Homepage > Veröffentlichungen > Seminarberichte > Mehr und bessere Jobs > Mehr und bessere Jobs - LOC/MTC - Aveiro, Portugal

Die Liga Operária Católica - Movimento de Trabalhadores Cristãos (LOC/MTC) führte vom 9. bis zum 11. Juni 2010 in Aveiro, Portugal, ein internationales Seminar zu dem Thema “Mehr und bessere Jobs” durch. Auf dem Seminar waren Repräsentanten vergleichbarer Bewegungen in Spanien (HOAC), Deutschland (KAB), Polen (Solidarnosc), der Katholischen Arbeiterjugend (JOC), der Arbeiterseelsorge, der Base-FUT und Michael Schwarz in Vertretung von EZA anwesend.
Angesichts der wirtschaftlichen und finanziellen Krise wurde eine Analyse erstellt über die prekären Arbeitsverhältnisse und die Aufforderungen zur Innovation, um mehr nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen. Die Teilnehmer stellten aufgrund des Prinzips der Lebensrevision folgendes fest:
SEHEN:
Die prekären Arbeitsverhältnisse haben im Laufe der letzten Jahrzehnte zugenommen und wurden durch die Wirtschaftkrise erschwert. Diese Realität vermittelt den Arbeitnehmern ein Gefühl der Unsicherheit und Unbeständigkeit für ihr Privat- und Familienleben.
Eine stabilen Arbeit mit Rechten ging zu einer prekären, institutionalisierten Situation über, die immer von den Unternehmern gefordert wurde. Gefordert wird immer mehr eine progressive Deregulierung ohne Bindungen mit Arbeitsflexibilisierung, niedrigen Löhnen, atypischen Beschäftigungsformen und Schattenwirtschaft. In dieser Struktur werden die Arbeit und die Arbeitnehmer hauptsächlich als eine Ware und als ersetzbar angesehen.
Die Arbeitslosigkeit ist ist eine Geibel, die die gesamte Gesellschaft betrifft, insbesonders Jugendliche, Frauen, Migranten und unqualifizierte Arbeitskräfte.
Von den Ursachen für die Krisensituation sind hervorzuheben: das schwache neoliberale Wirtschaftssystem, das auf der ungeregelten Finanzspekulation, Gewinn und mablosem Gewinnstreben basiert. Fehlende ethische und moralische Prinzipien des Finanzmarktes sind die Basis dafür.
Die Konsequenzen sind zahlreich: wirtschaftliche Rezession, Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen, Vertrauensverlust, Anstieg sozialer Ungleichheit und von Armut, was in der Gesellschaft zu Unsicherheit und Angst führt, sowie zum Anstieg fremdenfeindlicher und protektionistischer Tendenzen.
URTEILEN:
Angesichts dieses Szenarios glauben wir weiterhin, dass der Mensch der Mittelpunkt des gesamten wirtschaftlichen Lebens sein muss und dass die Arbeit die menschliche Würde fördern und zum Glück und der persönlichen Selbstverwirklichung beitragen muss.
Als christliche Arbeiterbewegung glauben wir, dass der Mensch nicht instrumentalisiert werden kann, sondern Subjekt der Arbeit ist, denn sein Wert ist begründet in menschlicher Würde. Benedikt XVI. behauptet in der Enzyklika Caritas in veritate, dass die würdige Arbeit der “Ausdruck der wesentlichen Würde jedes Mannes und jeder Frau” sein muss.
Wir werden aufgefordert, eine neue Ethik zu leben: von der Macht des Kapitals zur Solidarität in der Nutzung und der Produktion; eine neue Spiritualität zu leben: vom Gewinnstreben zur Freude an der durchzuführenden Tätigkeit.
Die Organisation der Arbeit muss die menschliche Entwicklung auf allen Ebenen ermöglichen: materiell, kulturell und spirituell. Denn die Arbeit ist ein Wertversprechen. Die Werte der Arbeit sind Ausdruck der Gemeinschaft der Herkunft, der Zukunft und der Würde aller Menschen.
HANDELN:
Die Teilnehmer des Seminars sind der Meinung, dass es für den Erhalt von mehr und besseren Jobs wichtig ist:
-Dass die würdige Arbeit, der soziale Dialog und die Demokratie in den Unternehmen gefördert werden als Gewährleistung für gute Praktiken in den Arbeitsstätten. Es ist wichtig, die regulierende Rolle des Staates zu stärken.
-Dass die Politik zum sozialen Schutz der Arbeitnehmer und ihrer Familien gestärkt wird.
-Dass eine Neuverteilung der Arbeit auf alle erfolgt mit einer Reduzierung des Arbeitstages und dass ein angemessenes und gerechtes Gehalt gewährleistet wird.
-Dass eine lebenslange Weiterbildung eingeführt wird, die es den Arbeitskräften ermöglicht, angemessen auf die unterschiedlichen Arbeitsangebote zu reagieren.
-Dass die aktive Teilnahme der Arbeitnehmer in ihren Organisationen gefördert wird. Diese müssen Mut zur Erneuerung zeigen, vor allem bezüglich der neuen Herausforderungen im Bereich von Weiterbildung und Kommunikation.
-Dass die Vereinbarung der Arbeit mit dem Familienleben gefördert wird, insbesondere durch den Kampf gegen Sonntagsarbeit.
-Dass die Kirche bei ihrer pastoralen Arbeit die Realität der berufstätigen Männer und Frauen berücksichtigt, die heutzutage durch prekäre Arbeitsverhältnisse und Armut gekennzeichnet ist.
-Dass der Staat sich bei seiner Wirtschaftspolitik von dem Prinzip des Gemeingutes leiten lässt, mit besonderem Augenmerk auf die Mittelloseren.
-Die Anerkennung und Wertschätzung der Sozialökonomie, wie soziale, genossenschaftliche und sonstige Leistungen für mehr nachhaltige Arbeitsplätze und mehr soziales Wohlbefinden.
Die christlichen Arbeiterbewegungen werden aufgerufen, ihr Leben, ihre Güter und ihren Kompromiss mit allen Männern und Frauen zu teilen, die am stärksten betroffen sind.
Das Seminar erhielt finanzielle Unterstützung durch EZA – Europäisches Zentrum für Arbeitnehmerfragen und die EU – Europäische Union.
http://www.youtube.com/agenciaecclesia#p/u/4/elfQvmJ9ngo
http://agencia.ecclesia.pt/setenta/noticia.php?noticiaid=80229