„Auswirkungen der digitalen Arbeitswelt auf das Leben der Arbeitnehmer und ihrer Familien, sozialethische Überlegungen

Zum Thema „Auswirkungen der digitalen Arbeitswelt auf das Leben der Arbeitnehmer und ihrer Familien, sozialethische Überlegungen“ fand vom 28. – 30. 9. 2018 in Velehrad, Tschechien, ein Seminar statt, das die Bewegung Christ und Arbeit CZ (KAP – Hnutí „Křesťan a práce“), in Zusammenarbeit mit EZA und mit Unterstützung der Europäischen Union organisiert hatte.

Das Seminar hatte zum Ziel, auf die möglichen Risiken im Prozess der Digitalisierung in einer Vielzahl menschlicher Tätigkeiten aufmerksam zu machen und die möglichen Auswirkungen auf die Familien zu zeigen.

In den Beiträgen wurde mehrmals hervorgehoben, dass nicht nur Tschechien, sondern auch viele andere Länder, auch solche mit gut entwickelter Wirtschaft, nicht auf die Implementierung der neuen Technologien so vorbereitet sind, wie man weithin glauben könnte.

Die Zahl der Teilnehmer am Seminar war 98, aus Arbeitnehmerorganisationen aus folgenden Ländern: Deutschland, Österreich, der Slowakei, Italien , Albanien; Portugal, Tschechien. Den Beiträgen zufolge sind Probleme in Bezug auf Industrie 4.0 und Digitalisierung im Grunde quer durch Europa sehr ähnlich.

Wichtige Aspekte des Seminars

Das Ziel des Projektes war, über Verteidigungsstrategien gegenüber den negativen Einflüssen des digitalen Umfelds in der Arbeitswelt, auf die Arbeitnehmer und ihre Familien zu diskutieren und auf die sich verändernden sozialen Bedingungen aufmerksam zu machen, um soziale Spannungen besser vermeiden zu können.

Dr. Paul Röttig aus Wien, der Psychologe Prof. Smékal und Mgr. Jiří Vander aus Brno wiesen darauf hin, dass die Arbeitssucht der Eltern oft zur Folge hat, dass die Kinder mit Technikunterhalten werden, was nicht selten zur Computersucht, zur Abhängigkeit von sozialen Netzen und Spielsucht führt. Die Flucht in eine virtuelle Realität führt vor allem bei Jugendlichen zu schweren Wahrnehmungsstörungen der realen Welt, außerdem werden sie allgemein leichter Opfer von Cybermobbing, Erpressung, Verfolgung und Cyber-Kriminalität. Die Produktionswerte sind keinesfalls den Gesellschafts-und vor allen Dingen den Familienwerten überzuordnen.

Lara Salewski wies in ihrem Beitrag darauf hin, dass die Digitalisierung die Veränderung von Zeitstrukturen und Kommunikation in Familien zur Folge hat, weil die Änderungen des Zeitplanes der Arbeitnehmer oft das Zeitregime ganzer Familien mit sich bringt.

Roswitha Gottbehüt befasste sich mit Problemen der jungen Arbeitnehmer und deren Arbeitgeber im Zusammenhang mit der Digitalisierung.

Ing. Jan Hlaváček machte die Teilnehmer mit der Notwendigkeit bekannt, die Kommunikationseinrichtungen unbedingt zu sichern und sicheres Netzverhalten nicht außer Acht zu lassen.

Ing. Hana Lipovská aus der Fakultät für Wirtschaft und Verwaltung der Masaryk-Universität in Brno konnte verständlich die Gefahr der "technologischen Totalität" und ethische Einschränkungen beschreiben, indem sie die tschechische Realität des Missbrauchs des Phänomens Digitalisierung durch Politiker erklärte.

Ähnliche Ansichten äußerte in seinem Beitrag auch der Journalist Jiří Zajíc, der die Manipulation der öffentlichen Meinung der Bevölkerung veranschaulichte und über die massive Beeinflussung der Bevölkerung durch die Massenmedien zugunsten der Politiker und den daraus folgenden Populismus  in der tschechischen Politik sprach.

Mit moralischen Aspekten der Digitalisierung befasste sich auch der sehr interessante schriftliche Beitrag von Prof. Mlčoch, der aus Familiengründen verhindert war.

Prof. Milan Palát hatte die Prognosen der demographischen Entwicklung und deren Auswirkung auf die Haushalte im Kontext der Digitalisierung zum Thema. Aus Sicht der Statistik werden im Mittelpunkt der Forschungen zwar Daten aus verschiedenen Typen der Haushalte, nicht jedoch der Familien erhoben und ausgewertet.

In einer Paneldiskussion wurde über die Vor- und Nachteile sowie Risiken der Digitalisierung in vielen Bereichen der menschliche Tätigkeit in einzelnen Ländern Europas diskutiert.

Ergebnisse des Seminars

Die Zukunft der Zivilgesellschaft wird nicht nur von der Produktionssphäre, sondern auch von allen bestehenden menschlichen Tätigkeiten gebildet. Es ist also notwendig, dass alle Bürger, Arbeitnehmerorganisationen und alle Teilnehmer des sozialen Dialogs daran teilhaben. Der uferlose Liberalismus der wissenschaftlichen Forschung ohne ethische Einschränkungen führt zwingend zur Selbstdestruktion. Die Digitalisierung ist omnipräsent!

Für die Zukunft der digitalen Ära ist es außerordentlich wichtig, die tatsächliche Sicherheit der neuen Technologien zu garantieren. Zum Ausbalancieren der erwähnten negativen Erscheinungen der Digitalisierung ist die Implementierung der Soziallehre der Kirche in das tägliche Leben durchaus unumgänglich.

Die digitale Ära bietet die Möglichkeit eine Gesellschaft zu bilden, in der jeder Mensch in voller Würde leben kann. Das Seminar hat die Herausforderung angenommen, dass jeder durch sein persönliches Beispiel in seinem Wirkungskreis aktiv das Geschehen in der Gesellschaft beeinflussen solle.

Von Bedeutung waren auch die informellen Diskussionen in Pausen, die zur Verfügung stehenden Informationsmaterialien, CDs aus den vorherigen Seminaren, Bücher, Zeitschriften.

Zum Seminar wird ein elektronischer Sammelband mit Vorträgen herausgegeben werden, einige Beiträge werden auf der Webseite der KAP www.hkap.cz und in der Zeitschrift Mährische-Schlesische Akademie, Dialog XXI erscheinen. Auch an Medien werden und nationale und internationale Organisationen  werden die Seminarergebnisse weitergegeben.

 

 

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