Sozialer Dialog, europäische Integration und die gewerkschaftliche Organisierung junger Arbeitnehmer

„Sozialer Dialog, europäische Integration und die gewerkschaftliche Organisierung junger Arbeitnehmer” – mit diesem Thema befasste sich am 22. und 23. September 2015 eine Konferenz in Belgrad, die vom Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) und drei Gewerkschaften (CNV Vakmensen aus den Niederlanden, ACV-CSC aus Belgien und dem Europäischen Verband der Bau- und Holzarbeiter EFBWW) ausgerichtet worden war. An der zweitägigen Konferenz beteiligten sich Vertreter von Gewerkschaften der Bau- und Baumaterialienbranche aus Serbien, Slowenien, Kroatien und Polen.

Die Tagung fand im Rahmen des EZA-Sonderprojekts für Arbeitnehmerorganisationen im westlichen Balkan statt („Sozialen Dialog stärken – Europäische Integration gestalten“) und wurde von der Europäischen Union unterstützt.

EINLEITUNG

Zu den Kernthemen der vierten Konferenz über den Sozialen Dialog und die gewerkschaftliche Mobilisierung der jungen Arbeitnehmerschaft in der Bau- und Baumaterialienbranche zählten die aktuellen Herausforderungen des Sozialen Dialogs in den EU-Mitglieds- und Beitrittsländern, die wirtschaftlichen Bedingungen, die Möglichkeiten zur Bildung regionaler Netzwerke für die Förderung der europäischen Integration und gewerkschaftlichen Organisierung junger Arbeitnehmer, die Aufgabe zur Schaffung eines besseren Verständnisses der Strukturen nationaler und paneuropäischer Gewerkschaften, die Gestaltung eines Sozialen Dialogs, in dem auch jungen Arbeitnehmern eine Stimme verliehen wird sowie generell die Rolle junger Menschen in der Gewerkschaftsbewegung.

Nach zwei Tagen lebhafter Diskussionen und einem regen Austausch von Meinungen und vorbildlichen Beispielen aus unterschiedlichen EU-Mitgliedsstaaten zogen die Konferenzteilnehmer die folgenden

SCHLUSSFOLGERUNGEN:

  1. Das Ausmaß der Jugendarbeitslosigkeit in den Mitglieds- und Beitrittsländern der EU ist mit Sorge zu betrachten. Besonderen Anlass zur Besorgnis gibt die Situation in Serbien, wo mehr als 50 % der jungen Menschen ohne Beschäftigung sind. Eine der größten einschlägigen Herausforderungen ist die große Zahl junger Menschen, die ohne schriftliche Arbeitsverträge bzw. mit Leiharbeitsverträgen in der Schattenwirtschaft tätig sind. Die Integration dieser jungen Menschen in gewerkschaftliche Aktivitäten ist mit besonders großen Problemen verbunden.  
  2. Lobend wurde die Arbeit der Gewerkschaften in der Bauindustrie Belgiens und Sloweniens hervorgehoben. Die Gewerkschaften in beiden Ländern bemühen sich, junge Arbeitnehmer durch kontinuierliche Aktivitäten und pro-aktive Strategien zur Lösung ihrer beschäftigungstechnischen und existenziellen Probleme in die gewerkschaftliche Arbeit zu integrieren.
  3. Negativ vermerkt wurde, dass die Regierungen zahlreicher EU-Beitritts- und Mitgliedsländer bei der Entwicklung beschäftigungspolitischer, primär auf eine Senkung der Jugendarbeitslosigkeit abzielender Initiativen sowie der Novellierung arbeitsrechtlicher Bestimmungen zur Verbesserung der Situation junger Menschen und der Arbeitnehmerschaft allgemein die Gewerkschaften nicht als wichtige Partner behandeln.
  4. Positiv wurden die Aktivitäten des Europäischen Verbands der Bau- und Holzarbeiter in den EU-Institutionen vermerkt, ebenso dessen Initiativen zur Unterstützung der Bauindustrie-Gewerkschaften Sloweniens, Serbiens, Kroatiens und Polens bei der Förderung menschenwürdiger Arbeit und sicherer Arbeitsbedingungen sowie bei den Kampagnen zur verstärkten gewerkschaftlichen Organisierung junger Arbeitnehmer. 
  5. Die Gewerkschaften können durch ihre Teilnahme am Sozialen Dialog, ein Kernelement der Strategien aller Gewerkschaften in der Bauindustrie sowie ihrer europäischen und globalen Verbände, kontinuierlich Einfluss auf die Entwicklung neuer Maßnahmen zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit nehmen.
  6. Die Kampagnen der Bau- und Holzarbeiter Internationale BHI „Rote Karte für die FIFA“, „Keine Fusion ohne Arbeitnehmerrechte“ (Lafarge-Holcim), „Wir sind alle Migranten – Menschenwürdige Bedingungen für Arbeitnehmer” und der weltweite Aktionstag bei Lafarge-Holcim wurden ausdrücklich willkommen geheißen.
  7. Die Gewerkschaften der Bau- und Baumaterialienbranche aus Serbien, Kroatien, Slowenien und Polen bedanken sich beim Europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA), dem Europäischen Verband der Bau- und Holzarbeiter (EFBWW), ACV-CSC, CNV Vakmensen, der Bau- und Holzarbeiter Internationale BHI sowie dem Internationalen Arbeitsamt für deren Unterstützung, insbesondere für deren finanzielle und organisationstechnische Hilfestellung bei der erfolgreichen Ausrichtung der vierten Konferenz für den Sozialen Dialog in Belgrad.