Keine Mitbestimmung, kein Sozialschutz: Plattformarbeit

Egal ob Uber oder Deliveroo - Plattformarbeit tritt in der EU immer häufiger auf. EZA hat gemeinsam mit ETUI und CNV aus den Niederladen ein Seminar organisiert, das sich mit der Komplexität und den Herausforderungen dieser neuen Arbeitsform beschäftigte.

Teilnehmer des Seminars in Utrecht

CNV Präsident Piet Fortuin

EZA-Präsident Luc Van den Brande

Utrecht - Der Präsident von CNV (Christelijk Nationaal Vakverbond) Piet Fortuin brachte es ganz am Anfang auf den Punkt: „Plattformarbeiter haben keinen Sozialschutz, keine Mitbestimmung, keine gute Bezahlung. Arbeitgeber sollten aber ihre Verantwortung übernehmen, das ist heute - auch in Zeiten der Digitalisierung - immer noch wichtig.“
So ungefähr könnte man die Problemstellung zusammenfassen, der sich das EZA-Seminar in Kooperation mit ETUI (European Trade Union Institute) und CNV gewidmet hat.

Während des zweitägigen Seminars in Utrecht wurde diskutiert, wie sich Plattformarbeit definiert und wie Arbeitnehmerorganisationen Plattformarbeiter erreichen können. Weiterhin standen Beispiele aus einzelnen Mitgliedsländern wie den Niederlanden, Schweden oder Ungarn im Fokus. Dabei zeigte sich, dass das Thema Plattformarbeit ganz unterschiedlich gehandhabt wird und unterschiedliche Auswirkungen in den jeweiligen Ländern hat.

Plattformarbeit entspricht nicht dem Klischee

Wissenschaftler, Gewerkschaftler und Vertreter von Bildungsinstitutionen haben Forschungsergebnisse aufgezeigt oder von ihren Erfahrungen aus Tarifverhandlungen oder juristischen Prozessen berichtet. Agnieszka Piasna, wissenschaftliche Mitarbeiterin von ETUI, fand durch Ihre Studien beispielsweise heraus, dass das Klischee des Studenten, der für Deliveroo Pizza ausfahre nicht immer zutreffe. Gerade in Ländern Zentral- und Ost-Europas seien Plattformarbeiter im Schnitt Mitte dreissig. Prekäre Verhältnisse für die Arbeitnehmer seien allerdings die Regel.

Martin Willems vom EZA-Mitgliedszentrum ACV/CSC (Algemeen Christelijk Vakverbond) aus Belgien stellte exemplarisch „United Freelancers“ vor - eine neue Abteilung in seiner Gewerkschaft, die versuche Plattformarbeiter zu organisieren.

EZA-Präsident Luc Van den Brande sagte: „Plattformarbeit ist ein qualitatives Problem. Es muss dringend gehandelt werden und die Welt wartet nicht darauf, bis wir hier in Europa reagieren.“ Zur Kooperation mit ETUI sagte er: „EZA und ETUI ergänzen sich. Solche Kooperationen sind wichtig für uns als Arbeitnehmerorganisationen.“

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