Neue Realitäten in der Arbeitswelt: Wandel der sozialen Risiken und Bedürfnisse

Vom 26. - 27. Mai 2017 fand eine internationale Konferenz "Neue Realitäten in der Arbeitswelt: Wandel der sozialen Risiken und Bedürfnisse" in Vilnius, Litauen, statt, organisiert vom Litauischen Gewerkschaftsbund (LDF) mit Unterstützung von EZA und der Europäischen Union.

Die Konferenz wurde von mehr als 50 Führern von Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen aus Belgien, Portugal, Spanien, Lettland, Estland, Polen, Irland, Rumänien, Zypern, der Slowakei, Serbien und Litauen besucht.

J. Švedienė, Vizepräsidentin von EZA, Generalsekretärin von LDF, begrüßte die Seminarteilnehmer im Namen von EZA. Sie stellte die EZA-Organisation vor, bot neueste Entwicklungen und aktualisierte Informationen über ihre Aktivitäten und stellte schließlich die Ziele des Seminars vor. Ziel der Konferenz sei es, die sich wandelnde Arbeitsmarktsituation unter Berücksichtigung sozialer Risiken und Bedürfnisse zu besprechen.

Ziele:

•          Sensibilisierung der Gewerkschafter für die europäische Säule für soziale Rechte;

•          Identifikation von Schlüsselkräften, die die Arbeitswelt prägen;

•          Untersuchung neuer Beschäftigungstrends und neuer Berufsfelder;

•          Diskussion über die alternde Arbeit;

•          Analyse der demographischen Situation und ihres Einflusses auf das Arbeitsmarkt- und Sozialversicherungssystem;

•          Teilen der besten Praktiken aus verschiedenen europäischen Ländern;

•          Sammlung der Ergebnisse des Seminars und Weitergabe der wichtigsten Institutionen.

Der erste Teil des Seminars widmete sich den neuen Technologien und wichtigen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Der Einfluss der digitalen Technologie sei nicht vorherbestimmt. Sie werde unsere Gesellschaft und Wirtschaft weiter verändern, aber diese Veränderungen würden im Wesentlichen dazu führen, dass sich Bürger, Unternehmen und Behörden in Europa dafür entscheiden, sie zu nutzen.

Die erste Präsentation wurde von Maarten Hermans, Forscher von HIVA, zum Thema "Repräsentative Mitarbeiterbeteiligung und Innovationsprozesse auf Arbeitsplatzebene: Eine länderübergreifende qualitative Analyse von Praktiken der Arbeitsgemeinschaft" gehalten. Sein Vortrag konzentrierte sich auf diese Hauptfragen: Welchen Beitrag können Gewerkschaften für Innovationsprozessen leisten: Warum versuchen Gewerkschaften, dies zu tun? Können Gewerkschaften das tun? Was hilft/behindert Gewerkschaften dabei? Was sind die Chancen und Fallstricke für die Gewerkschaften? Der Sprecher unterstrich, dass "Workplace Innovation" sich auf Praktiken beziehe, die es Mitarbeitern ermöglichten, sich am organisatorischen Wandel zu beteiligen, um so die Qualität ihres Arbeitslebens und ihrer organisatorischen Leistung zu verbessern. Die Gewerkschaften in den verarbeitenden Sektoren setzten sich vorsichtig mit den Strategien der "Innovation am Arbeitsplatz" und der "Innovation durch Mitarbeiter" auseinander. Dies beinhalte die Behandlung von Themen, die traditionell als Management-Vorrecht gelten, die Einbeziehung von weniger vertrauten oder sogar im Konflikt mit Gewerkschaftsstrukturen stehenden Formen der Mitarbeiterbeteiligung sowie die Übernahme oder Überarbeitung von Konzepten und Diskursen wie "Hochleistungspraktiken", "Mitarbeiterbeteiligung" ", und" schlanke Produktion ". Die wichtigsten Ergebnisse der Präsentation sind:

  • Gewerkschaftliche Suche nach einer Rolle in (betrieblichen) Innovationsprozessen, Teil des Trends zum "kompetitiven Korporatismus";
  • Gewerkschaften können eine positive Auswirkungen auf Innovationsprozesse auf Organisationsebene haben;
  • Erfolg hängt von institutionellen Merkmalen ab;
  • (WP) Innovationsstrategie sowohl potenziell als auch Fallstricke für die Gewerkschaften.

