Die Gewerkschaftsbewegung der Zukunft - die Zukunft gestalten durch den Verweis auf Tradition

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, ob es eine Zukunft für die Gewerkschaften und die Gewerkschaftsbewegung im Allgemeinen gibt, war das Hauptproblem der Diskussion im Seminar, das die autonome Gewerkschaft der Mitarbeiter in Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitutionen von Serbien (SS BOFOS) in Zusammenarbeit mit der Weltorganisation der Arbeitnehmer (WOW), der christlichen Gewerkschaft Dänemark (Krifa), dem europäischen Zentrum für Arbeitnehmerfragen (EZA) und mit finanzieller Unterstützung der europäischen Union in Belgrad am 7. und 8. Februar 2013 organisiert hatten.

Das Seminar zum Thema "Die Gewerkschaftsbewegung der Zukunft - die Zukunft gestalten durch den Verweis auf Tradition", das im Rahmen eines besonderen Projekts der EZA für Arbeitnehmerorganisationen in den Ländern des westlichen Balkans und mit der Unterstützung der Europäischen Union organisiert wurde, hatte kompetente Gewerkschafter der vorgenannten Organisationen, Experten und Theoretiker, Vertreter von Institutionen und prominente Persönlichkeiten der Banken und Finanzorganisationen, der Gewerkschaften aus Italien, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republik Srpska zusammengebracht.

Mara Erdelj, Präsident des SS BOFOS, Bjørn van Heusden, WOW Exekutivsekretär und Rolf Weber, Krifa politischer Berater und internationaler Sekretär betonten den sozialen Dialog und die Stärkung der Sozialpartnerschaft als den wichtigsten Aspekt des Seminars.

Wenn man darüber spricht, die Sozialpartner zu stärken, müssen wir auf uns selbst schauen und eine Vereinigung zu sein bedeutet, dass es unsere Verpflichtung ist Verantwortung zu übernehmen und eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man traditionelle Werte bewahrt und sich eine neue Identität verleiht.

Was sollten die Gewerkschaften heute tun und ändern, um sich selbst als Organisationen, zu errichten und zu vervollständigen, um in der Lage zu sein, den Anforderungen der Zeit gerecht zu werden, das heißt, die Werthaltigkeit der Bedürfnisse, Interessen und Anforderungen von heutigen Arbeitnehmern nicht zu verlieren?

Es ist sicher, dass wir unsere Kompetenzen verbessern müssen, eine ganz neue Palette von Dienstleistungen anbieten und unsere durchdringenden Fähigkeiten, die Sichtbarkeit und die finanziellen und mobilisierenden Kräfte stärken müssen.

Wenn wir all dies tun, wenn wir geduldig, ausdauernd sind und eine klare Vision der eigenen Organisation haben, an die wir glauben, dann werden wir in der Lage sein, dies zu erreichen.

Das Seminar ist heute wichtiger denn je, weil es einen offensichtlichen Trend sinkender Unterstützung für die Gewerkschaften in Europa und der Welt gibt.

Dieser Trend bedeutet nicht unbedingt, dass Arbeitnehmer nicht an Gewerkschaften interessiert sind. Im Gegenteil, ihr Interesse ist gestiegen, während gleichzeitig die Zugehörigkeit zu Gewerkschaften fällt.

Die Gewerkschaften sind Herausforderungen gegenübergestellt, wie sie sich zu verändern haben, was in ihrer Organisation zu tun ist, und wie Aktionen attraktiver für die Arbeitnehmer werden, vor allem dass die Jüngeren sich anschließen, um damit ihre Zukunft zu "schaffen" und zu sichern und ihre grundlegende Aufgabe fortführen.

Zwei Hauptthemen dominierten die Diskussion: das erste wurde der Suche nach den Antworten gewidmet und das zweite war ein Austausch von Erfahrungen in Bezug auf Pfade und Wege, um die Reform der Gewerkschaften im Einklang mit den Änderungen auf dem modernen Arbeitsmarkt, den erwünschten Anforderungen und Interessen der heutigen Arbeitnehmer für ein künftiges Gebilde der Gewerkschaften.

Das zweite Thema konzentrierte sich auf den sozialen Dialog als Voraussetzung für wirtschaftlichen Wohlstand. Diese beiden Themen wurden miteinander verflochten, da sie untrennbar miteinander verbunden sind und das natürliche Wesen von modernen Gewerkschaften ausmacht.

