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EZA-Startseminar „Schwerpunkte des europäischen Sozialen Dialogs“

Vom 13. bis 14. November 2009 fand das EZA-Startseminar „Schwerpunkte des europäischen Sozialen Dialogs“ in Doorn, Niederlande, statt, in dem 58 geplante Aktivitäten der EZA-Mitgliedzentren für das Haushaltsjahr 2010 im Mittelpunkt standen.

Der Vorsitzende von EZA, Raf Chanterie, betonte in seiner Begrüßung, dass Bildungsarbeit angesichts der aktuellen Finanzkrise mehr denn je wichtig sei. Besondere Bedeutung hätten in diesem Zusammenhang die soziale Sicherheit, die Menschenrechte, der soziale Dialog, die europäische Charta der Grundrechte, die soziale Marktwirtschaft als Alternative zum puren Kapitalismus sowie die Partizipation aller europäischen Bürger.

Nach Grußworten von M. E. M. Doorewaard, Direktorin SBI Doorn, Bert van Boggelen, stellvertretender Vorsitzender CNV, und Leen La Rivière, CNV-Kunstenbond, sprach Jean-Paul Tricart, Leiter der Abteilung Europäischer Sozialer Dialog der Europäischen Kommission, zum Thema „Neue Tendenzen im Europäischen Sozialen Dialog“. Er betonte die Förderung des Sozialen Dialogs durch die Kommission, die allerdings auch von der Dynamik der Organisationen abhänge. Die EU befinde sich derzeit in einer Übergangsphase, einer Phase der Unsicherheit. Nichtsdestotrotz habe Barroso angekündigt, dass das Soziale eine größere Gewichtung bekommen solle. Die große Herausforderung für den Europäischen Sozialen Dialog bestehe in der Finanz- und Wirtschaftskrise und den daraus resultierenden Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, vor allem hinsichtlich der Jugend, sowie in der Tatsache, dass das Modell der Wettbewerbsfähigkeit der EU überdacht werden müsse. Ein weiterer wichtiger Punkt sei der Klimawandel. In Zukunft solle vermehrt darauf geachtet werden, so genannte grüne Arbeitsplätze zu schaffen bzw. schon bestehende in solche umzuwandeln. Die Konsequenzen unseres Handelns bezüglich des Klimawandels müssten besser antizipiert werden. Außerdem dürfe die demographische Entwicklung nicht außer Acht gelassen werden.

Eine weitere große Herausforderung für die kommenden Jahre sei es, die Bürger neu für Europa zu begeistern.

In der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise habe sich gezeigt, welch große Rolle soziale Schutzsysteme spielen. Die Länder mit den bestausgebauten Systemen hätten die kurzfristigen Effekte der Krise am besten gemeistert. Die Debatte über die Ursachen der Krise und die Suche nach Lösungen bleibe offen.

Tricart forderte einen Ausbau der Förderung der Jugend, die nicht die Leidtragenden der Krise sein dürften. Offen blieb die Frage, ob Flexicurity die Lösung für alle Probleme sein könne.

Derzeit sei die Kommission in Vorbereitung der Dekade 2010 – 2020. Dabei stütze man sich auf die Pfeiler Umwelt, Beschäftigung/Soziales, Wettbewerbsfähigkeit/Innovation und Wiederbelebung des Binnenmarktes. In diesem Zusammenhang müssten sich die Sozialpartner ihrer Rolle bewusst werden. Doch auch die Arbeitsbereiche Diskriminierung, Gleichberechtigung, Mobilität, Sicherheit am Arbeitsplatz etc. würden weitergeführt werden.

Es müsse Bilanz gezogen werden hinsichtlich der Ergebnisse, die im Rahmen der Lissabon-Strategie erzielt wurden und die Rolle der Sozialpartner stärken. Diese Debatte müsse auch in die einzelnen Länder bzw. Sektoren getragen werden.