Der zweite Sprecher Marius Vaščega Referent für wirtschaftspolitische Steuerung in der Vertretung der Europäischen Kommission in Litauen, hielt einen Vortrag zum Thema "Die sich verändernde Welt der Arbeit und soziale Herausforderungen: die Reaktion der Europäischen Union?" Europa stehe bei der Verringerung von Ungleichheit und sozialer Ausgrenzung vor großen Herausforderungen. 80 Millionen Menschen seien von Armut bedroht und 14 Millionen junge Menschen befänden sich nicht in Ausbildung, Beschäftigung oder Schulung.

Die Art der Arbeit und die Art, wie sie ausgeführt wird, habe sich in der Geschichte der Menschheit mehrfach verändert. Allerdings habe sich die Geschwindigkeit der Veränderungen vor allem aufgrund der digitalen Technologien deutlich beschleunigt. Viele der heutigen Jobs und gefragtesten Fähigkeiten habe es vor einem Jahrzehnt nicht gegeben, während Routineberufe anfällig für Automatisierung seien.

Jobpolarisierung und Jobverschiebung hätten in fortgeschrittenen Volkswirtschaften zugenommen. Gleichzeitig böten technologische Innovationen neue und flexible Möglichkeiten, die oft diejenigen einschlössen, die traditionell am Rande der Arbeitsmärkte lägen. Die politischen Entscheidungsträger müssten sich zwischen diesen beiden Trends bewegen: Erhalt des Kerns einer sozialen Marktwirtschaft und gleichzeitig Offenheit für Innovationen und technologiegetriebene Veränderungen, die Organisationen und Einzelpersonen gleichermaßen betreffen.

Eine gut ausgearbeitete öffentliche Politik müsse Veränderungen in der Arbeitswelt verfolgen, Daten und digitale Technologien nutzen, um sich entwickelnde Trends besser zu verstehen und Einzelpersonen gezielter zu unterstützen. Aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen würden darauf abzielen, mögliche Auswirkungen zu begrenzen und sich an neue Realitäten anzupassen. Sie würden zum Beispiel den Übergang von der Beschäftigung zur freiberuflichen Tätigkeit erleichtern und nach Möglichkeiten suchen, den Beschäftigten in der gigantischen Volkswirtschaft mehr Sicherheit zu bieten oder größere Anstrengungen zu unternehmen, um maßgeschneiderte Fähigkeiten und Ausbildungen anzubieten, die das Beschäftigungspotenzial maximieren.

Der Sprecher unterstrich die Zukunftsperspektiven für die soziale Dimension. Er stellte die Europäische Säule für soziale Rechte vor.

Irene Mandl, Forscherin bei EUROFOUND, stellte die Forschung "Neue Beschäftigungsformen" und Ergebnisse der letztjährigen Foundation-Seminarreihe "Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeit: Aufbau nationaler Agenden für eine bessere Umsetzung digitaler Veränderungen" vor. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen, wie die Notwendigkeit von mehr Flexibilität sowohl seitens der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer, hätten zu neuen Formen der Beschäftigung in ganz Europa geführt. Diese hätten die traditionelle Eins-zu-eins-Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verändert. Der Referent erläuterte die neuen Beschäftigungsformen, ihre Beziehung zur Digitalisierung, die ITC-basierte mobile Arbeit und erläuterte die Bedeutung digitaler Technologien am Arbeitsplatz. Die wichtigsten Schlussfolgerungen waren:

  • Die Heterogenität der ermittelten neuen Beschäftigungsformen lässt darauf schließen, dass allgemeine Diskussionen oder politische Empfehlungen für "neue Beschäftigungsformen" von geringem Nutzen sind. Es bedarf spezifischerer und maßgeschneiderter Ansätze, die auf einem gemeinsamen Verständnis der individuellen Beschäftigungsformen und des nationalen und länderübergreifenden Informations- und Erfahrungsaustauschs beruhen sollten.
  • Um den Einsatz neuer Beschäftigungsformen zu fördern, die sich positiv auf die Arbeitsbedingungen und den Arbeitsmarkt auswirken - Arbeitnehmerbeteiligung, Interimsmanagement und Job-Sharing - müssen Schritte unternommen werden, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer stärker dafür zu sensibilisieren;
  • Die aktuellen Untersuchungen zeigen, dass ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Arbeitnehmer und der Notwendigkeit besteht, Arbeitgebern die Nutzung dieser neuen Formen zu erleichtern. Dies könnte entweder durch Rechtsvorschriften oder durch Tarifverträge erreicht werden.

Im zweiten Teil des Seminars wurde über atypische Beschäftigungsformen und ihre Rolle auf dem Arbeitsmarkt gesprochen.

