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Beschäftigung im Gesundheitssektor

Vom 25. bis 27. Oktober 2018 fand in Vilnius/Litauen ein Seminar zum Thema „Beschäftigung im Gesundheitssektor" statt, das von EPSIN (European Platform for Social Integration) mit Unterstützung von EZA und der Europäischen Union organisiert wurde.

Das Seminar wurde von Bartho Pronk (Vorsitzender von EZA), Danguole Boguseviciene (Direktorin der Network to Initiatives Association) und Bruno Machiels (Sekretär von EPSIN) eröffnet.

Bartho Pronk veranschaulichte die Bedeutung dieses Seminars, indem er auf die vielen Veränderungen im Gesundheitswesen in Europa und auf die Politik hinwies, mehr für weniger zu tun, was negative Folgen für Patienten, Arbeitnehmer und Gesellschaft hat.

Danguole Boguseviciene erinnerte sich an den Baltischen Weg 1990 und die Menschenkette, die viele Menschen damals und heute inspiriert hat. Sie erhofft sich von diesem Seminar die gleiche Inspiration.

Bruno Machiels betonte die wichtige Rolle des sozialen Dialogs im Gesundheitswesen. Das Mittelfeld und die Zivilgesellschaft bieten Chancen, und der Dialog zwischen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Regierung ist ein wesentliches Element.

Eine neue Vision über die Gesundheitsversorgung von Nancy Fobe, Geschäftsführerin der Sozialversicherung Christian Mutuality, Belgien

Eine Neudefinition der Gesundheitsversorgung kann neue Möglichkeiten für die Beschäftigung und die Rolle der Freiwilligen bieten. Wir haben keine Wahl, da die Bevölkerung immer älter wird. Die Kosten werden immer weiter steigen. Wenn die Gesundheitsvorsorge die Abwesenheit von Krankheiten ist, müssen wir eine positive Gesundheit mit einem sinnvollen Leben mit einer proaktiven Einstellung und Eigenverantwortung definieren. Die Krankenversicherung sollte auf die Prävention ausgerichtet sein. Die Sozialisierung kann in dieser Hinsicht eine Rolle bei der Schaffung von Pflegekreisen mit Netzwerken von Mitarbeitern und Freiwilligen spielen. Es gibt bereits Beispiele für soziale Innovationen durch Apps und Sozialgutscheine, die sich zur Sozialwirtschaft entwickeln. Die Sozialwirtschaft ist vom sozialen Dialog auf allen Ebenen abhängig.

Altenpflege und Beschäftigung von Tom van der Vreken, Direktor von IKOO Altenpflege

Der Personalmangel wird durch die Einstellung von Arbeitslosen ausgeglichen, die eine Vielzahl von Tätigkeiten übernehmen können. Gleichzeitig entwickeln sie grundlegende Fähigkeiten, die sie schließlich zu einem neuen Job führen können, in dem sie weitere berufliche Fähigkeiten entwickeln können.

In der Gesprächsrunde gab es viel Anerkennung für diese Ideen. Es wurde allgemein festgestellt, dass hier eine wichtige Rolle für die Regierungen (Gesundheitsministerien), die Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialwesen sowie die Gewerkschaften und andere Arbeitnehmerorganisationen besteht.

Die baltische Situation im Gesundheitswesen von Laimutte Puidokiene, Direktorin Familienklinik Riese

Es gibt eine Reihe von gravierenden Problemen, mit denen sich das Gesundheitswesen konfrontiert sieht. Es sind mehr Mittel erforderlich. Die Auswanderung führt zu einer wachsenden Seniorenquote. Die Arbeitsbelastung für Ärzte und Pflegekräfte ist zu hoch und führt oft zu Burnoutsituationen. Auch das bürokratische System trägt in hohem Maße zum Unbehagen bei. Dies wird zu einer zunehmenden Abwanderung von Ärzten und Pflegekräften führen, so dass die verbleibenden Ärzte und Pflegekräfte noch stärker unter Druck stehen. Dabei ist festzuhalten, dass das bürokratische System nicht nur die Arbeitsbelastung im Gesundheitswesen der baltischen Staaten, sondern auch in Mitteleuropa und fast allen westlichen Ländern beeinflusst. Dieser negative Wettlauf nach unten kann nur durch einen Politikwechsel und eine starke Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Regierung gestoppt werden. Es bedarf eines guten Managements der Personalressourcen.