Im Anschluss daran stellten 53 Organisationen aus 21 europäischen Ländern ihre Projekte für das Haushaltsjahr 2010 vor, die sieben Themengruppen zugeordnet sind:

-Sozialer Dialog im Prozess der europäischen Erweiterung und Integration

-Rolle der Sozialpartner, Information und Konsultation, Beteiligung der Arbeitnehmer

-Strukturelle Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt

-Mehr und bessere Jobs

-Balance zwischen Flexibilität und Sicherheit

-Chancengleichheit für Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt, Vereinbarkeit von Familie und Beruf

-Mobilität und Migration von Arbeitnehmern

Wie schon im vergangenen Jahr stehen vielen Projekte im Zeichen der Sorgen der Arbeitnehmer in Bezug auf die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Seminarteilnehmer konnten aus erster Hand erfahren, welche Probleme es in den verschiedenen europäischen Ländern bei der Umsetzung des Sozialen Dialogs gibt. Allen Projekten gemeinsam ist, dass angestrebt wird, ein Lernergebnis, einen Mehrwert für den Sozialen Dialog zu erarbeiten.

Zu drei Themengruppen – „Nachhaltige Beschäftigung“, „Information und Konsultation in KMU“ und „Arbeitsstress – Herausforderung für Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz“ – wurden Projektkoordinierungen gebildet, in denen die Partner in einem engeren Verbund zusammenarbeiten werden. Ziel der Projektkoordinierungen ist es, Brücken zwischen den Seminaren zu schlagen. Schon in der Vorbereitungsphase wird eine intensive Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Zentren und Personen angestrebt, um eine effizientere Organisation von Parallel- und Folgeprojekten zu ermöglichen.

Jos Kooman und Wilfried Wienen stellten die ersten Ergebnisse des Projekts „Transformation von Forschung in Bildung“ vor, in dem unter anderem der EZA-Leitfaden zur Qualitätsentwicklung internationaler Seminare für Arbeitnehmerorganisationen weiterentwickelt wird. Es gehe darum, das Thema, die Teilnehmenden, die gesellschaftlichen Kompetenzen sowie das Seminar selbst im Blick zu behalten. Zur besseren Umsetzung soll didaktisches Material entwickelt und bereitgestellt werden, das in Form einer Broschüre und als Downloads zur Verfügung gestellt werden wird.

Ab sofort stellt EZA seinen Mitgliedern eine Passwort-geschützte Online-Referentendatenbank zur Verfügung, in der – strukturiert durch die sieben EZA-Themen und in Kombination mit der gewünschten Referatssprache – ganz gezielt nach qualifizierten Referenten gesucht werden kann.

Prof. Jan Jacob van Dijk, Lehrstuhl Christlich-Soziales Denken der Freien Universität Amsterdam und Mitglied des niederländischen Parlaments sprach zum Thema „Die Krise in der Wirtschaft und die Rolle der Arbeitnehmerbewegungen“. Er betonte, es sei ein Fehler, jetzt, da ein Ende der wirtschaftlichen Rezession abzusehen sei, so weitermachen zu wollen wie vorher. Da es sich auch um eine moralische Krise handele, müsse im Gegenteil die Diskussion über die Gründe, die zur Krise geführt haben, weitergeführt werden. Und es müsse dafür gesorgt werden, dass es in fünf Jahren nicht eine noch größere Krise gibt. Eine Regulierung durch die Regierungen löse das Problem nicht. Es müsse ein dritter Weg zwischen Macht und Staat gefunden werden. Wichtig sei ebenfalls, ausgehend von christlichem Gedankengut nach Lösungen für die Krise zu suchen.

Die daran anschließende Diskussion unterstrich den letzten Gedankengang. Außerdem wurde betont, dass die Qualität der Arbeit fortan im Mittelpunkt stehen müsse. Es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass ei Menschen die Gesellschaft mehr mitgestalten können. Ziel könne nicht immer nur Wachstum sein, Wachstum habe Grenzen. Auch die Gewerkschaften müssten nach mehr Einigkeit streben, sich selbst in Frage stellen und gemeinsam neue, unabhängige Ziele formulieren.