"Atypische Beschäftigungsformen in Litauen. Ihre Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Arbeitnehmer " wurde von Prof. Dr. (HP).Boguslavas Gruževskis, Direktor des Litauischen Zentrums für Sozialforschung, vorgestellt. Der Sprecher unterstrich, dass die Informationstechnologie das Konzept der Beschäftigung verändere:

  • Arbeitsplätze verlören einen spezifischen, lokalisierten Bereich, die lokale Form der (Telearbeit);
  •  Arbeitszeiten würden eher mit individuellen Bedürfnissen kombiniert und könnten 24 Stunden umfassen; unabhängig von formellen Vorschriften;
  • Kollektive Arbeit sei für Arbeiter an verschiedenen geographischen Punkten möglich.

Der Redner analysierte die atypischen Beschäftigungsformen und ihre Verbreitung in Litauen im Kontext der Europäischen Union. Ein besonderer Schwerpunkt wurde in der Rede auf die Sicherheit atypischer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt gelegt. Die Analyse ergab, dass atypische Beschäftigte trotz gewisser Vorteile von atypischen Beschäftigungsverhältnissen auf dem Arbeitsmarkt weniger abgesichert seien als Arbeitnehmer mit normaler Beschäftigung. Diese Unsicherheit werde durch häufigere Stresssituationen aufgrund von arbeitsbedingten Situationen, mangelnder Transparenz hinsichtlich des zukünftigen Einkommensniveaus und berufliche Perspektiven bestimmt. Die Analyse der statistischen Daten habe ergeben, dass Selbständigkeit und Teilzeitarbeit die häufigsten atypischen Beschäftigungsformen in Litauen seien. Hervorzuheben seien auch zwei atypische Beschäftigungsformen - Selbständigkeit und Zeitarbeit -, die in Litauen in den letzten Jahren am stärksten zugenommen hätten. Dem Sprecher zufolge dienten atypische Beschäftigungsformen effektiv der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, wenn sie ein angemessenes Einkommen sicherstellten, und die Karrieremöglichkeiten nicht einschränkten. Wenn es keine Interessenvertretung der Arbeitnehmer im Unternehmen gebe, könnten atypische Beschäftigungsformen zu Schattenwirtschaft oder zu einem Instrument zur Ausbeutung von Arbeitnehmern werden. Alle Formen der Beschäftigung müssten menschenwürdige Arbeits- und Entlohnungsbedingungen gewährleisten!

 "Analyse von kaum integrierten Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Maßnahmen zur Steigerung ihrer Beschäftigung " wurde von Inga LiuberteLeiterin der Abteilung für Arbeitsmarkt und Beschäftigung des Litauischen Arbeitsamtes, präsentiert.

Die Rednerin hat das Porträt von kaum integrierten Personen und Hauptstatistiken über die Beschäftigung und Arbeitslosigkeit solcher Menschen vorgestellt. Wie die Sprecherin betonte, lauteten die Gründe für die begrenzten Beschäftigungsmöglichkeiten für kaum integrierte Menschen wie folgt: Arbeitgeber stünden diesen Personen oft ablehnend gegenüber; es gebe keine große Anzahl von Arbeiten, die flexible Stunden oder Teilzeitarbeit böten (wichtig für Behinderte, Mütter mit kleinen Kindern); Intensiver Wettbewerb zwischen Personen, die nach ungelernten Jobs suchten; keine sozialen Fähigkeiten, geringes Selbstwertgefühl; geringe Motivation, soziale Leistungssysteme ermutigen sie nicht zur Arbeit; begrenzte Transportmöglichkeiten. Inga Liubertė stellte auch die wichtigsten Projekte vor, die umgesetzt werden und dazu beitragen, dass kaum integrierte Menschen in den Arbeitsmarkt einsteigen und dort bleiben.

Der dritte Teil des Seminars "Erhöhter demographischer Druck auf das Wirtschaftswachstum" wurde der Analyse der demographischen Situation in Litauen und den Auswirkungen der Abwanderung auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft des Landes gewidmet. Die Beschäftigung älterer Menschen wurde während dieser Sitzung analysiert. 

Rūta Brazienė, Forscherin am Litauischen Sozialforschungszentrum, stellte das Thema "Beschäftigungstendenzen älterer Menschen in Litauen. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung" vor. Die Rednerin konzentrierte sich in ihrem Vortrag auf die demografischen Trends in Litauen und Europa, die Beschäftigungstrends in Litauen und der EU und die Probleme und Chancen älterer Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt.