Ernste Probleme im Gesundheitssektor von Jurgita Sejoniene 

70 % der Arbeitnehmer im Gesundheitswesen in ganz Europa haben eine hohe Wahrscheinlichkeit, ein Burn Out zu erleiden. In Litauen wird dies bei Ärzten, Pflegekräften, Chirurgen und Physiotherapeuten untersucht. Je jünger Sie sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, diese berufsbedingte Krankheit zu erleiden. Es ist nicht verwunderlich, dass dies ein wichtiger Grund ist, über eine Auswanderung nachzudenken.

Palliativpflege als Möglichkeit sozialer Innovation von Jonas Balaika, Direktor Hospiz Alytus

Die Palliativpflege kann sowohl in Hospizen als auch zu Hause angeboten werden. Der Bedarf an dieser Art von Pflege nimmt zu. Da die Palliativpflege meist von privaten Initiativen getragen wird, besteht ein großer Bedarf an Geldmitteln. Eine Exkursion ins Hospiz Michael Sopocko in Vilnius hat gezeigt, dass hier 70% des Einrichtungsbudgets selbst aufgebracht werden müssen. Die Hospize und die Palliativdienste zu Hause sind ein gutes Beispiel für das soziale Mittelfeld, da es eine gute Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Freiwilligen gibt. Die Hospize sind auch ein Ort der Bildung, an dem (zukünftige) Mitarbeiter Fachkompetenz entwickeln.

Die Situation des Gesundheitswesens in Albanien von Dritan Korumi, Präsident der Gewerkschaft für Gesundheitswesen, Albanien.

Da Albanien in der Vergangenheit keine Gelegenheit zur Entwicklung der Zivilgesellschaft hatte, gibt es nun neue Anstrengungen zum Aufbau der Zivilgesellschaft und zur Arbeit im Rahmen des sozialen Dialogs. Die Gewerkschaft für Ärzte und Pflegekräfte passt in dieses Muster. Die Position von Ärzten und Pflegekräften ist im Allgemeinen die gleiche wie in den baltischen Staaten. Das medizinische Personal leidet unter der Leitung des Gesundheitswesens, ist mit einer Fülle von Aufgaben konfrontiert und es gibt oft unangenehme Situationen mit unzureichender Reaktion der Behörden auf Beschwerden. Die Haltung der lokalen Regierung ist nicht ermutigend. Infolgedessen wandern viele Ärzte und Pflegekräfte aus, mit zunehmenden Folgen für die Zurückbleibenden. Dies ist eine ernstzunehmende Situation, die nur durch eine wirksame Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Gewerkschaften und der Regierung bewältigt werden kann. Das soziale Mittelfeld kann durchaus zu Lösungen beitragen. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften müssen ihre Anstrengungen bündeln, um die Regierung zu beeinflussen.

Die Situation in Ungarn von Pal Csonka, Leiter Malteser Caritasdienst, Ungarn

Offensichtlich gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen Albanien, Ungarn, den baltischen Staaten und Bulgarien und Rumänien. Im Gesundheitswesen sind Strukturreformen in Bezug auf Finanzierung und Verwaltung erforderlich. Das paternalistische System dominiert. Die Ärzte, Pflegekräfte und das Personal wissen, wie man es besser macht, aber ihre Erfahrung wird nicht genutzt. Wir müssen in den sozialen Dialog als Ausweg aus dieser Situation investieren. Gewerkschaften aus verschiedenen europäischen Ländern können mit bewährten Verfahren im sozialen Dialog unterstützen.

Die Situation der Jugendhilfe von Mariska Doornkamp, Basisgroep Social Security, Niederlande

Die Situation der Jugendhilfe in den Niederlanden zeigt Ähnlichkeiten mit anderen Ländern. Das System ist auch hier tonangebend und dient nicht den Patienten und den Arbeitnehmern. Die Regierung muss gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern und den Arbeitgebern handeln, um die Situation zu verbessern und zu verhindern, dass die vielen Freiwilligen in der Jugendhilfe frustriert sind und aufgeben.

Die Gemeindeebene von Roswitha Gottbehüt, Vorstandsmitglied KAB, Deutschland

Es gibt Entwicklungen in der kommunalen Infrastruktur mit neuen Impulsen für die Gemeinde. Dies hat zur Wiedereinführung der Gemeindeschwester Plus geführt, die eine wichtige Rolle bei der Pflegevorsorge spielt. Fachkundige Pflege und soziale Betreuung sind hier vereint. Die Nachbarschaft trägt zu einem Frühwarnsystem und zur Prävention bei. Die Einführung neuer und bestehender Jobs kann zur Schaffung von Beschäftigungschance im Gesundheitswesen beitragen.

