Digitalisierung und sozialer Schutz der Arbeitnehmer bei neuen Beschäftigungsformen

Vom 24. bis 27. Mai 2018 fand in Bukarest, Rumänien, ein Seminar zum Thema „Digitalisierung und sozialer Schutz der Arbeitnehmer bei neuen Beschäftigungsformen“ statt, das mit Unterstützung von EZA und der Europäischen Union von CNS „Cartel Alfa“ / F.N. CORESI (Confederaţia Naţională Sindicală „Cartel Alfa“ / Fundaţia Naţională CORESI) organisiert wurde. Das Seminar war Teil der EZA-Projektkoordinierung über „Neue Arbeitsbeziehungen: Digitalisierung und Gewerkschaftsstrategien“. 42 Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen aus Rumänien, Bulgarien, Litauen, Spanien, Polen und Zypern nahmen am Seminar teil.

Zu einem der wichtigsten Aspekte des Seminars gehörte, dass sich Vertreter aus einer Vielzahl von Institutionen und Organisationen an einem Tisch versammelten und sie so die Möglichkeit hatten, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen. Das Bild der tiefgehenden Veränderungen, welche die moderne Gesellschaft und Wirtschaft beeinflussen, wurde so weiter gefüllt und auch die Arbeitsbeziehungen konnten neu gestaltet werden.

Außerdem fand die Veranstaltung in einem Kontext statt, in dem wir die Folgen des von der rumänischen Regierung Ende des letzten Jahres vollzogenen radikalen Wandels bewerteten. Durch diesen Wandel müssen nun Sozialbeiträge gezahlt werden und das nationale Sicherungssystem wird nun fast vollständig von den Arbeitnehmern getragen. Die Veranstaltung ermöglichte es den Teilnehmern so, über die zukünftige mögliche Beschaffenheit der sozialen Sicherung in der neuen Wirtschaft und in den neuen Arten von Arbeitsbeziehungen nachzudenken, welche das digitale Zeitalter mit sich bringt.

Während der Seminarsitzungen wurden die folgenden Kernthemen diskutiert:

  • Untypische Beschäftigungsformen auf europäischer Ebene
  • Risiken und Chancen der Digitalisierung
  • Soziale Sicherung in neuen Arbeitsformen
  • Qualitative und quantitative Folgen der Digitalisierung
  • Herausforderungen für Sozialpartner und erfolgreiche Ansätze in der Arbeitsvertretung
  • Gewerkschaftsstrategien zur Aufteilung negativer Folgen der Digitalisierung.
Einen der am meisten geschätzten Vorträge hielt Prof. Dr. Raluca Dimitriu von der Universität für Wirtschaftsstudien in Bukarest über „Untypische Beschäftigungs-formen“, in dem aufgezeigt wurde, wie die Arbeitsbeziehung unter Anwendung untypischer und sehr untypischer Beschäftigungsformen neu gestaltet werden wird. Im digitalen Zeitalter wird die Arbeit nicht mehr in standardmäßige Arbeitsverträge gegliedert werden, die eine Sicherung bieten, sondern sie wird zunehmend aus der schützenden Regulierung des Arbeitsrechts herausbefördert werden.

 

Weitere Redner stellten positive Beispiele vor, bei denen die Gewerkschaftsbeteiligung durch Schulungen, die Befassung mit Gesundheits- und Sicherheitsfragen und die Sicherstellung, dass Arbeitnehmer nicht ständig überwacht werden, im Umgang mit den Folgen der Digitalisierung und Mechanisierung am Arbeitsplatz entscheidend ist. Gewerkschaften konnten, wie in Litauen, außerdem einige Kategorien selbstständiger Arbeiter erfolgreich organisieren. 

 

Am Ende aller Diskussionsthemen wurden Schlussfolgerungen gezogen, die für die zukünftige Arbeit der Gewerkschaftsorganisationen relevant sind. 

 

Die Teilnehmer arbeiteten einige zukünftige Maßnahmen heraus:

  1. Priorität für den Schutz der qualitativen und finanziellen Nachhaltigkeit der Sozialsysteme in der ganzen EU, die an die neuen Arbeitsformen angepasst werden müssen. Beispiel: gesetzlich vorgeschriebener Mindestlohn für Nichtangestellte (im rechtlichen Sinne) und Sozialversicherungsbeiträge, die jeder zahlen muss, unabhängig von seiner Art von Arbeit.
  2. Weitere Analyse der Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Fertig-keiten sowie Bewertung, welche Bestimmungen für ein lebenslanges Lernen, für Umschulungen und Weiterbildungen den Arbeitnehmern in diesen neuen Beziehungen zur Verfügung stehen.
  3. Statistische Daten zu diesen Entwicklungen müssen routinemäßiger durch nationale europäische Arbeitsumfragen und Arbeitsmarktberichte, in denen bestehende bewährte Methoden festgestellt werden, gesammelt werden.
  4. Die Klärung des Rechtsstatus neuer Arbeitsmarktvermittler, wie Online-Plattformen, ist dringend erforderlich, damit sie festgestellt und reguliert werden können.
  5. Die Ausarbeitung einer Strategie zur Vereinigung der Arbeitnehmer in den neuen Beschäftigungsformen ist notwendig.
  6. Arbeitsaufsichtsbehörden sollte eine Rolle zugewiesen werden, um diese Beschäftigungsformen in ihrem Aufgabenbereich gemäß nationaler Verfahren mit angemessenen Ressourcen abzudecken.
  7. Die Digitalisierung lässt sich nicht mehr verhindern. Wir müssen gemeinsam Lösungen finden, um die negativen Auswirkungen auf Arbeitnehmer zu mindern.
  8. Um die Bedrohungen durch die 4.0 Revolution überstehen zu können, muss eine supranationale Koalition aus Gewerkschaften aufgebaut werden, die gemeinsame Standards für Arbeitnehmer in der EU schafft.
  9. Für die Wiederherstellung/Gewährleistung eines echten sozialen Dialogs und von Tarifverhandlungen auf allen Ebenen sowie für die Gewährleistung von Gewerkschaftsrechten gegenüber allen nicht standardmäßigen Arbeitern, damit sie dieselben Leistungen wie standardmäßige Arbeiter erhalten können.

 

 

EZA-Bildungsprogramm 2019

Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze: Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“

EZA-Sonderprojekt für Arbeitnehmerorganisationen im westlichen Balkan