Die Arbeitsmarktbedingungen älterer Arbeitnehmer blieben im internationalen Vergleich günstig. Die Arbeitslosenquote älterer Arbeitnehmer (im Alter von 55 bis 64 Jahren) liege im ersten Quartal 2015 bei 8,8 Prozent (nur 1,4 Prozentpunkte höher als im Durchschnitt der EU-28). Auch wenn die Langzeitarbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern mit 52,7 Prozent relativ hoch sei, liege sie dennoch fast 10 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der EU-28. Noch wichtiger sei, dass die Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer erheblich höher sei als im Durchschnitt der EU-28 und im ersten Quartal 2015 Werte von 64,4% erreicht habe.

Das Institut erforschte die Integration älterer Menschen in den Arbeitsmarkt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass ältere Arbeitnehmer häufig Vorurteilen und Diskriminierung am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, insbesondere in Bezug auf Ausbildung und Einstellung. Hier werden ältere Arbeitnehmer oft außen vor gelassen, wobei jüngeren Arbeitnehmern, die länger im Arbeitsleben bleiben, der Vorzug gegeben wird. Ältere Menschen können kaum eine Arbeit finden, werden in der Regel aufgrund ihres Alters diskriminiert, es gibt viele Stereotypen über ältere Arbeitnehmer. Es gibt einige Empfehlungen zur Situation:

• Reduzierung von Altersstereotypen;

• Beurteilung älterer Personen nicht nach Alter, sondern nach Kompetenz;

• Erhöhung von Möglichkeiten zur Umschulung;

• Entwicklung flexibler Beschäftigungsformen;

• Initiierung der Teilarbeit von älteren Arbeitnehmern;

• Ermutigung zur Entwicklung von Kleinunternehmen für ältere Menschen;

• Schaffung attraktiver Mechanismen für die Erzeugung neuer Arbeitsplätze für ältere Menschen.

Um die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung abzumildern, seien Maßnahmen erforderlich, um die Erwerbsquoten älterer Arbeitnehmer zu erhöhen und sicherzustellen, dass ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit und die Fähigkeiten erhalten, wieder eine Beschäftigung zu finden und/oder mit dem Arbeitsmarkt verbunden zu bleiben.

Ako Astma, der Vertreter der Arbeiterbewegung in Estland ETOK und Daniel Markovic, der Vertreter der Arbeitnehmerorganisation in der Slowakei NKOS, präsentierte die Situation in ihren Ländern. Sie lieferten Hauptstatistiken über die Beschäftigung in den jeweiligen Ländern. Sie stellten fest, dass es auf dem Arbeitsmarkt eine große Zahl kaum integrierter Menschen gibt: Jugendliche ohne Grundbildung, Flüchtlinge, Minderheiten und ältere Menschen. Referenten gaben Informationen über die Regierungspolitik, die Arbeit der NRO in diesem Bereich.

Das Thema "Demografische Herausforderungen für Arbeitsmarkt, Wirtschaft und soziale Sicherheit" wurde von Dr. Arūnas Pocius, Forscher am Litauischen Sozialforschungszentrum vorgestellt.  Der Sprecher präsentierte viele Statistiken über die demographischen Tendenzen des Landes. Die Auswanderung aus Litauen werde nach wie vor als eines der dringlichsten nationalen Probleme angesehen, die sowohl demographische als auch Arbeitsmarktprobleme aufwerfen würden, doch bis vor kurzem sei nur sehr wenig unternommen worden, um diese massive Auswanderung zu stoppen und Rückkehrmigranten zu ermutigen. In seiner Rede wurde betont, dass Litauen eine der amschnellsten alternden Bevölkerungen in Europa habe und dass die im erwerbsfähigen Alter befindliche Bevölkerung dramatisch zurückgehen werde, was zu einer Reihe von wirtschaftlichen, arbeitsmarktbezogenen und sozialen Konsequenzen führen werde. Das Land habe in den letzten Jahrzehnten erhebliche Auswanderungsströme erlebt. Zwischen 1990 und 2014 sei die Nettomigrationsrate in Litauen im Durchschnitt mehr als dreimal so hoch gewesen wie im Durchschnitt der EU-28. Insgesamt seien in diesem Zeitraum mehr als eine halbe Million Menschen aus Litauen ausgewandert, wobei junge Menschen (20-29 Jahre) etwa ein Drittel ausmachten.

