erreicht werden. Um ein großes Publikum in kurzer Zeit erreichen zu können, eignen sich Fernsehen und Radio am besten. Allerdings ist es nicht einfach, sich selbst gut in den Medien zu präsentieren. Die Zuschauer erwarten Menschen, die, während sie klare Antworten geben, Selbstwertgefühl zeigen und zuversichtlich erscheinen. Es gibt eine Menge zu beachten, um sich selbst in den Medien zu präsentieren. Ein Workshop, moderiert von Herrn Srđan Dimitrijević, Journalist beim staatlichen Fernsehen Serbiens, zeigte den Teilnehmern, was man tun und was unterlassen sollte.

Neben ihrer Darstellung in den Medien muss eine Gewerkschaft auch die ständige Kommunikation mit ihren Mitgliedern pflegen. Die Mitglieder sind das beste Aushängeschild für eine Gewerkschaft. Mr. Goran Lukic, Exekutivsekretär der Konföderation der Freihandelsgewerkschaften von Slowenien, (ZSSS) erklärte: "Es gibt keine Organisation ohne Information, wenn es keine Organisation gibt, dann existieren auch keine Mitglieder und ohne Mitglieder gibt es keine Gewerkschaft. Es muss eine direkte Kommunikation mit den Mitgliedern bestehen, stellen diese doch die beste Werbung dafür dar - denn es sind lebendige Geschichten, die sich für die Medien am besten eignen.

Herr Jonas Mortensen Norgaard, Leiter der Kommunikationsabteilung KRIFA, und Herr Rolf Weber erklärten, dass Gewerkschaften jenes wählen sollten, für das sie bekannt sein wollen. Als ein gutes Beispiel erwähnten sie den Versuch der KRIFA, von der Öffentlichkeit als "ein Zentrum gesehen zu werden, wo sie hingehen können, egal ob es ihnen gut oder schlecht geht". Herr Weber wies auch darauf hin, dass Gewerkschaften sehr oft wie Krankenhäuser erscheinen, wo Menschen hinkommen können, wenn es ihnen schlecht geht, anstatt sich wie Fitness-Zentren zu präsentieren, zu denen sie kommen, wenn sie sich gut fühlen.

Es gibt noch eine Welt zu gewinnen, wenn es um den Aufbau eines Images geht, das den Test der Zeit überstehen kann. Die Tatsache, dass Gewerkschaften dies mittlerweile ernster ansprechen macht deutlich, dass es eine Änderung geben muss. Eine Änderung von einer statischen Organisation in eine Organisation, die aktiver auftritt und zusätzliche als auch neue Dienstleistungen für Mitglieder und potenzielle Mitglieder anbietet. Die Teilnehmer waren von dieser veränderten Strategie sehr überzeugt, die den Gewerkschaften helfen kann, ihre Position in der Gesellschaft zurückzugewinnen.