Trends in der Auswanderung von Zsuzsanna Torok, Altenpflege, Deutschland

Es gibt immer mehr Statistiken über die Mobilität der Arbeitnehmer, insbesondere von Ärzten und Pflegekräften. Auswanderung bietet Chancen, birgt aber auch Gefahren für das Gesundheitswesen und die Gesellschaft.

Beschäftigungsprojekte in Belgien von Nancy Fobe

Sie stellt Projekte vor, die von Christian Mutuality durchgeführt werden, in denen sich Arbeitslose und Kranke gegenseitig helfen, indem sie die noch vorhandene Fähigkeiten und Kräfte nutzen. Dies ist ein guter Weg zur gegenseitigen Hilfe und trägt auch zum Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen bei. Auch Flüchtlinge sind in diesen Prozess eingebunden. Eine wichtige Methode, um diese Hilfsmaßnahmen zu ermöglichen, ist das Herausarbeiten von Jobs aus Aufgaben. Sie sind nicht in der Lage, den gesamten Job auszuführen, aber Sie können eine Reihe von Aufgaben erledigen. Gewerkschaften und andere Arbeitnehmerorganisationen können sich am Job Carving beteiligen und zur Schaffung neuer Jobs beitragen.

Freiwilligenprojekt von Danguole Boguseveviciene

Das Projekt beschäftigt sich damit, wie man Freiwillige als persönliche Assistenten in die Palliativdienste einbeziehen kann. Es handelt sich um ein langfristiges Projekt mit einer Schulung im Internet, die zum Erhalt eines Zertifikats führen kann.

Projekt Lebenslanges Lernen von Pal Csonka

Dieses Projekt ist auch für den Aufbau von Netzwerken gedacht und basiert auf den ergänzenden Aktivitäten der Arbeit, die die Gemeindekrankenschwester nicht leisten kann, wie Reinigung, Besorgungen machen und Pflege von Haustieren.

Allgemeine Informationen zu Projekten von Bruno Machiels

Es wurden kurze Einführungen zu wichtigen Projekten vorgetragen. Die Inhalte dieses Seminars zeigen die Notwendigkeit von Projekten als Impulse für soziale Innovationen im Mittelfeld mit Hilfe des sozialen Dialogs. Man braucht starke Organisationen, um ein Projekt zu realisieren. Das ist in den neuen EU-Ländern und in den Beitrittsländern sicherlich der Fall.

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen des Seminars

Wir haben beobachtet, dass der gesamte Gesundheitssektor sowohl in Westeuropa als auch in den neuen Ländern unter Druck steht. Aber die baltischen Staaten, Ungarn und Albanien leiden unter zusätzlichen Problemen in den Bereichen Entlohnung, Finanzierung, demographische Situation, Bürokratie und dominierende Prozesse, Erschöpfung und Burn-outs von Ärzten und Pflegekräften sowie Auswanderung.

Neue Entwicklungen im Gesundheitswesen können Teil der Lösung sein, wie z.B. Selbstverwaltung, Prävention und Sozialisierung sowie soziale Netzwerke auf kommunaler Ebene einschließlich Gemeindekrankenschwestern. Dabei kann die Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Wir haben festgestellt, dass private Initiativen wie in der Palliativ- und Altenpflege neue Jobs und Bildungschancen schaffen können. Bei allen Entwicklungen ist die Rolle der Freiwilligen im Mittelfeld sehr wichtig.

Aber auch der soziale Dialog ist von großer Bedeutung. Arbeitgeber und Gewerkschaften im Gesundheitswesen müssen Vorkehrungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Arbeitsbedingungen ergreifen und in ein faires Management der Personalressourcen investieren. Zudem müssen die Regierungen hier ihre Verantwortung wahrnehmen. Auf europäischer Ebene müssen Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Freiwilligenverbände und politische Parteien in Maßnahmen und Strategien investieren, um den Aufenthalt in Ihrem Heimatland attraktiver zu gestalten, die Infrastruktur des Gesundheitswesens auszubauen und zu sozialer Stabilität und Wohlergehen beizutragen.

 

 



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