Sozioökonomische Entwicklung und Emigration seien miteinander verknüpft und in einer wechselseitigen Kausalität. Einerseits gehörten sozioökonomische Entwicklungen und wirtschaftliche Probleme zu den Hauptgründen der Auswanderung. Andererseits beeinflusse die Emigration, insbesondere die Massenauswanderung, wie im Falle Litauens, direkt und indirekt die gegenwärtige und zukünftige soziale und wirtschaftliche Entwicklung und fördere in vielen Fällen eine weitere Auswanderung. Die Auswanderung werde zu einer wesentlichen Wirtschaftsstrategie, die für bestimmte Teile der Bevölkerung eine Haupteinnahmequelle darstelle.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Auswanderung seien auf der Grundlage statistischer Standarddaten nicht einfach zu bewerten. Ein einfacher Vergleich der Indikatoren für wirtschaftliche Entwicklung und Migration zeige manchmal paradoxe Situationen auf, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten.

"Starke Familie - der wichtigste Wert" wurde von Vytautas Salinis, dem Direktor des Instituts für Sozialwirtschaft, präsentiert. Der Sprecher hat eine Frage gestellt - ist Familie noch ein Wert? Es scheint, dass die Familie heute zu einem seltsam entfremdeten Subjekt geworden ist. Auf der einen Seite weiß jeder, was es ist. Immerhin hat jeder (zumindest jetzt) ​​eine Mutter, einen Vater, - sowie Schwestern und Brüder, Kinder. Auf der anderen Seite, wenn wir fragen, warum wir eine Familie brauchen, welche Rolle spielt sie im menschlichen Gemeinschaftsleben, da sie die Art und Weise verändert, wie Menschen sich verbinden - man kann sie nur sehr selten beantworten. Normalerweise hört niemand auf, darüber nachzudenken. Junge Leute werden wirklich von ihren Eltern weggezogen, Großeltern haben Weisheit und ihre Traditionen unterhalten.

Auf der anderen Seite werden Liebesbeziehungen, Ehe, Kinder immer noch von der Mehrheit als Werte anerkannt. Ihre Bedeutung wird durch Untersuchungen bestätigt, die zeigen, dass verheiratete Menschen, die in einer harmonischen Familie leben, glücklicher sind. Daher bleibt die moderne Familie auch die Schule des sozialen und geistlichen Lebens, ein Beispiel und ein Ansporn, um die psychologischen Beziehungen zu stärken, einen intergenerationellen Dialog im Geiste des Respekts, der Gerechtigkeit und der Liebe zu fördern.

Diskussion am runden Tisch: Staatliche Unterstützung für Familie und Kinder - Praxis in verschiedenen Ländern? Erfahrungen verschiedener Länder: Teilnehmer aus Zypern, Lettland, Estland, Litauen, der Slowakei, Portugal, Spanien, Rumänien und Serbien hielten Reden. Vertreter jedes Landes stellten kurz die Schlüsselstatistiken zur sozialen und wirtschaftlichen Situation ihres Landes vor. Die Aufmerksamkeit galt vor allem den Besonderheiten der Familienpolitik. Welche Politik verfolgt die Regierung hinsichtlich der Unterstützung von Familien, welche Instrumente und Techniken sind am effektivsten?

Schlussfolgerungen

In Europa können sich neue Beschäftigungsformen auf ein verändertes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beziehen; auf neue Formen der Arbeitsorganisation (in Bezug auf Zeit und Ort der Arbeit oder den Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien); oder auf eine Kombination von beiden. Diese neuen Formen werden durch wirtschaftliche Umstände, aber auch durch technologischen und gesellschaftlichen Wandel verursacht. Während die meisten neuen Beschäftigungsformen noch marginal sind, ist davon auszugehen, dass einige von ihnen das Potenzial haben, einen vollständigen Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt zu bewirken.

Gleichzeitig hat die digitale Revolution zu einem Anstieg der Nachfrage nach neuen Arbeitsplätzen und Berufskategorien geführt, die es vor einem Jahrzehnt noch nicht gab. Dazu gehören Menschen mit einem hohen Technologiequotienten wie Big-Data-Spezialisten, Social-Media-Manager, Cognitive-Computing-Ingenieure, Internet of Things-Architekten und Blockchain-Entwickler.

