Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt – wie können wir ihre Situation verbessern?

Vom 6. bis 8. Juli 2018 fand in Osijek, Kroatien, ein Seminar zum Thema „Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt – wie können wir ihre Situation verbessern?“ statt, das mit Unterstützung des EZA und der Europäischen Union vom HKD Napredak (Hrvatsko kulturno društvo Napredak) organisiert wurde. An dem Seminar nahmen Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen aus 13 verschiedenen Ländern, einschließ-lich des Gastlandes, teil.

Man sagt, das Thema „Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt – wie kann man ihre Situation verbessern?“ sei ein brandaktuelles und dringendes Problem. Es liegt auch im Interesse von Unternehmen, Regierungen und der Gesellschaft als Ganzes, den Übergang von der Schule auf den Arbeitsmarkt zu verbessern und einen Dialog auf allen Ebenen zu errichten, um jeden bestmöglich zufrieden zu stellen und um langfristige nachhaltige Lösungen für die Beschäftigung junger Menschen zu finden. Zu den beim Seminar besprochenen Themen gehörten:

  • Der Arbeitsmarkt und die zukünftigen Herausforderungen für junge Menschen
  • Die europäische Politik zur Beschäftigung junger Menschen, die neue Chancen für die Beschäftigung junger Menschen bietet
  • Die Kompatibilität von Beschäftigungsprogrammen der Regierung mit dem Bedarf junger Menschen
  • Konzepte gegen Jugendarbeitslosigkeit
  • Heutige Trends und Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes und die Notwendig-keiten junger Arbeitnehmer
  • Wie kann der Abwanderungstrend junger Menschen aus weniger entwickelten Ländern in entwickelte Länder, insbesondere bei jungen Menschen aus Südosteuropa, gestoppt werden?

Die Teilnehmer betonten, dass die langfristige Arbeitslosigkeit junger Menschen eines der größten Probleme der Jugendarbeitslosigkeit darstelle. Sie verursacht individuelle Probleme wirtschaftlicher Art (Einkommen), sozialer Art (familiäre Beziehungen), psychologischer Art (Folgen entmutigter Arbeitnehmer) sowie soziale Probleme, d.h. Beschäftigungsrückgang, steigende Haushaltskosten (soziales Wohlfahrtssystem, Gesundheitssystem), zunehmende Ungleichheit, Verlangsamung des potentiellen Wirtschaftswachstums. Die verletzlichste Gruppe junger Menschen ist die sogenannte NEET-Gruppe (Not in Employment, Education or Training; dt. etwa: Jugendliche, die sich weder in Ausbildung noch Beschäftigung befinden).

Während des Seminars wurden viele interessante Erfahrungen aus EU-Mitgliedsstaaten sowie aus Ländern in Südosteuropa vorgestellt, die sich mit den Problemen der Jugendarbeitslosigkeit befassten. Eine der Schlussfolgerungen lautete, dass EU-Länder wie Polen, Tschechien, Litauen und andere in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit in einer etwas günstigeren Position sind als Länder in Südosteuropa, dass in diesen Ländern aber genauso wie in den Ländern Südosteuropas das Problem der Fluktuation und der Abwanderung junger Menschen eines der Hauptprobleme darstellt. In Polen haben in den letzten Jahren beispielsweise mehr als 2,5 Millionen junger Menschen das Land verlassen. Die meisten dieser jungen Menschen gingen nach Deutschland und Großbritannien. Zudem wurde bestätigt, dass das Problem der Arbeitslosigkeit nicht erst seit kurzem besteht. Dieses Problem macht der jungen Bevölkerung schon seit den einigen Jahrzehnten zu schaffen. Junge Menschen sind die Zukunft, ihre aktuelle prekäre Situation wird allerdings nicht nur eine Phase bleiben, wenn sich die verschiedenen Beteiligten nicht endlich dazu entschließen, in ihre Zukunft zu investieren. Mit qualitativ hochwertigeren Tätigkeiten und besseren Löhnen können junge Menschen am einfachsten in ihren Heimatländern und in ihrer lokalen Umgebung gehalten werden. Es liegt im Interesse von Unternehmen, Regierungen und der Gesellschaft als Ganzes, dass junge Menschen Arbeitserfahrungen sammeln können, damit sie neue Arbeitsfertigkeiten lernen und beherrschen können. Der Schlüssel zum Erfolg junger Menschen in der heutigen Zeit liegt in einem proaktiven Handeln. Die meisten Teilnehmer waren sich einig, dass einige der Maßnahmen der Beschäftigungspolitik, wie Ausbildungsprämien und Unterstützung für diejenigen, die sich selbstständig machen wollen, deutlich zur Verbesserung der aktuellen Situation junger Menschen beitragen können. Es hieß außerdem, dass Maßnahmen betreffend die Sammlung erster Arbeitserfahrungen oder eine Lehre zu den wichtigsten Maßnahmen für junge Menschen gehörten. Es wurde betont, dass eines der Probleme im Zusammenhang mit der Jugendarbeitslosigkeit das Problem ungeeigneter Bildungssysteme, vor allem in Übergangsländern sei. Es herrscht ein Ungleichgewicht zwischen den Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes und dem Bildungssystem. In Vorschlägen zur Behebung dieses Problems wurde unter anderem empfohlen, dass junge Menschen bereits in der Grundschule als Teil der Grundausbildung darüber informiert werden sollten, was sie auf dem Arbeitsmarkt erwartet. Studenten sollten Unterstützung bei ihrer beruflichen Orientierung erhalten, damit sie entscheiden können, welches Studium oder welche Ausbildung sie machen wollen und welche Art von Tätigkeiten sie letztlich ausüben wollen. Es wurde zudem vorgeschlagen, Stundenpläne und Programme mit mehr Stunden für praktische Tätigkeiten zu verbessern. Was aktuell tatsächlich in einigen Bildungssystemen fehlt, sind praktische Tätigkeiten – nicht nur in Oberschulen, sondern auch in höheren Bildungseinrichtungen. Schließlich waren sich die Teilnehmer einig, dass Berufe, die momentan nicht attraktiv genug sind und die junge Menschen nicht ausüben wollen, von den Regierungen durch ein Stipendiensystem und andere Anreize gefördert werden sollten, um junge Menschen für diese Tätigkeiten zu begeistern.

Am Ende waren sich alle Seminarteilnehmer einig, dass die Arbeitsmarktsituation für junge Menschen in jedem Land spezifisch ist und dass auch jeder einzelne Arbeitsmarkt spezifisch ist. Der Schlüsselbegriff zur Lösung des Problems lautet Flexibilität – Arbeitsmarktflexibilität und flexiblere Arbeitsverträge. In dieser Hinsicht können Regierungen und Arbeitgeber einen konstruktiven Beitrag leisten und sind Gewerkschaften diejenigen, welche die Arbeitnehmerrechte schützen müssen. Junge Menschen müssen die Möglichkeit haben, auf dem Arbeitsmarkt eine Tätigkeit zu finden.

 

EZA-Bildungsprogramm 2019

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