In seinem Vortrag war Herbert Metzger, EZA Vizepräsident zufrieden zu sehen, wie er sich ausdrückte, "wie wir gemeinsam den sozialen Dialog und die Sozialpartnerschaft im westlichen Balkan" organisieren und stärken konnten“.

Nachdem er kurz die EZA vorgestellt hatte, betonte Metzger die Bedeutung des sozialen Dialogs und dessen Errichtung. Er erklärte, dass die Kernaufgabe des europäischen Zentrums für Arbeitnehmerfragen, die des sozialen Dialogs ist.

"Es ist nicht nur eine Frage, wie man den sozialen Dialog beginnt und wie man ihn führt, aber wir sind oft mit einem konkreten Land, mit Besonderheiten der Gesellschaft beschäftigt, und wie eine Lösung für Probleme aussehen kann, die auf die Arbeitnehmer zu springen, wie Besserstellungen für Sie, ihre Bedürfnisse und Interessen erreicht werden können. Deshalb ist die Frage, wie man gute Sozialpartnerschaft der Parteien im sozialen Dialog schafft, um gute Ergebnisse daraus zu bekommen, derzeit von großer Bedeutung", sagte er.

Betonend, wie wichtig für einen guten sozialen Dialog, der gute Willen der Partner zu reden und eine Lösung zu finden ist, um ein Problem gemeinsam zu lösen, unterstreicht Metzger, dass es von größter Bedeutung sei, sich nicht mit einer Lösung, die nur auf dem Papier steht zufrieden zu geben, sondern es in der Praxis zum Nutzen derer, auf die sie sich bezieht, umgesetzt zu haben.

Herrn Metzgers Botschaft an die Teilnehmer lautete, dass es notwendig sei, zumindest ein Minimum an Vertrauen in die Sozialpartner im Rahmen des sozialen Dialog zu haben, andernfalls es sehr unwahrscheinlich sei, dass eine gemeinsame Lösung für jedes Problem gefunden werden kann. Es ist auch erwünscht und wichtig, dass die Sozialpartner die Macht haben, Vereinbarungen oder Verträge, die sie beschlossen haben in die Praxis umzusetzen, da sonst der soziale Dialog nutzlos ist.

Der Vortrag von Frau Jasna Pipuni?, der Generalsekretärin der Gewerkschaft der Öl-Industrie in Kroatien zog eine Menge Aufmerksamkeit auf sich. Die Erfahrung ihrer Gewerkschaft bot eine Menge an Antworten auf die Frage über die Zukunft der Gewerkschaften, sowie Wege, dem Problem sinkender Mitgliedschaften zu begegnen, und wie man das Interesse von Arbeitnehmern erwecken kann, der Gewerkschaft beizutreten oder wieder zur Gewerkschaft zurückzukehren.

Die Präsentation von Herrn Roland Zwiers, dem niederländischen Wirtschafts- und Sozialrats Vertreter, am Beispiel seines Landes, betonte die klare Notwendigkeit für eine echte gemeinsame Aktion der Sozialpartner, um die sozialen und wirtschaftlichen Probleme zu lösen.

Die unten aufgeführten Präsentationen wurden ebenfalls intensiv von den Teilnehmern des Seminars verfolgt:

- Neue Strategie der Gewerkschaften: "Für die globale Herausforderung-eine globale Antwort", Referent Frau Dragana Petkovic - Gaji?, PhD. Politikwissenschaftlerin und Projektleiterin beim Bund autonomer Gewerkschaften Serbiens - CATUS

- "Der soziale Dialog, das dänische Modell und Krifa. Die wichtigsten Herausforderungen für den dänischen Arbeitsmarkt gerade jetzt. Die Entwicklung für die Gewerkschaften in Dänemark ", Referent: Herr Rolf Weber, Politik-Berater und internationaler Sekretär der dänischen christlichen Gewerkschaft - Krifa (Dänemark)

- "Die Zukunft der Gewerkschaften in Serbien und weltweit" Referent: Frau Nada Novakovi?, PhD. Sozialwissenschaften, Institut für Sozialwissenschaften (Serbien).

Im weiteren Verlauf des Seminars wurde ein Workshop mit vier Arbeitsgruppen organisiert, wo die folgenden Fragen beantwortet werden mussten:

1. Sehen Sie eine schwindende Unterstützung für die Gewerkschaften? Oder ist dies in Ihrem Land nicht der Fall? Bitte erläutern Sie?