Angesichts der Veränderungen am Arbeitsplatz müssen die Menschen zunehmend neue Fähigkeiten erlernen, um während ihres gesamten Arbeitslebens arbeitsfähig zu bleiben. Sie werden immer häufiger Arbeitgeber, Arbeitsplätze, Beschäftigungsstatus und Berufe wechseln und dies schneller als je zuvor. Und da die Menschen länger leben, werden sie höchstwahrscheinlich auch länger arbeiten müssen, entweder freiwillig oder aus Notwendigkeit. Während einige die Werkzeuge und Denkweisen haben, um dies flexibel zu erfassen, sind nicht alle mit den Fähigkeiten, Kompetenzen und Unterstützungssystemen ausgestattet, um auf diese Veränderungen reagieren zu können.

Aus diesen Gründen werden Training und Umschulung im Arbeitsleben der Menschen eine grössere Rolle spielen. Vor dem Berufsleben erworbene Bildung muss regelmäßig "aufgefüllt" werden. Übergänge werden häufiger und komplexer sein - vor allem in Bezug auf die Verantwortung für Familie und Pflege einerseits und Beschäftigung und Ausbildung andererseits. Diese müssen besser unterstützt werden als heute.

AUFLÖSUNG

Mehr als 50 Vertreter von Arbeitnehmerorganisationen aus Spanien, Portugal, Serbien, Zypern, der Slowakei, Rumänien, Estland, Lettland, Polen, Belgien, Irland und Litauen nahmen an einer Konferenz teil, auf der sie

  • einen Überblick über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigten gaben;
  • eine Diskussion über die Dokumente und Initiativen der Europäischen Kommission der Europäischen Sozialpartner führten;
  • den Präsentationen des Vertreters der Vertretung der Europäischen Kommission in Litauen, des Arbeitsamtes, des Litauischen Instituts für Sozialforschung, der belgischen HIVA, des Instituts für Sozialwirtschaft, von Eurofound sowie anderer Präsentationen der Teilnehmer der Konferenz zuhörten;
  • aktiv an den Diskussionen teilnahmen. 

Die Sozialpartner behaupten, dass die vom Arbeitsmarkt geforderten Kompetenzen heutzutage völlig anders seien. Der jungen Generation falle es leichter, die nachgefragten Fähigkeiten zu erwerben, aber im Falle von mittleren und älteren Generationen seien die Fähigkeiten nicht ausreichend. Derzeit sei die Bedeutung eines konstruktiven sozialen Dialogs, von Verhandlungen und Vereinbarungen, Verantwortung, Moral, Solidarität und sozialer Gerechtigkeit die Werte von höchster Priorität.   

Die Sozialpartner beschlossen:

  1. Unterstützung der Initiative der Europäischen Kommission "Aufbau der europäischen sozialen Säule".

Unterbreitung von Vorschlägen an nationale Regierungen:

  1. Anerkennung, dass die Steuersysteme in den meisten europäischen Ländern nicht der gegenwärtigen sozioökonomischen Situation entsprechen und den Bürgern keine Möglichkeiten bieten, ihre Bedürfnisse zu befriedigen;
  2. Ermutigung von nationalen Regierungen, ihre Steuersysteme zu überprüfen und die Haushaltsmechanismen zu verbessern;
  3. Erhöhung der Zuweisungen aus dem BIP zur Sicherung des Sozialschutzes;
  4. Verbesserung der Möglichkeiten für ihre Mitarbeiter, das Privatleben und die Arbeit besser miteinander zu vereinbaren und das Netz öffentlicher Einrichtungen, die Kinderbetreuungsdienste anbieten, auszubauen;
  5. Fokus auf den Abbau von Kinderarmut und die Stärkung der wirtschaftlichen Situation der Familie.     Erhöhung der staatlichen Leistungen für Kinder, Bereitstellung von mehr Mitteln für Bildungseinrichtungen, um bedürftigen Schülern kostenloses Essen zu bieten;
  6. Verbesserung der Entlohnungssysteme
  7. Überbrückung der Kluft zwischen dem Mindestlohn für die Arbeit und dem Durchschnittsgehalt im Land;
  8. Annäherung von Mindeststandards für die Lebenshaltungskosten an die Realität und Verknüpfung mit den dringendsten Bedürfnissen der Bürger;
  9. Zuweisung weiterer Mittel aus dem ESF, um die Fähigkeiten der Sozialpartner zur Verbesserung des sozialen Dialogs auszubauen; 
  10. Sicherstellung einer stärkeren Einbeziehung der Sozialpartner in die Entscheidungsfindung und Berücksichtigung derer Vorschläge.

 

EZA-Bildungsprogramm 2019

Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze: Gefährliche Substanzen erkennen und handhaben“

Deutscher Betriebsrätetag 2019 in Bonn