2. Welche Strategien wird Ihre Organisation entwickeln, um den Rückgang der Mitgliedschaft zu beenden und wieder zu wachsen? Gibt es bestimmte Leistungen, andere als die traditionellen, für die Mitglieder einer Gewerkschaft in Ihrem Land?

3. Wo sehen Sie die künftigen Stärken der Gewerkschaften.

4. Welche Existenzberechtigung haben Gewerkschaften in Ihrem Land?

Wie von den Seminarteilnehmern beschlossen, haben die Gewerkschaftsbewegungen eine Zukunft,  aber es ist schwierig und undankbar zu beurteilen, wie diese sein wird. Die Wahrheit ist, wie sie auch von den Teilnehmern gedeutet wird, dass die Zukunft der Gewerkschaften vor allem von Tendenzen und Veränderungen in der Arbeitswelt, sowie der Technik und der wirtschaftlichen Entwicklung abhängt. Um mit der Zeit voraus, die die Zukunft bedeutet Schritt halten zu können, müssen die Gewerkschaften bestimmte Bedingungen erfüllen. Dies bedeutet, dass die Gewerkschaften dauerhaft lernen, sich einprägen und sich anpassen müssen an die Anforderungen der Zeit, sich selbst zu ändern, aber auch Akteur dabei zu werden, wie Änderungen erreicht werden, die funktionieren. Während des Seminars wurde betont, dass diese Rolle der Gewerkschaften notwendig ist, vor allem wegen der offensichtlichen und globalen Anti-Gewerkschafts-Politik der Arbeitgeber, vor allem die des großen globalisierten Kapitals, welche durch politische Eliten geschützt sind.

Um in der Lage zu sein, seine eigene Zukunft zu gestalten, müssen die Gewerkschaften der Realität ins Auge schauen. Sie haben sich ihre eigene Meinung über die Zukunft zu bilden, müssen eine klare Vision von dem haben, was sie zu tun haben, und was der wahre Grund für ihre Existenz und Arbeit ist.  Gleichzeitig besteht eine Verpflichtung für die Gewerkschaften, die eigenen Wünsche und die ihrer Mitgliedschaft zu identifizieren. Die Gewerkschaften sollten immer bereit sein, um die Frage, welches ihre Ziele sind und wie sie diese zu erreichen gedenken, zu beantworten.

Eine der wertvollen Schlussfolgerungen des Seminars war, dass die Gewerkschaften sich zu verändern haben, daran arbeiten müssen, um attraktiver für Mitglieder zu sein, ohne in jedem Fall die traditionellen und authentischen Werte der Gewerkschaften preiszugeben. Änderungen können nicht auf Kosten des Respekts gegenüber dem Menschen, der Werte der Gewerkschaften und der Solidarität vollzogen werden. Für die Gewerkschaften bleibt es wichtig, ihr Solidarität-Prinzip nicht aufzugeben, sowohl auf nationaler als auch auf globaler Ebene. Um für die Arbeit erfolgreich zu sein, ist es von zentraler Bedeutung, die Ausbildung ihrer Aktivisten und Mitglieder für den sozialen Dialog und den Tarifverhandlungen in allen Branchen vorzunehmen.

Um sich im Einklang mit gewerkschaftlichen Arbeitsprinzipien zu befinden, aber auch um für seine Mitglieder attraktiv zu sein, müssen es die Gewerkschaften erreichen, finanziell unabhängig zu bleiben. Sie müssen in  Wissen und Know-how investieren und haben bei jeder ihrer Bewegungen, Handlungen und Entscheidungen klarzustellen, dass ein Arbeitnehmer immer über jedweden Profitinteressen steht. Nur so werden sie stark genug sein, um von staatlichen und politischen Parteien unabhängig zu sein, Partner-Beziehungen mit dem Staat aufzubauen und den Einfluss auf die Politik erhöhen zu können.

Trotz der Tatsache, dass die Gewerkschaften in ihrer Position und Arbeit, sowie ihrem Wesen nach zu einem großen Teil negativ durch die Weltwirtschaftskrise beeinflusst wurden, müssen die Gewerkschaft keineswegs eine weiße Fahne hissen und einen Schritt zurück treten. Auf dem Seminar wurde davor gewarnt, dass die weltweite Wirtschaftskrise auf der einen Seite ein ernsthaftes Hindernis für die Entwicklung der Gewerkschaften darstellt, auf der anderen eine einzigartige Herausforderung schafft, die möglicherweise fruchtbaren Boden bieten kann, für die Geburt einer neuen Strategie in und eine Reform der Arbeit der Gewerkschaften.